Tunja, El Cocuy, Sogamoso

Abschied

Am Sonntag, dem 22. Februar war es Zeit. Nach einem Monat mit der Familie Gutierrez-Anayas mussten wir uns verabschieden. Es fiel allen schwer. Maritza, unsere Gastmutter, musste sogar weinen. Wir haben in Bogota eine 3.Familie gewonnen!  

Da es Sonntag war, hatten wir viele Strassen für uns (Ciclovia). Das war gut so, wir hatten über 20km zu fahren bis wir nur aus der Stadt raus waren. Unser erstes Ziel war Zipaquirá, wo wir die Catedral de Sal besuchen wollten. Die Catedral de Sal war einmal eine Salzmine, die zu einer Pilgerstädte umgebaut wurde. Über mehrere Kilometer führt der Weg in den Berg hinein, und überall sind effektvoll beleuchtete Kreuze zu bestaunen, welche die Leidensstationen Jesu vor der Kreuzigung versinnbildlichen. Die eigentliche Kathedrale ist eine riesige Höhle mit massiven Säulen, und sehr eindrücklich.

So, 22.02.15 - 16:47 - Catedral de Sal, ZipaquiráCatedral de Sal, Zipaquirá
 So, 22.02.15 - 16:25 - Catedral de Sal, ZipaquiráCatedral de Sal, Zipaquirá
 So, 22.02.15 - 16:13 - Catedral de Sal, ZipaquiráCatedral de Sal, Zipaquirá

An diesem und auch an den nachfolgenden Tagen übernachteten wir jeweils in den Hotels der Pueblos auf unserem Weg. Es fand sich immer eines, auch in abgelegeneren Orten. Die Preise und die Qualität variierten, aber nicht immmer war ein Zusammenhang erkennbar. Die Duschen waren recht gewöhnungsbedürftig, ein elektrischer Durchlauferhitzer auf eine Weise verdrahtet dass es meinem Elektrikerherzen etwas bangt, und wenn man mehr als ein Tröpfeln will ist das Wasser doch kalt.

Für mich ein wahrer Horror, da ich kaltes Duschen verabscheue, vor allem dann, wenn der Raum oder das Wetter kalt ist!

Ab dem zweiten Tag merkten wir auch, dass wir in den Anden sind - es wurde zusehends hügelig. Da wir auch auf 2500 - 3000müM waren hatten wir doch einige Mühe damit.

Schon eigenartig, wenn du bei den ersten Hügeln keine Energie- und Atemprobleme hast und es plötzlich strenger wird, ohne ersichtlichen Grund. Ich hab dann erst gemerkt was los war, als Andy mich darauf hinwies, dass wir auf fast 3000müM waren.

 

Tunja

Luzia's Po hatte auch noch Angewöhnungsbedarf, und ausserdem den Wunsch nach einer anderen Radhose. In Tunja fanden wir einen Laden der uns eine passende Hose innerhalb einer Woche liefern wollte. Also stellten wir unsere Räder im schönen und freundlichen Hotel Casa Real ein und machten uns in Richtung Parque Nacional Natural El Cocuy auf. Das bedeutete eine holperige, manchmal staubige Fahrt von neun Stunden. Leider hatten wir auch noch einen Kleinbus mit schlechter Klimaanlage erwischt (und ich hatte Luzia noch vor den zu fest gekühlten Bussen gewarnt...)

Aus diesem Grund habe ich mich natürlich warm angekleidet (lange Unterhosen und Unterhemd), da ich ja so ein "Gfröhrli" bin. Nach etwa 4Stunden fahrt hielten wir in einem Tal bei einem Restaurant und es war so heiss, dass ich fast verging! ;)

Di, 24.02.15 - 13:54 -                                                                                                                      Lichtflecken in der Landschaft
Do, 05.03.15 - 15:17 - Streetlife, TunjaStreetlife, Tunja

El Cocuy

In  El Cocuy angekommen stellten wir fest, dass wir ausserdem noch einen Versicherungsnachweis gebraucht hätten. Der war natürlich auf meinem Computer in Tunja. Dank schneller Hilfe von Gabi, Luzia´s Schwester, hatten wir die dann am nächsten Tag. Wir wurden auf 4000m Höhe gefahren und mussten noch eine Stunde lang mit Gepäck bis zu einer Cabaña (Hütte) gehen. Es war eigentlich fast flach, aber es fühlte sich an wie ein Marathon. Naja, so ungefähr :)

Nachdem wir das Zelt aufgestellt und uns eine Suppe gekocht hatten, überfiel mich die Müdigkeit. Ich legte mich hin und schlief etwa eine Stunde tief und fest. Als ich aufwachte wollte ich Andy helfen beim Abwaschen. Er meinte nur trocken, dass er dies schon erledigt habe - ob ich dies nicht gemerkt hätte? Da war ich wohl ziemlich weggetreten :)

Dafür war die Landschaft absolut spektakulär. Der Páramo, ein Ökosystem das nur in den Anden existiert, ist geprägt von Sukkulenten. Vor allem die Frailejones beherrschen das Landschaftsbild. Sie sind eine Sukkulentenart, die mehrere Meter hoch wird und Wasser in ihrem extrem flauschigen Körper speichert. 

Es gibt aber auch kleinere, unscheinbarere Sukkulenten im Páramo, die genau so schön sind. Und die Ruhe dort ist unglaublich!

Übernachtet haben wir im Zelt. In der Nacht wurde es ziemlich kalt, Luzia hatte nicht gerade Freude. Leider setzte ihr dann auch noch die Höhe ziemlich zu, sie hatte einen leichten Streifer von Höhenkrankheit mit Kopfschmerzen. Wir merkten später, dass wir wohl zu wenig Wasser getrunken hatten, ein grober Fehler auf dieser Höhe. Am zweiten Tag machte ich mich dann alleine auf zum Pulpito del Diablo, einem markanten Felsen mitten in einem Gletscher. Eine ziemlich anstrengende Wanderung, die mich bis auf 4800müM führte. Das Farbenspiel von Sonne, Wolken und Felsen war wunderschön, alleine dafür hatte sich für mich die lange Fahrt gelohnt!

Der Rückweg, zusammen mit einer Gruppe Rolos (Leute aus Bogotá) wurde dann recht schwierig, weil Wolken aufzogen. Zum Glück hatte ich ein Telefon mit Offlinekarte dabei. Denn unwissende Idioten hatten tausende von Steinmännchen gebaut. Die Originalen, der Orientierung dienenden, waren nicht mehr von den unnötigen zu unterscheiden. Wir kamen trotzdem heil und ziemlich müde wieder in der Cabaña an und genossen unser Nachtessen um so mehr.

Am dritten Tag ging es Luzia so weit wieder gut, und wir erkundeten zusammen noch die Lagunas in der Nähe der Cabaña, bevor wir uns am Abend wieder ins Dorf chauffieren liessen. Luzia hatte die kalten Nachttemperaturen satt...

Irgendwie stellt mein Körper das Heizen ein, wenn meine Finger und Füsse mal kalt sind. So geht es sogar im Schlafsack mit trockenen Kleidern 1-2 Stunden, bis ich nicht mehr friere und endlich schlafen kann. Das macht zugegebenermassen nicht so viel Spass im Zelt zu übernachten. Ich hoffe allerdings, dass mein Körper das Heizen noch etwas lernt und wir schon ab und zu in höheren Gefilden zelten können!

Leider hatte das "Luxushotel" das wir in El Cocuy wählten, keine funktionerenden warmen Duschen. Man versprach uns zwar mehrmals das zu beheben, aber dabei blieb es... Stinkend und müde gingen wir zu Bett. Den nächsten Tag verbrachten wir noch in El Cocuy, wo ich mir den ersten Südamerikanischen Haarschnitt verpassen liess. Superfreundlich, schnell und ca. zwei Franken günstig :)

Dabei habe ich mich doch soooo auf eine warme Dusche gefreut, die sogar im Reisefuehrer für dieses Hotel angepriesen wurde. Tja,....

Für den Rückweg nahmen wir dann einen VIEL besseren Nachtbus. Leider hatten die dauernden Wechsel Luzia noch mehr zugesetzt. Ein fieser Husten machte sich bemerkbar. Wir beschlossen also, einige Ruhetage in Tunja einzulegen. Leider kam dann auch noch die Nachricht, dass die bestellte Radhose erst in der nächsten Woche eintreffe.

Di, 03.03.15 - 15:03 - Pueblo El CocuyPueblo El Cocuy
Mo, 02.03.15 - 12:09 - Frailejones oder Schopfrosetten. DIE prägende Pflanze des Paramo, einer Klimazone der AndenParque Nacional Natural 'El Cocuy'
 So, 01.03.15 - 12:46 - Parque Nacional Natural 'El Cocuy'Parque Nacional Natural 'El Cocuy'

Sogamoso, Lago de Tota und Salto de Candelas

Nach zwei Tagen wurde es uns dann doch zu ruhig, und wir machten uns per Bus auf nach Sogamoso, wo wir eine Weile auf der Finca San Pedro verbrachten. Dort konnten wir unser Zelt im Garten aufstellen, zwischen einer Ziege, Hühnern, Gänsen, zwei Katzen und zwei Pfauen. Wir unternahmen mehrere Tagestouren, zur naheliegenden Laguna de Tota (mit weissem Sandstrand) sowie zum Salto de Candelas, dem zweithöchsten Wasserfall Kolumbiens. Der Weg lohnte sich vor allem wegen dem tropischen Regenwald in der Umgebung. Es wimmelte von Schmetterlingen, exotischen Vögeln, und Luzia entdeckte sogar eine Stabheuschrecke mit dem Aussehen eines trockenen Ästchens.

Schon eindrücklich, wenn man nur den Masoala-Regenwald des Zoo Zürichs kennt. Es riecht zwar ähnlich, allerdings nicht unterlegt mit Schimmelgeruch, der wohl in einem Treibhaus nicht zu verhindern ist. Und wenn man dann noch Entdeckungen, wie die Stabheuschrecke macht, ist das einfach fantastisch. Leider sind uns zwei Hunde einer kleinen Farm beim Beginn des Weges gefolgt. Sie liessen sich nicht davon abbringen mit uns zu kommen. Das Hofhundeleben ist ihnen wohl manchmal zu langweilig. Dies war wohl der Grund, dass die Vögel sich etwas zaghaft zeigten, da die Hunde bei jedem kleinen Knacken ins Gebüsch rannten. Aber irgendwie war es doch spassig! Am Ende hatten sie etwas Stalldrang und eilten voraus. So konnte Andy doch noch 2-3 Bilder von sehr schönen schwarz-gelben Vögeln machen.

Übrigens ist die Finca San Pedro zwar kein Geheimtipp mehr, aber allemal einen Besuch wert. Das Hostel ist ein Familienbetrieb mit supernetten Menschen und aberwitzigen Tieren, die einen unterhalten. Eine Ziege, die Jagd auf Katzen macht oder ein Possum, das sich in der Küche versteckt. Schlafen kann man im Dorm, Doppelzimmer oder im Zelt. Das Frühstück ist sehr lecker und die Duschen sind bis jetzt die Besten in Colombia! ;) Ausserdem beschäftigen sie Volunteer, mit denen wir einige interessante Gespräche teilten und den Mercado von Sogamoso besucht hatten.


Zurück in Tunja war die Radhose immer noch nicht eingetroffen. Vermutlich wird nichts mehr draus. Wir bereiten uns mal für die Weiterreise nach Villa de Leyva, San Gil und Bucaramanga vor.

Di, 10.03.15 - 22:17 - In der HostelkücheWeissohriges Andenpossum
Mo, 09.03.15 - 15:10 - Salto de CandelasSalto de Candelas
Mo, 09.03.15 - 14:15 - StabheuschreckeStabheuschrecke

 

 

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