Tunja - Vila de Leyva - San Gil

Es war jetzt schon einige Zeit seit wir das letzte Mal von Luzia's Radhose hörten. Wir entschieden dass die wohl nicht mehr kommen würde und verabschiedeten uns von Tunja.

Die Temperaturen auf fast 3000müM waren angenehm, das Land hügelig. Allerdings sollte uns der kurze Tagestrip nach Villa de Leyva auf 2200müM bringen. Es wurde deutlich heisser. Unterwegs begegneten wir einem Team von jungen Polizisten, vermutlich in Ausbildung. Natürlich wurden wir ausgefragt, und einer konnte es nicht lassen, eine Runde mit meinem Rad zu drehen ;) (In Vollmontur!!!)

Villa de Leyva

Wir fuhren nicht weit, Villa de Leyva ist einer der wichtigsten Touri-Hotspots in Kolumbien. Das Dörfchen ist schön und steht unter Denkmalschutz. Allerdings haben wir schon viele Pueblos gesehen und waren wohl weniger beeindruckt als der Durchschnittstourist. Aber die Umgebung hat es uns angetan, das Dörfchen liegt in einer wüstenartigen Klimazone voller Sukkulenten. 

Mir gefiehl in Villa de Leyva, dass es kaum Müll rumzuliegen hat, was halt an vielen anderen Orten doch noch der Fall ist. Aber die Aufgeräumtheit hat auch etwas aufgesetztes und ist mehr Fassade, als sonst was. Die alten Häuser sind aber dennoch sehr schön und der Mercado auch ein Besuch wert!

Auch für Fossilien ist das Städtchen bekannt, es gibt riesige Saurierskelette zu bestaunen und überall finden sich Steine mit Abdrücken von Urmeerestieren.

Da kamen wieder Kindheitserinnerungen hoch. Ich war ein totaler Saurier-Fan, hatte einige Bücher und Figuren zu Hause und malte gerne Dinosaurier. :) 

Hügeliges Land - freundliche Menschen

Wir fuhren bald weiter nach Arcabuco, Socorro und San Gil. Vor allem bis Arcabuco hatte die Strasse einige fiese Steigungen zu bieten. Am Nachmittag stellten wir ausserdem fest wieso die Umgebung plötzlich viel grüner war als in Villa de Leyva: Wir gerieten in einen richtigen tropischen Platzregen!

Der einen Hügel weiter auch so plötzlich wieder aufgehört, wie er angefangen hatte! ;) Die Strasse dampfte regelrecht.

Die Fahrt nach Arcabuco war dann fast zu viel für Luzia, und wir hielten früher als geplant. Das einzige offene Hotel war eine Unterkunft für Lastwagenchauffeure. Sie kostete uns schlappe 6 Franken und war erstaunlich gut und ruhig.

Von Arcabuco führten uns die Hügel dann abwärts, durch wunderschöne Flusstäler nach Barbosa. Ich musste die Buspassagiere die keine Zeit für einen kurzen Stop hatten regelrecht bemitleiden! Um uns wimmelte es von Schmetterlingen, Bromelien und tropischen Bäumen.

Und erst die vielen bunten Vögel, die man bei uns nur in der Voliere bestaunen kann. Und die interessanten Insekten in allen Grössen!

Kurz danach wurden wir auch noch aufgehalten von unglaublich netten Kolumbianern. Sie luden uns schnurstracks in ihr Haus ein und zeigten uns alles. Ihre Hühnerfarm, die Eier für "Mar Abierto" produzieren, ein lokales Hilfsprojekt für arme Leute. Auch Schweine und viele Früchte hat es, unter anderem konnten wir die Limone Dulce probieren, eine Zitrone die ähnlich wie Melisse schmeckt. Und wir kriegten gleich ein zweites Frühstück. Ich glaube, anstatt einer anonymen Spende an eine der Firmen der Hilfsindustrie würde eine gezielte Gabe (Materiell oder Finanziell) an diese Leute viel mehr nützen. Hier gibt es keine Bürokratie und teuer bezahlte überqualifizierte Arbeiter sondern einige Familien die sich zusammentun, Ärzte und Industrielle auftreiben und die Hilfe direkt zu den Leuten bringen. Wer mehr wissen will wird hier fündig: Fundacion Mar Abierto

Einige Kilometer nach Barbosa fanden wir ein gemütliches, wenn auch etwas teureres Hotel unterhalb San Jose de Pare, einem kleinen Pueblo im Nichts. Die Aussicht war fantastisch und wenn wir etwas früher angekommen wären hätten wir den Pool noch ausprobiert! ;)

Am nächsten Tag fuhren wir wieder nur 25km, da wir auf viele Schweizerfahnen traffen bei einem Hotel-Restaurant. Das mussten wir natürlich anschauen. Tatsächlich war der Besitzer, ein Solothurner, zu Hause und lud uns zu einem leckeren Jugo de Moras ein, was wir natürlich nicht ausschlagen konnten! ;) Matthias brach vor 2-3 Jahren zu einer Bike-Tour in Colombia auf und kam nur von Bogotá bis zum Restaurant El Mezón, das zwischen Barbosa und Socorro liegt. Da traf er die Besitzerin und es zog ihn nicht weiter. Die beiden haben geheiratet und nun bestellt er das Land und züchtet Fische und Schafe! Es fällt einem auch leicht sich hier in das Land und die Leute zu verlieben! 

Matthias Blog heisst: bicima.blogspot.ch

San Gil

Der nächste Tag brachte uns nach Socorro und danach fuhren wir weiter nach San Gil, wo wir eigentlich nur 2 Nächte bleiben wollten. Nun sind es aber schon 4, da wir eine Rast einlegen mussten. Andys Magen macht Mätzchen, so dass er nur noch Reis und Schleimsuppe essen darf. Das ist auch der Grund, dass wir uns dafür entschieden haben morgen den Bus nach Bucarmanga zu nehmen. San Gil bis Bucaramanga sind 100km mit einigen Steigungen. (Zuerst 700m rauf, dann 1000m runter und dann wieder 500m rauf) Mit einem nervösen Magen ist es wohl besser solche Kraftakte auszulassen, vor allem dann, wenn es noch dazu sehr heiss werden kann!

Gesehen hätte ich den Canyon de Chicamocha ja wirklich gerne vom Bike aus. Ein Fluss mehrere hundert Meter tief, so tief dass der Regen nicht bis ins Tal kommt und neben dem Fluss eine Wüste ist. Aber 40° und mehrere hundert Meter Steigung wären mir wirklich gerade zu viel...

Das Hostal "El Papillon" in San Gil ist auf jeden Fall ein gemütliches Plätzchen. Wir campen im Garten unter einem Mangobaum, dessen Früchte zwar zum Teil knapp an einem vorbei fallen, die man aber auch essen darf. Lecker!!!!!!! Ausserdem findet man im Garten jene Insekten, wie zum Beispiel die Mantis oder Mistkäfer, die den Kot des hauseigenen Hundes herumrollen! ;)

Na ja, Luzia kann die Mangos ja geniessen - aber mein Magen macht mir hier einen Strich durch die Rechnung. Das kommt wohl auch vom ungehemmten Frucht-, beziehungsweise Fruchtsaft-Konsum ...

Am Samstag wanderten wir von Barichara nach Guane. Beide Pueblos liegen nahe San Gil und sind auch sehr beliebte Touristenziele, aber nicht so aufgesetzt wie Villa de Leyva. Der Weg zwischen den zwei Pueblos ist sehr schön und zeigt viel Flora und Fauna. Wir konnten Blattschneiderameisen bei ihrem täglichen Werk beobachten, Eidechsen beim schlafen auf Steinen stören und Vögel in allen Farben und Grössen anschauen und anhören. Wofür andere 2 Stunden haben, haben wir 3-4 Stunden, weil wir viel zu viele Tiere sehen! ;) Aber wie die Fotos zeigen, lohnt es sich hinzuschauen!!!

Vom ganzen Outdoor und Extremsport haben wir dafür nicht viel mitgekriegt. Zuerst einmal weil mein Bauch nicht in passender Stimmung war. Aber wir finden irgendwie auch gekaufte Abenteuer mit geplantem Ausgang sind nicht so unser Ding. Obwohl, was man so vom Rafting hört ist der Ausgang nicht immer ganz so klar. Eines der Boote sei gestern umgekippt. Wir bleiben da lieber auf der Strasse ...