Medellin - Salento

Wir beschliessen uns von Cartagena nach Medellín den Bus zu nehmen, da wir schon fast 3 Monate in Kolumbien sind und langsam aber sicher weiter Richtung Ecador wollen. Ausserdem brauche ich noch etwas Hügeltraining, was im Flachland, wo es zudem noch sehr heiss ist, nicht funktioniert.

Medellin

In Medellín wohnen wir im herzigen, familiären Hostel Palmtree, welches das erste Hostel von Medellín ist und seit 14 Jahren besteht. Pilar von der Rezeption und Luz, die Haushälterin sind ein Herz und eine Seele und helfen, wo sie nur können. Vor allem konnten sie uns eine gute Klinik in der Nähe empfehlen, da mein Bauch immer noch nicht so wollte. Luz hat mir sogar einmal eine leichte Gemüsesuppe gekocht, da ich noch nichts zu reizendes essen sollte.

Medellín ist wirklich eine Reise wert. Es ist die am besten organisierte und modernste Grossstadt Kolumbiens und in vieler Hinsicht ein gutes Beispiel. Seit 10 Jahren investiert Medellín in die Zukunft mit Projekten wie der Metro Linea, einer Metro ab Boden, Parque Explora mit Aquarium, Vivarium, Planetarium und vielem mehr und dem Jardín Botanico. Ein grosses Projekt steckt noch in den Anfängen. Medellín möchte in den nächsten Jahren alle Highways unter der Stadt durchführen und aus den frei gewordenen Zonen Parkanlagen und Fussgängerzonen machen. In den letzten Wochen fingen die Bauarbeiten dafür an. Sehr innovativ und weitsichtig für den Lebenskomfort in der Stadt!

Am ersten Tag in Medellín konnte Andy endlich sein neues Teleobjektiv in die Arme schliessen! ;) Er hat seins auf einer Wanderung in Villa de Leyva kaputt gemacht, als er die Kamera von sich geschmissen hat, weil ihn ein Insekt fies gestochen hat. Das Objektiv konnte er in den USA bei Amazon bestellen und mit vorausbezahlten Einfuhrgebühren zusenden lassen. Die Empfängeradresse war der Cousin von Sebas, Juan-Francisco. Er hiess uns herzlich willkommen und als Dankeschön luden wir ihn zum Mittagessen ein.

Das Objektiv kam gerade rechtzeitig für die vielen Schmetterlinge und Vögel im Botanischen Garten und im Parque Arví! Die Fotogallerie zeugt davon, ich hoffe ihr könnt euch auch etwas für die Fauna und Flora hier erwärmen ;)

Das Bestellen von Sachen über Amazon kann ich übrigens wärmstens Empfehlen. Ich habe von verschiedenen Kolumbianern gehört dass dies problemlos sei, und auf jeden Fall viel billiger als der Kauf im Land, sofern das Gewünschte überhaupt erhältlich ist.

Am 1.Mai war mein Bauch wieder einigermassen in Ordnung und wir fuhren los in Richtung der Kaffeeregion. Wir machten Halt im Ecohostal Medellín ausserhalb von Amagá. Das heisst: Wir mussten zuerst seeehr steil durch Amagá zum Fluss runter und auf der anderen Seite wieder rauf ins Hostel. Da es ziemlich streng war und es sich kaum lohnt nur eine Nacht dort zu übernachten, entschlossen wir uns für 2 Nächte. Leider holte mich Montezumas Rache in der zweiten Nacht um 4.30h am Morgen wieder ein und schwächte mich bis um 16h am Nachmittag. ÜBELST!!! Ans Weiterfahren war natürlich nicht zu denken. Am nächsten Tag kriegte Andy dann auch noch Durchfall, aber leichter als ich. Die Besitzer des Hostels waren sehr nett und haben uns gut umsorgt und uns mit Lightessen (purer Reis und Nudeln) versorgt. Das ganze kam aber wahrscheinlich vom Wasser im Hostel. Obwohl sie einen Ozonfilter verwenden haben wohl ein paar Keime überlebt. Wahrscheinlich weil das Wasser dreckig war vom Regen und der Filter damit überfordert war. Von diesem Zeitpunkt an wurde für uns alles Wasser abgekocht!

Weg nach Salento

Als wir nach 5 Tagen endlich wieder losfahren konnten, war das steile Amagá doch nicht so schlimm und danach gings dann erst mal einige Kilometer nur bergab. Auf etwas 600m.ü.M. angekommen gings dann sehr hügelig, aber wunderschön grün dem Río Cauca entlang. Eigentlich wollten wir bis nach La Pintada, schafften es aber nur bis ins 20km von La Pintada entfernte Dorf Puente de Iglesias. Ich war sehr müde und konnte kaum essen, obwohl das Essen sehr gut war. Dies passiert mir immer, wenn ich mich überanstrenge. Obwohl ich gut geschlafen hatte, war ich morgens wie gerädert. Das Frühstück konnte ich wieder kaum essen und ich war überhaupt nicht fit. Die nächsten 20km bis nach La Pintada fühlten sich an wie 80km. Wir fanden dort einen wunderschönen Campingplatz mit Swimmingpool, der mehr einem botanischen Gartn glich. Gut war es unter der Woche, da es am Wochenende proppenvoll mit Medellínern wäre, die hier ihr Wochenende verbringen! So konnten wir die Ruhe und die vielen Vögel hier geniessen. Es hatte einige Papageien, darunter zwei Aras, alle freilebend!

Von La Pintada aus führte uns der Weg kurze Zeit über die Panamericana. Hier trafen wir am Nachmittag bei einer Suppe einen weiteren Tourenradler von New York. Er ist schon seit acht Monaten unterwegs. Gestartet ist er in Los Angeles, fuhr der Küste entlang bis nach Kanada und von da aus der Panam entlang alles nach Süden bis nach Kolumbien. Wir verliessen danach aber die Panam wieder und übernachteten auf einer Seitenstrasse in Irrá wieder mal in einem Trucker Hotel für 7Fr die Nacht/Zimmer. Allerdings war das Zimmer sehr klein und wir mussten etwas kreativ sein um beide Räder und das Gepäck mit ins Zimmer zu bringen! (siehe Foto) Den Besitzern war es aber wohler unsere Räder im Zimmer zu wissen, und Andy auch! ;)

Am nächsten Tag fuhren wir über hohe Hügel bis Chinchiná. Als wir ins Dorf reinfuhren schaute Andy an einer Kreuzung auf dem Handy, ob wir gerade aus oder rechts fahren müssen. Da tauchten zwei Polizisten auf einem Motorrad auf und gaben uns unmissverständlich zu verstehen, dass wir hier nichts verloren hätten. Es sei gefährlich und auf unsere Frage, wo denn das nächste Hotel sei, meinten sie, ob wir nicht lieber weiterfahren wollten! Andy gab ihnen dann zu verstehen, dass ich zu müde dazu sei und sie eskortierten uns schliesslich nervös zur Plaza und empfahlen uns ein Hotel dort. In der Hotellobby fand ich eine Visitenkarte einer Masseurin, bei der ich für acht Uhr einen Termin machen konnte. 30min Massage für meine verspannten Schulternmuskeln für 20.000Pesos (ca. 7Fr). Ich fragte sie nach nach ihrer Meinung zur Situation mit den Polizisten. Sie bestätigte, dass die Gegend um diese Kreuzung vor einigen Jahren gefährlich war und viele Menschen dort ausgeraubt wurden, allerdings sei es seit der erhöhten Polizeipräsenz am Tag nicht mehr gefährlich.

Das war übrigens das erste Mal in Kolumbien, dass uns Polizisten vor etwas gewarnt haben. Ansonsten sind sie eigentlich sehr freundlich und relaxed. Natürlich versuchen wir auch grundlegende Sicherheitsregeln einzuhalten. Das mit dem Telefon ist aber manchmal etwas schwierig. Andererseits hat auch fast jeder Kolumbianer eines...

Am Morgen konnte ich etwas entspannter, vor allem an meinen Schultern, losfahren. Allerdings waren meine Beinmuskeln wohl leergetreten, denn die Fahrt nach Pereira war ziemlich anstrengend. Wir entschlossen deshalb nach 5Fahrtagen einen Ruhetag in Pereira einzulegen.

Hier wohnten wir in dem schönen, ruhigen Hostel Kolibri. Wir konnten nachts sogar die Fenster geöffnet lassen! Das Quartier beherbergt viele Restaurants, Bars und Einkaufsmöglichkeiten. Das Hostel ist mit viel Liebe eingerichtet mit alten Möbeln und bunt aber geschmackvoll bemalt. Und die Duschen sind der Hammer!!! :)

Unseren Pausentag benutzten wir noch dazu, mir ein neues Handy zu kaufen! Meins aus der Schweiz ist wegen eines Wasserschadens durch eine tropfende Klimaanlage in Cartagena gestorben. In Medellín habe ich mir ein Samsung Galaxy Fame light gekauft. Es reicht völlig aus, wenn man nur Whats App und Facebook installieren möchte und es gut aussehen soll. Zur Benutzung mit mehreren Apps ist es aber nicht geeignet, da der RAM Speicher nicht ausreicht. So schauten wir uns in einem Centro Comercial, welches viele Handy Shops beherbergte, um. Welche Modelle sie verkaufen, wie teuer sie sind und ob jemand mein Handy kauft. Mit vielen Infos gefüttert gingen wir ins nahe gelegene Internetcafe und verglichen die Modelle im Internet und ob die Preise ok sind. So entschied ich mich schliesslich für das Samsung Galaxy Grand Prime, welches bis jetzt seinen Dienst hervorragend verrichtet! Mein Fame light konnte ich als Anzahlung geben, natürlich mit Verlust. Da es aber nur etwa 70Fr gekostet hatte, war der Verlust nicht so gross!

Salento

Frisch ausgeruht machten wir uns wieder auf den Weg zu unserem nächsten Etappenziel. Fast jeder Kolumbianer der etwas Zeit mit uns verbracht hat empfahl uns den Besuch in Salento. Also nichts wie hin!

Auf dem Weg stellten sich uns noch einmal einige Hügel in den Weg, das Klima wurde deutlich kühler, wir kamen wieder auf über 2000müM. Richtig angenehm, endlich wieder Tagestemperaturen die einen nicht dauernd in den Schatten treiben. Zum Schluss ging's noch einmal 300m in ein Flusstal runter und wieder 250m hoch nach Salento.

Das Training der letzten Tage ist Luzia anzumerken, inwischen kommt sie ohne dauernde Pausen weiter. Das ist aber auch dringend notwendig, denn bald werden wir in Ecuador sein und kaum mehr unter 2000müM kommen.

In Salento übernachteten wir im Plantation House, einem beliebten Hostel. Das heisst viele Backpacker und der Standard ist im Vergleich zum Kolibri in Pereira regelrecht enttäuschend. Es ist aber schön gelegen, wie der Name sagt in einem alten Plantagenhaus. Und der Besitzer Don Eduardo (eigentlich Timothy Edwards, aber das ist den Kolumbianern zu kompliziert ;) liebt es, einem von seinem geliebten Kaffee zu erzählen!

Gleich am ersten Tag besuchten wir seine Tour. Er erzählte uns drei Stunden lang alles über die Geschichte und Wirtschaft, den Anbau und die Weiterverarbeitung von Kaffee. Danach wurde uns der ganze Prozess vom Entfernen der Fruchtschale bis zum Rösten und Mahlen live vorgeführt, und am Schluss gabs frisch aufgebrühten, sortenreinen Kaffee zu trinken.

Das mit dem sortenreinen Kaffee ist übrigens auch Don Eduardos Spezialität. In Kolumbien wird Kaffee von über 300'000 Kleinbauern angebaut. Deren Ernte wird aufgekauft und zusammengemischt, egal was für eine Sorte Kaffee jeweils angebaut wurde. Viele Bauern haben sogar selbst viele verschiedene Bäume auf ihren Feldern stehen. Das logische Problem davon ist, dass der Bauer mit den qualitativ hochwertigsten Bohnen nichts davon hat, und der mit den tiefsten Produktionskosten belohnt wird. Nicht gerade förderlich für die Qualität des Kaffees...

Don Eduardo will jetzt seinen Kaffe direkt an den Endkunden verkaufen. Man kann sich seine Sorte und die gewünschte Behandlung des Baumes aussuchen und die Bohnen grün oder geröstet zusenden lassen. Mehr dazu auf seiner Page: yourowncoffeefarm.com

Man muss sich wohl noch etwas gedulden bis das Projekt wirklich Früchte trägt, aber ich werde es auf jeden Fall weiters verfolgen!

Am zweiten Tag unternahmen wird dann eine Wanderung ins Valle de Cocora. Dieses Tal ist berühmt für die Wachspalmen die dort wachsen. Diese Palme ist eigentlich eine Küstenpflanze. Sie hat sich aber auf natürlichem Wege bis etwa 3000müM verbreitet. Die Wanderung war wunderschön, vieles in subtropischen Wäldern. Immer wieder sahen wir Schmetterlinge, einer bunter als der andere. Und auch Raupen, welche erscheckend den Horrorbeschreibungen der Kaffeepflanzer ähnelten. Wenn man ihre Haare berührt soll man schlimmste Schmerzen erleiden und riesige Eiterungen kriegen!

Etwas weiter im Tal befindet sich dann das Reservat Acaime. Es ist bekannt für die Aufzucht von Kolibris, es befinden sich immer etwa 16 Arten dort. Die Vögel sind freilebend und kommen regelmässig zu den Fütterungsstationen. Die Meisten sind sich so sehr an Menschen gewöhnt, dass man sich ihnen bis auf Armeslänge nähern kann.

Den dritten Tag in Salento verbrachten wir dann damit nicht all zu viel zu tun. Also wieder einmal diesen Blog updaten und ausserdem an Luzia's Bike ein Fahrradkörbchen zu montieren. Sie mag die Lenkertasche nicht mehr und will mal sehen ob sie damit besser auskommt.

Morgen machen wir uns dann auf den Weg nach Calí, vermutlich unsere letzte Etappe in Kolumbien. Wir planen danach den Bus zur Ecuadorianischen Grenze zu nehmen. Das heisst nicht, dass uns Kolumbien nicht mehr gefallen würde, ganz im Gegenteil. Aber die Zeit läuft, und selbst ein Jahr geht schnell vorbei ;)