Hola Ecuador

Endlich ist es soweit: Wir packen morgens unsere Räder, tanken noch Benzin für den Kocher an der nächsten Tankstelle, und fahren der Grenze entgegen. Dort angelangt geht alles zack-zack. Nach 20 Minuten stehen wir auf ecuadorianischem Boden und fahren die ersten Kilometer rauf bis Tulcán. Ich bekomme wieder mal heftige Kopfschmerzen, was auf Höhenkrankheit hinweist. So machen wir erst mal einen Frühstücksstopp in Tulcán in der Hoffnung, dass es besser wird. Das Frühstück ist super gut, die Kopfschmerzen aber bleiben. So suchen wir ein Hotel, wo ich mich hinlegen kann. Leider hatten wir kein gutes Händchen. Es war ein sehr billiges Hotel und beim Zimmer anschauen hat es ok ausgesehen. Was ich aber übersehen hatte, waren die Ritzen in der Tür, durch die der Wind pfiff. So wechseln wir am nächsten Tag das Hotel und verbringen nochmal einen Aklimatisationstag in Tulcán. Wir schauten uns den Friedhof dort an, was sich jetzt wohl etwas komisch anhört. Allerdings ist dieser eine Touristenattraktion, weil alle Buchsbäume und Hecken im Friedhof zu Figuren zurechtgeschnitten sind.

Interessanterweise haben praktisch alle Figuren einen Indigenen Touch. Es sind fremde Götter zu sehen, einige zeigen sogar ungeniert ihre Genitalien, direkt neben Kreuzen und Marienstatuen der Gräber ;)

Am 28.Mai geht’s dann endlich richtig los in Ecuador. Die ersten Etappen sind ein ewiges auf und ab und für mich ziemlich energieraubend. Die Landschaft ist aber wunderschön und erinnert etwas an die Schweiz mit ihrem vielen Grün und dem Flickenteppich der Landwirtschaft.

Am zweiten Fahrtag nach Tulcán wollen wir von San Gabriel aus eigentlich Ibarra erreichen. Wir gehen aber 1000 Höhenmeter runter und natürlich geht es auf der anderen Seite der Schlucht wieder rauf. Ich fühle mich heute ziemlich gut, also probieren wir es. Vor dem eigentlichen Pass stoppen wir aber, da es doch schon fast 17 Uhr, die Sonne etwa um 18.20 Uhr untergeht und wir länger bräuchten als eineinhalb Stunden, um den Pass zu schaffen. Wir sehen eine grosse Finca und versuchen unser Glück, ob wir in ihrem Garten schlafen können. Der Wachmann, den wir antreffen telefoniert herum, aber leider ist der Besitzer nicht zu Hause und die Angestellten können das natürlich nicht entscheiden. So verziehen wir uns hinter ein Zuckerrohrfeld und nächtigen wild, wobei wir doch tatsächlich einen Durchgangsweg von zwei Hunden versperren, die prompt kurz rumbellen, uns dann aber in Ruhe lassen.

Morgens starten wir ziemlich ausgeruht in den Pass, es geht auch einigermassen gut, allerdings habe ich oben angekommen einen kleinen Aussetzer. Ich kann nur noch heulen. Seit beginn der Reise habe ich schon einiges an Gewicht verloren. Das gemeine an eingelagertem Fett ist, dass es auch Gifte einlagert (Umweltgifte, Gifte aus der Nahrung, etc). Diese werden nun nach und nach abgebaut und es gibt Tage da kommt wohl besonders viel raus, was sich ziemlich heftig auf meinen Gemütszustand auswirken kann. Im selben Moment treffen wir einen weiteren Tourenfahrer, der mir gut zuspricht, ich soll nicht gleich aufgeben! :) Er ist Spanier, wohnt in Buenos Aires und fährt nach Norden. Er hat gesamthaft etwa 3-4 Monate Zeit. Im Dezember und Januar sollte er wieder in Buenos Aires sein und er hat uns eingeladen die Zeit dort bei ihm zu verbringen! :)

Nach der Verabschiedung und vielen „Mucha Suerte“- Wünschen (viel Glück) fahren wir weiter nach Ibarra und geniessen dort ein leckeres chinesisches Essen. Hier in Ecuador hat es viele Chinesen, die sich hier niedergelassen haben und ein „Chifa“ (chinesisches Restaurant) eröffnet haben. Danach führt uns der Weg weitere 24km um den Vulkan Imbabura herum nach Otavalo. Weil mein Po noch etwas Mühe hat mit dem neuen Sattel muss ich die kleinen Steigungen zu Fuss nehmen, da man sich beim hinauffahren mehr in den Sattel drückt, als beim geradeaus oder runter fahren. Und dies verursacht mehr Schmerzen. Wir schaffens dann doch noch relativ zeitlich nach Otavalo und kommen im Hostal America Inter unter. Dies wird von einem Kolumbianer betrieben und war sehr gemütlich. Ausserdem hatten wir von unserem Zimmer und vom Hausdach aus einen Blick auf den berühmten Indian Market mit mehr als 100 bunten Ständen.

Am nächsten Tag besuchten wir den Parqur de Cóndor oberhalb Otavalo, der illegal gehaltene Raubvögel aufpäppelt und je nach dem, wie es geht frei lässt oder behält. Er beherbergt einen Cóndor (wirklich ein riesen Tier), einige Falken, Sperber und Adler. Ein Adler war eine Harpia (die grössten Adler, die es gibt), welche einen kaputten Flügel hat und deshalb in freier Wildbahn nicht überleben würde. Sie ist etwa 15 Jahre und hat etwa 16 Nachkommen, die alle in freier Wildbahn leben. Die Flugshow war sehr eindrücklich, vor allem die zwei Weisskopfseeadler, und wir haben viel über die gezeigten Tiere erfahren. Zurück durften wir mit dem Veterinär des Parks und seiner Tochter fahren, die in Quito zu Hause sind und alle 3 Wochen im Park vorbeischauen.

Quito

Nach einem Tag Rast fahren wir weiter über Cayambe und El Quinche nach Tumbaco (Quito). Von El Quinche bis Tumbaco fuhren wir auf der stillgelegten Eisenbahnstrecke El Chaquiñan, welche kaum bis kein Verkehr hat. Der erste Teil war etwas abenteuerlicher, da wir unsere Räder über zwei Felsstürze schieben mussten. Beim ersten erwartete uns auf der anderen Seite auch noch ein toter, übel riechender Riesenhund (siehe Foto). Auch das gehört halt zum Radleralltag. Hier in Südamerika kommt niemand auf die Idee tote Tiere wegzuschaffen, das ist halt so.

Dafür gibt’s ja Geier ;)

Die nächsten Kilometer trafen wir dann einige lebende Hunde an, die gerne „Wer kriegt den Fahrradfahrer“ spielen. Mit Steinwurfgesten, lauten Scht-Rufen und langsamerer Fahrt konnten wir sie etwas im Zaum halten. Der letzte Teil nach der Schlucht war zwar immer noch sehr voll von Hunden, aber es waren freundlichere Individuen. Die Strecke dort ist etwas besser in Schuss und wird deshalb gerne als Wochenendstrecke der Quitoer Fahrradfahrer genutzt. So sind sich hier die Hunde gewohnter und reagieren zum Teil nicht mal mehr mit einem Ohrenzucken. Allerdings bin ich seit unserer Reise hier in Südamerika schon etwas zwiegespalten, was Hunde angeht. Die Strassenhunde sind normalerweise sehr scheu, bellen nicht und rennen uns auch nicht hinter her. Sie hoffen nur, dass wir sie in Ruhe lassen. Dies sind wirklich bemitleidenswerte Geschöpfe. Die andere Art Hund ist die, die einen Hof ihr eigen nennt. Das sind die giftigen, bellenden, rennenden Hunde, die man manchmal nur mit Steinen verjagen kann. Bei dieser Sorte habe ich manchmal ziemlich böse Mordgedanken.

Hunde hin, Hunde her, wir sind wohlbehalten in Tumbaco angekommen, wo wir im „Casa de Ciclistas“ von Santiago und seiner Familie herzlich willkommen geheissen wurden. Unser Zelt konnten wir im Garten aufstellen, wo uns auch die zwei Hunde (nette Exemplare) Luna (3) und Malola (15) begrüssten. Allerdings gestaffelt. Die beiden halten sich nie zur gleichen Zeit am gleichen Ort im Garten auf. So haben sie sich in „Schichten“ eingeteilt, da sie nicht so gut miteinander können. :)

Am zweiten Tag kamen noch drei weitere Biker. Tim aus England, der von New York bis Bogotá mit seiner Freundin per Motorrad unterwegs war. Sie musste dann leider wieder zur Arbeit zurück und er sattelte auf das Fahrrad um und ist seitdem pedalend unterwegs. Francisco von Kolumbien, der für seine Institution für Behinderte „Covida“ fährt. Den Jakobsweg fuhr er gemeinsam mit seinem Sohn, der eine Cerebralparese hat, per Tandem. David von Spanien fuhr gemeinsam mit Francisco, sie trennten sich aber in Tumbaco.

Andy war auch noch etwas angeschlagen und schlief den ersten Tag sehr viel, was eher ungewöhnlich ist für ihn. So machten wir etwas Pause im ruhigen Garten und fuhren erst am 3.Tag nach Quito, um uns die Stadt anzuschauen. Die Altstadt beherbergt viele schöne alte Bauten, allerdings ist es dort so touristisch, dass man kaum einen Meter laufen kann ,ohne dass einen ein Strassenhändler etwas andrehen will. Am meisten hat uns die Basilica gefallen, auf deren Türme wir klettern konnten. Es war wirklich eine Kletterpartie, da es an drei Orten nur Leitern hatte. Aber die Aussicht auf Quito war super. Der Rest der Stadt macht uns nicht so an, da es hier auch wieder viel Verkehr hat und somit zu viel Smog. Zwei Tage später wagen wir uns trotzdem nochmal per Bus und Taxi durch die Stadt und lassen uns vom Téleferiquo (Seilbahn) auf den Vulkanberg Rucu Pichincha schweben. Die Bergstation ist auf 4050m.ü.M. und wir laufen noch etwa 300 Höhenmeter weiter rauf, was sehr anstrengend ist auf dieser Höhe. Aber die Aussicht auf fast ganz Quito und die nette Ablenkung der Cara-Cara's (Geierfalken) beim Mittagessen wars wert. :)

Vulkan Cotopaxi

Unseren Plänen folgend, nicht alles auf der Panamericana fahren zu wollen, lenken wir nach einer Woche unsere Räder über Nebenstrecken Richtung Vulkan Cotopaxi. Wir brauchen 3 Tage für die nicht allzu lange Strecke. Allerdings ist der erste Teil flickenteppichartig asphaltiert und sehr hügelig. Der zweite Teil besteht praktisch nur aus Cobblestones (Kopfsteinpflaster), welche natürlich nicht schön regelmässig und gleichhoch gesetzt sind (siehe Fotos). Und dazu noch verdammt steil, sodass ich mein Rad fast die Hälfte der 19km schieben muss. Der letzte Teil beginnt nochmal mit Cobblestones geht dann aber in Kiesweg über, der gar nicht so übel ist und ausserdem relativ sanft ansteigt. Leider setzte in der Höhe der Wind ein, was es auch nicht einfacher machte. Und man bedenke die Höhe, die wir nun erreicht haben. Wir sind auf fast 3700m.ü.M.

Als wir am Eingang des Parque Natural Cotopaxi den Papierkram erledigt hatten, holte uns Tim wieder ein, der einen Tag später von Tumbaco aus gestartet ist. Wir radeln die letzten 15 Minuten gemeinsam bis zum Hostal Tambopaxi und geniessen im windgeschützten, warmen Restaurant erstmal ein leckeres Mittagessen. Danach machen wir uns auf unsere Zelte im immer noch starken Wind aufzustellen. Gut scheint die Sonne noch sehr stark, so ist es nicht ganz so kalt. Auch die Duschen hier sind ein Traum jeden Fahrradfahrers. Der Raum ist zwar recht kühl, aber die Dusche ist wirklich HEISS!!!

Natürlich bestaunen wir den ganzen Nachmittag und Abend den Vulkan Cotopaxi, an dessen Fuss wir campen. Je nach Wolkengebilde sieht man den ganzen Vulkan, nur den Spitz oder nur den Fuss. Das Bild wechselt laufend. Und plötzlich haben wir das Glück den Vulkan mit vollständigem Regenbogen zu bestaunen. ATEMBERAUBEND!!! Andy nimmt sich ausserdem vor nachts immer wieder mal den Kopf aus dem Zelt zu halten, um zu schauen, ob es eventuell eine Nachtaufnahme geben könnte mit Cotopaxi und Sternenhimmel. ;)

Am Tag nach unserer Ankunft gehen wir erst mal auf eine „leichte“ Wanderung zu einer ehemaligen Inkafort-Ruine. Der Weg hin und zurück beträgt je etwa 1.5 Stunden und es ist praktisch flach. Wir sind danach aber trotzdem alle sehr müde und froh, dass wir die Wärme des Restaurants geniessen können. Wahnsinn was einige Höhenmeter mit dem Organismus anstellen. Nun weiss ich, oder besser gesagt spüre ich, warum es sehr wichtig ist sich in grosser Höhe anzuklimatisieren!

Am nächsten Tag liessen wir uns faul zum Refugio auf dem Vulkan fahren, 4864müM. Die grösste Höhe auf der Luzia jemals war ;) Die Aussicht ist fantastisch!! Wir treffen einige Leute, die Frühmorgens versuchten den Gipfel zu erklettern. Die meisten mussten umkehren weil der Vulkan gerade ziemlich aktiv ist. Viele erwischten zu viele Schwefeldämpfe und mussten erbrechen! Mittags wurde sogar der Weg zum Gletscher gesperrt, weil man befürchtete, dass sich Spalten öffnen könnten. Wir verpassten deshalb den Gletscher ...

Ganz so faul waren wir nicht. Denn der Parkplatz unter dem Refugio ist etwa 300 Höhenmeter tiefer und auf dieser Höhe ist das ein ganzes Stück Arbeit!!! :)

Stattdessen machten wir uns zu Fuss auf zum 12km entfernten Hostal Tambopaxi wo unsere Zelte standen. Kurz darauf wurden wir eingeladen, uns hinten auf die Ladefläche eines Pickups zu setzen. Wir fuhren mit bis zur ruhigeren Abzweigung nach Tambopaxi, wo wir ein Essen mit Aussicht genossen. Als plötzlich schwarze Wolken über die Bergkämme krochen machten wir uns eiligst wieder auf die Socken. Gerade rechtzeitig kamen wir beim Hostal an - und der Regen zog vorbei. Eine halbe Stunde später war wieder schönster Sonnenschein, und ich hatte schon fast mit einem Hagelsturm gerechnet. Hochgebirgswetter ist echt unberechenbar.

Zurück im Zelt hatte ich leider eine negative Überraschung: Meine Exped Synmat (Schlafmatratze) ist ausgebeult. Das liegt daran, dass ich sie für die kalte Nacht ziemlich hart pumpte und sie sich dann Tagsüber im Zelt erhitzte. Dadurch verriss eine innere Verbindung! Ich hätte mich in den Hintern treten können!!!

Die Nacht schlief ich nicht ganz so gut, dafür konnte ich erstmals richtig gute Sternenfotos machen und die Bewegung der Milchstrasse beobachten. Alles hat so seine Vorteile.

Was ich Schlafmütze natürlich erst am Morgen mitgekriegt habe, als Andy mir die Fotos zeigte. Aber die Milchstrasse konnte ich am Abend vorher bestaunen, also ist es nicht so schlimm! ;)

Latacunga

Am Morgen packten wir dann unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg zurück in die Zivilisation. Da wir das ganze etwas langsam angingen - Frühstück im Hostel mit Verspätung, Packen nach drei Tagen und so weiter - kamen wir erst nach zehn Uhr los. Bis dann hatte natürlich ein richtig fieser Gegenwind eingesetzt. Dazu noch Wellblechpiste und kühle Lufttemperaturen...

Wir statteten deshalb der Laguna Limpiopunga nur einen kurzen Besuch ab. Es war einfach ungemütlich, obwohl es eigentlich ein halbes Dutzend nur in den Anden heimische Vogelarten zu bestaunen gäbe. Dafür ging es kurz darauf nur noch nach unten, wir verloren ungefähr 1000 Meter an Höhe. Das machte sich in einer angenehmen Temperatursteigerung bemerkbar, und als dann der Kies perfektem Asphalt wich war auf unseren drei Gesichtern ein Riesenlächeln zu sehen! (Wir fahren immer noch mit Tim)

Eigentlich wollten wir eine Parallelstrasse zur Panamericana fahren. Aber als ein halbes Dutzend schwerst beladenen Lastswagen in diese Richtung fuhren überlegten wir uns das noch einmal anders. Zumal es bis Latacunga praktisch nur abwärts gehen sollte. Also zurück auf die hier sechsspurige Panam. Immerhin bot sie uns einen Pannenstreifen der fast breiter war als die Kopfsteinpflasterstrasse auf dem Hinweg zum Park!

In Latacunga erfragten wir uns den Weg zu den Bomberos, der Feuerwehr. Wir haben schon öfters in den Berichten anderer Radfahrer gelesen, dass sie ihre Nächte in Südamerika hauptsächlich bei der Feuerwehr verbrachten. Mal in einem Büro, einer Rempelkammer, im Fitnessstudio oder auch im Zelt im angrenzenden Garten. Und tatsächlich, wir wurden ohne Probleme willkommen geheissen und durften im Vortragssal schlafen.

Casa de Ciclistas, Ambato

Eigentlich hätte die Fahrt kurz sein sollen. Aber wir kamen wieder spät los nach längerem Gebrauch des Breitbandinternets der Feuerwehr und einem Frühstück in einem Fischrestaurant. Wir schlugen aber die Fischsuppe aus und wählten Frühstück "Americano".

Da wir dann auch noch versuchten die Panam zu vermeiden dauerte die eigentlich nur 35km lange Fahrt etwas länger. Wir fanden dank Openstreetmaps diverse kleine Strässchen. Ein Teil war gerade im Ausbau, aber hier zuckt keiner auch nur mit der Wimper wenn man mit dem Fahrrad eine Bausperre überquert. Nur die Hunde setzten uns zu, irgendwie musste ich komisch riechen, denn sie griffen immer mich an, egal ob ich zu vorderst oder hinten fuhr. Mit Anbrüllen und Steinen liessen sie sich aber immer vertreiben.

Einen Teil folgten wir dem Camino Real, also dem Weg des Königs. Wir vermuten, dass dies ein Weg aus Inkazeit sein musste. Auf jeden Fall waren wir plötzlich auf einer Kleinstrasse mit vielen einfachen Häuschen und indigenen Leuten die offensichtlich von Gemüseanbau und dem Mästen von einzelnen Tieren lebten. Ein Restaurant fanden wir über längere Zeit nicht, wir vermuten dass diese Leute sich solchen Luxus kaum leisten können. Also machten wir einen Stopp am Strassenrand als der Wind und die fies steilen Hügel uns zu sehr zusetzten.

Dies war auch gut. Da wir nicht über die Panam nach Ambato kamen machten wir einige kleine Umwege mit riesigen Höhenunterschieden bis wir Leonardos Casa de Ciclistas fanden. Er konnte es nicht lassen mit der ziemlich erschöpften Luzia einige Spässchen zu machen (Casa de Ciclistas? Ja ich habe einen Fahrradladen, oder was meinst du?) bevor er uns hineinbat und willkommen hiess ;)

Jaja, immer auf die Kleinen, Dicken!!! ;)

Er war gerade dabei seinen Laden neu zu organisieren und wir wurden direkt eingespannt. Also vermassen wir seinen Raum und seine Möbel, und eine Stunde später hatten wir einen strahlenden Gastgeber, der sich über seine neu organisierte Inneneinrichtung freute!

Die Nacht verbrachten wir dann gleich im Laden, mit unseren Matratzen auf dem Boden. Den ersten Tag wurde noch einmal richtig Material aussortiert und Leo durfte sich über diverse nicht gebrauchte Luxusgegenstände freuen. Er erlaubte mir auch, meine neue Matratze an ihn zu adressieren. Bestellt habe ich bei Amazon USA, da kann man die Verzollung voraus bezahlen und kriegt eine Garantie dass es nicht mehr kostet, falls was übrig bleibt wird es sogar zurückbezahlt. Hat bei der Bestellung eines Objektives in Kolumbien super funktioniert. Ich hoffe aber, dass ich zumindest einen Teil zurückkriege, Ecuador hat pervers hohe Importzölle!

Ausserdem machten wir einen kleinen Deal. Wir brachten meine Windschutzweste zu einem Schneider, der sie zu einem Preis von ca. 15-20$ kopieren kann. Er wird einmal ein für Luzia passendes Modell herstellen, und einige für Leos Laden in verschiedenen Grössen. Copyrights interessieren in diesem Land niemanden ;)

Ausserdem baute er Tims Bremsen um. Tim hat auf mechanische Scheibenbremsen gesetzt, aber diese sind den hydraulischen unterlegen, zumal er in Kolumbien nicht eines der Topmodelle gekriegt hat. Auch neue Gänge kriegt er, und nach der Probefahrt strahlt er richtig. Nun kanns in die Berge gehen!

Wir entschliessen uns, noch ein Stück zusammen weiter zu fahren. Und statt weiter der Panamericana zu folgen, fahren wir in den Osten Ecuadors, zum Amazonas, wo uns wärme, weniger Steigungen, weniger Verkehr, neues Essen und viel Fauna und Flora erwarten.

Leo gab uns den Tip über die Amazonasroute zu fahren und meinte, dass alle Biker, denen er das gleiche geraten hat, total happy darüber waren. Vamos a ver! Schauen wir mal! Aber ich denke es ist unsere Chance den Amazonas doch noch ein bisschen zu geniessen, da wir hier im Amazonas radeln können. In Colombia und Brasilien muss man an viele Orte mit dem Flugzeug fliegen, da es keine Strassen hat. Das macht den ganzen Spass sofort teurer.  So freuen wir uns auf farbenprächtige Vögel und Affen! Aber zuerst werden wir die Thermalquellen von Baños geniessen. Soooooo schööööööön waaaaaarm!!! ;)