Baños - Amazonia - Cuenca

Laut Leo soll der Weg nach Baños (nicht über die Panam, sondern über eine Nebenroute) flach sein. Nur die ersten 6km seien eine Schlucht, wo es „etwas“ rauf geht. Die Wahrheit war, dass es sehr STEIL rauf ging, was hiess, dass ich mein Rad den ganzen Weg schieben musste. Oben angelangt fuhren wir lange an der linken Talflanke entlang das Meiste runter. Baños liegt etwa 700m tiefer, als Ambato. Die letzten 20km allerdings waren wieder hügelig, nichts von flach! Ausserdem fing es leicht an zu regnen und der Dauerregen der letzten Tage hatte seine Spuren auf der Strasse hinterlassen: knöcheltiefe Pfütze mit einer Länge von über 20m, angeschwemmter Schlamm, der die Wasserrinnen zum überlaufen brachte und ein Erdrutsch. Die Leute waren so nett uns zu warnen, dass das letzte Stück Weg nach Baños auf der linken Talseite versperrt ist und wir in 100m rechts die Brücke nehmen können, um auf die Panam zu gelangen. Die Brücke stellte sich als Motorrad- und Fussgängerbrücke heraus, die ganz unten in der Schlucht platziert war und über einen steilen Feldweg erreicht werden konnte. Und so wie es runter ging, ging es am andern Ufer natürlich wieder nach oben. Allerdings war dort der Weg so ausgewaschen mit tiefen Rissen, dass wir uns gegenseitig helfen mussten die Räder die ersten paar Meter hoch zu bringen. Uns war schleierhaft, wie Motorräder da durch kommen??? Endlich oben angelangt folgten wir den Rest bis Baños der stark befahrenen Panam. Ein letztes steiles Stück schieben und wir gelangten müde aber wohlbehalten zum Hostal Princesa Maria, wo wir herzlich willkommen geheissen wurden.

Baños

Da ich seit Cotopaxi einen Husten mit mir rumschleppte pausierten wir ein paar Tage hier. Ich genoss eine Ganzkörpermassage, dampfte 2 mal täglich und wir gingen zwei mal in ein Thermalbad. Beide sind nicht so luxuriös, wie wir uns das in der Schweiz gewohnt sind. Das Thermalbad El Salado hatte sehr kleine Becken, man fühlte sich fast ein bisschen wie in einer Sardinenbüchse. Allerdings waren fast nur Einheimische dort, die offensichtlich alle nicht schwimmen können. Sie hielten sich immer an der Seite fest, wenn sie im Becken umherliefen, sie konnten nicht kurz loslassen, um um uns herum zu laufen. :)

Im Thermalbad Termas de la Virgen sind die Becken etwas grösser und der Temperaturunterschied ist deutlicher zu spüren. Es hat ein normal warmes Bad, wo vor allem ganze Familien mit plantschenden und schreienden Kindern sind. Wir flüchteten vor dem Gespritze und suchten Ruhe im Nachbarbecken, das 45°C heiß ist. Zu Beginn spürt man am ganzen Körper wie Nadelstiche und man hält es nicht länger als 10 Minuten darin aus. Länger ist auch nicht gesund für den Körper, da das heisse Wasser die Temperatur und den Puls ziemlich steigen lassen! Ausserdem sahen wir danach aus wie ein verbranntes Poulet! ;) Meinem Hals tat es aber gut.

Baños ist trotz Tourismus ein herziges Städtchen, welches an den schönen Tagen zu Wanderungen in der Umgebung einlädt. Und für Adrenalinchunkies gibt es viele Angebote für Riverrafting, Cannyoning, Stahlseilrutsche,…

Mit Tim war ich denn auch einen Tag wandern, als der Regen das endlich einmal erlaubte. Es war eindrücklich, das steile Tal von oben zu sehen. Und noch eindrücklicher, wie weit nach oben alles bebaut ist. Die Vulkanerde und das feuchte Klima sind offensichtlich ideal für den Gemüseanbau.

Amazonas (Oriente)

Leider war es die ganze Zeit regnerisch, was auch für den Tag galt, als wir aufbrachen. Nach 30 Minuten setzte Regen ein, der uns bis kurz vor Mera begleitete. Auf unserem Weg kamen wir an 3 Erdrutschen vorbei, welche aber schon fast wieder weggeräumt waren, sodass wir ohne Probleme passieren konnten. Die Erde hier ist sehr locker und wenn es viel regnet saugt sich der Boden voll wie ein Schwamm, was dann zu Erdrutschen führt. Das Wetter hier habe sich drastisch verändert laut Einwohnern. Früher gab es in der Regenzeit wohl etwas mehr Regen, als sonst im Jahr, aber trotzdem nur ein mal pro Tag und nur etwa 30-60 Minuten heftig. Heute regnet es in der Regenzeit oft den ganzen Tag. Die Klimaveränderungen sind überall spürbar.

In Mera verabschiedeten wir uns dann von Tim. Er macht hier ein Volunteering auf einer Tierrettungsstation. Wir fahren noch bis Puyo weiter, zu unserer Freude ohne Regen! :)

Da von dem Dauerregen vieles nass ist, hängen wir es unter Dach auf, in der Hoffnung, dass es trotz des feuchten Wetters etwas trocknet.

Wir entschieden einen Tag in Puyo zu bleiben, da Andys Ersatz-Matratze (bestellt bei Amazon USA) endlich bei Leo in Ambato angekommen ist. Er macht mit Leo aus, dass dieser sie per Bus nach Puyo sendet und diese am nächsten Tag da sei. Leider funktionierte es nicht, da DHL wegen eines Systemfehlers die Matratze nicht an Leo aushändigen konnte.

Wir verbrachten dafür einen interessanten Nachmittag im Parque Omaere in Puyo, wo uns ein angehöriger der Shuar (Indígenas) einiges über das Leben der Shuar und das Leben und Heilpflanzen im Amazonas erzählte. Die meisten Pflanzen, die er uns zeigte, kennen wir aus unseren Wohnzimmern, ohne zu wissen, dass sie heilende Kräfte besitzen!

Es war sehr eindrücklich, von einer so verschiedenen Kultur zu hören. Das Volk der Shuar musste vor hunderten von Jahren vor anderen Völkern fliehen. Heute ist nicht mehr ganz klar wer und wann das war, eine Vermutung sind die Inkas, die eine expansive Politik verfolgten bis interne Kriege und die Invasion der Spanier dem ein Ende setzten. So zogen sich die Shuar also in die Urwälder zurück, und lebten extrem abgeschottet und nur unter ihresgleichen ein sehr naturbezogenes, extrem patriarchalisches, kriegerisches und streng geregeltes Leben. Sie sind bei uns übrigens bekannt für die Herstellung von Schrumpfköpfen ;) Viel interessanter ist aber ihr medizinisches Wissen. Sie haben für fast alles ein pflanzliches Heilmittel, sie behaupten, sogar Krebs im Endstadium heilen zu können.

Am nächsten Tag fuhren wir dann ohne neue Matratze weiter dem Amazonas entgegen. Das Gebiet war sehr hügelig und es wurde wärmer. Es flogen wieder mehr Insekten um uns herum, natürlich auch die unwillkommenen Moskitos und Sandfliegen. Nach etwa 45km war ich müde und wir hatten das Glück eine Familie der Shuar zu finden, die im Ecoturismo tätig sind. Sie liessen uns vor ihrem Haus unter dem Dach des Vorplatzes zelten und wir durften ihr Kochfeuer benutzen zum kochen. Die Familie nimmt Volunteers auf und lernt sie, im Austausch für ihre Hilfe, die Medizin, Jagdtechniken, Tänze, etc. der Shuar. Das Projekt klingt sehr interessant und die Bilder auf der Facebookpage machen Lust auf mehr! „Centro cultural ecoturistica ancestral Nanki Shuar“

AuchYankuam, Sohn der Shuar Familie, meint der Weg heute sei flach. Wir müssen herausfinden, dass es sich wieder nicht so verhält. ;) Die Ecuadorianer haben einfach ein anderes Verständnis von flach. Im Auto ist natürlich jeder kleine Hügel auch nichts, per gepacktem Bike aber viel! Wir kommen diese Nacht wieder bei einer Familie von Shuar unter. Sie sind sich Touristen aber nicht gewohnt und leben auch in ärmeren Verhältnissen. Die Dusche ist eine Steinplatte und ein Schlauch mit kaltem Wasser, die von der Strasse aus ersichtlich sind! Sehr gewöhnungsbedürftig für Privatsphären-Verwöhnte Schweizer. Das WC sind die Rabatten am Hang unterhalb des Hauses. Wir sind aber froh, um den Platz hinter dem Haus, haben Wasser zum Kochen und entdecken sogar eine 4-farbige Stabheuschrecke!!!

Leider haben sie auch ein anderes Lärmverständnis als wir. Mitten in der Nacht wird Musik eingeschaltet, und das in aller Lautstärke. Sie bleibt bis zum frühen Morgen an und wir wach im Zelt :/

Als wir am nächsten Tag starten, reicht ein Händedruck als Dankeschön! Die Leute sind sehr freundlich, auch wenn sie nicht viel haben!

Heute erreichen wir Macas nach einigen fast flachen Kilometern. Wir entscheiden uns einen Waschtag einzulegen, da nach Macas nicht mehr so viele Gelegenheiten kommen bis nach Loja. Leider war die Angestellte offensichtlich überfordert damit unsere Wäsche aufzuhängen. Normalerweise tumblern sie hier alles. Es wird uns eine Lehre sein in Zukunft zu kontrollieren, wie die Leute unsere Wäsche aufhängen. Wir wollten am Abend vor der Abreise unsere Wäsche holen und mich traf fast der Schlag. Sie hat 3 Wäschestücke zusammen auf einen Bügel gehängt!!! Das kann ja nicht trocknen!!! Gott sei Dank half das Aufhängen im Zimmer und einiges war am Morgen dann doch trocken.

Unser Weg führt uns weiter durch hügelige Regenwaldlandschaft, die wunderschön ist. An einigen Stellen sieht man den Regenwald bis zum Horizont und wir wissen, dass er sich dahinter weiterzieht bis weit nach Brasilien rein. Unglaublich! Ausserdem haben wir das Glück einen wunderschönen Regenbogen über dem Amazonas sehen zu dürfen. Dies ist für uns allerdings auch das Zeichen bald eine Unterkunft zu suchen, da die Regenwolken näher rücken.

Im nächsten Dorf namens Tayuza finden wir ein Hostel, das leider voll ist (Zimmer werden anscheinend eher monatsweise vermietet). Allerdings ist dies hier kein Hindernis. Wir dürfen unser Zelt im Vorraum der Zimmer unter Dach aufstellen und der Besitzer meint wir sollen ihm bezahlen, was wir wollen. Im Hauseigene Restaurant finden wir einen einfachen, aber sehr leckeren Znacht.

Am nächsten Tag werden die Hügel steiler und es ist sehr heiß. Wir finden aber in unseren Pausen immer wieder etwas sehenswertes. Zum Beispiel ein Erdbeerfröschchen, welches in einem Wasserablauf haust. Trotz Anstrengender Hügel schaffen wir 43km und ich merke, dass sich das ewige Hügeltraining langsam bemerkbar macht. :)

Leider ereignete sich dann noch ein blöder Unfall. Das passiert immer dann, wenn man müde und unaufmerksam ist. Wir wollten bei einem Haus anfragen, ob wir unser Zelt für die Nacht aufstellen können. Wir näherten uns langsam dem Haus und zwei herzige kleine Hunde begrüssten uns bellend und handleckend. Leider schienen die Besitzer nicht da zu sein und da kam schon die Mutter der Welpen bellend und zähnefletschend angerannt. Die Ereignisse überschlugen sich und es ging so schnell. Sie biss mir in mein linkes Knie, so dass es blutete. Andy schleuderte einen Stein nach ihr, was sie verschwinden liess. Wir waren beide aufgebracht und verliessen das Grundstück sofort. An der Strasse wuschen wir die Wunde mit Kernseife und Wasser aus, verbanden mein Knie und hielten einen Polizeiwagen an. Sie organisierten einen PickUp der Milizfeuerwehr, der uns in die 13km entfernte Stadt Limón bracht.

Für uns war dies eine Lehre: Wir werden nie wieder ein Grundstück betreten, wo wir keine Menschen von der Strasse aus ausmachen können. Und wir werden nicht mehr unbewaffnet in die Nähe von Hunden gehen. Die Scheissbiester hier sind wirklich gefährlich!!!

Im Hospital in Limón angelangt musste ich nicht lange warten. Meine Wunde wurde ausgewaschen und desinfiziert. Am nächsten Morgen musste ich zur Kontrolle, ob sich die Wunde infiziert hat. Es war alles ok. Mit einem Mitarbeiter des Hospital fuhren wir nochmal zum Grundstück zurück, um herauszufinden, ob der Hund gegen Tollwut geimpft ist. Das Grundstück war verlassen, nicht mal die Hunde waren da. Wahrscheinlich waren sie auf dem Feld bei der Arbeit. So fuhren wir ins nahegelegene Dorf, um im Gesundheitszentrum herauszufinden, ob der Hund registriert ist. Geimpfte Hunde werden registriert. Er war es nicht, also mussten wir davon ausgehen, dass er Tollwut haben könnte. Im dortigen Gesundheitszentrum bekam ich noch eine Tetanusimpfung, da meine schon 5 Jahre alt ist. Zurück im Spital war es klar, dass ich die Tollwutimpfung haben muss. Leider hatten sie das Mittel „Rabipur“, mit dem ich in der Schweiz vorimmunisiert wurde, nicht. So meinten sie ich bräuchte 10 Injektionen innerhalb von 2 Monaten. Da wir aber in 2 Monaten in Peru sein werden und nicht wissen, ob sie dort das gleich Mittel haben, bestanden wir darauf in die nächste grössere Stadt zu fahren, wo sie eventuell Rabipur haben. Mit Rabipur bräuchte ich nur 2 Injektionen. Sie verwiesen uns nach Cuenca, wo wir am selben Tag noch hinfuhren.

Cuenca

Nach einer holprigen, etwas beängstigenden Busfahrt über eine schmale Bergstrasse, kamen wir in Cuenca an. Da ich wegen der Wunde am Knie nicht fahren konnte, liefen wir die 2.5km zum Hostel. Wir suchten eins aus, das von einem schweizer Geschwisterpaar geleitet wird.

Am nächsten Tag (Freitag), zwei Tage nach der Attacke, sprach ich dann im „Centro de Salud“ in Cuenca vor. Es dauerte sich 2 Stunden, bis ich meine erste Impfung bekam. Man wird hier zuerst von einer Krankenschweser vermessen (dafür muss man auch zuerst anstehen), d.h. Gewicht, Grösse, Puls, Blutdruck, Temperatur. Dann darf man vor der Tür des Arztes warten. Und da uns niemand gesagt hat, wann wir drankommen, warten wir schon eine Stunde, als uns dann der Arzt aufklärt, als er uns sieht. Wir kommen erst in 1 Stunde dran. So können wir wenigstens etwas kleines zu Mittag essen. Der Arzt war dann sehr freundlich und geduldig. Leider haben sie hier in Cuenca auch kein Rabipur, aber er meint, da ich vorgeimpft bin, sei es mit ihrem Mittel möglich eine 7 Tage-Kur zu machen. So bekam ich meinen ersten Pieks.

Immerhin ist das Gesundheitssystem in Ecuador gratis.

Am Nachmittag flanieren wir etwas durch das sonnige Cuenca und treffen auf der Strasse auf einen Strassenkünstler, der Bäume, Spinnen und so weiter aus Draht herstellt. Eine Figur schöner, als die andere. Ich bin fasziniert und wir kommen ins Gespräch. Er meint, es lebe sich gut davon. Als Kellner habe er weniger als 400Dollar pro Monat verdient, so sei es weit mehr. Eine Rolle Kupferdraht kostet hier nur ein paar Dollar, was er mit einigen Ein- Dollar-Figuren schnell wieder reingeholt hat. Seine Taktik ist es, einige teure Dinge wie seine schönen Bäume (bis 85 Dollar), feil zu bieten aber auch kleinere Dinge, die er für 1-3 Dollar verkauft. Die billigeren Dinge kaufen gerne Einheimische, die Teureren gehen an Touristen. Er bietet mir auch an, dass ich bei ihm ein paar Tricks lernen kann, solche Dinge herzustellen. Das sei hier normal unter den Strassenkünstlern, dass man sich austauscht. Ich nehme gerne an. Ein selbergemachtes Tier oder eine Blume aus Draht ist doch ein tolleres Dankeschön an Personen, die einen bei sich für eine oder ein paar Nächte aufnehmen, als Geld.

Ein Vorteil hat die ganze Situation. DHL konnte Leo inzwischen die Matratze übergeben, und weil wir jetzt so lange in Cuenca festsitzen kann er mir das Paket hierhin weiterleiten. Er macht das per Bus, das kostet schlappe drei Dollar! Anscheinend gibt es dieses parallele Versandsystem in ganz Südamerika. Wir werden es wohl in Peru öfters brauchen für momentan nicht benötigtes Gepäck.

Am Samstag und Sonntag mag ich mich kaum bewegen und ich habe auch keinen Appetit, da die Impfungen starke Nebenwirkungen haben. Alle meine Gelenke und mein Kopf schmerzen wie bei einer starken Grippe. Das liegt wohl daran, dass es eine Impfung der älteren Generation ist, denn mit Rabipur hatte ich keine Probleme. Ich überstehe den Tag nur mit Schmerzmitteln.

Am Montag steht mir dann noch ein Spiessrutenlauf bevor, der völlig ins Leere führt!!! Laut dem Arzt, der mir die Impfungen verschrieben hat, ist es SEHR WICHTIG, dass ich diese 7 Tage ohne Unterbruch meine Injektionen bekomme. Das heisst für mich, dass ich am Montag in ein anderes Gesundheitszentrum gehen muss, da „Meins“ am Montag geschlossen hat. So wird mir am Sonntag von der „überaus“ motivierten Krankenschwester gesagt, dass ich am Montag ins Gesundheitszentrum im Busterminal gehen soll. Auf meine Frage, ob ich das Papier mit der Impfverschreibung nicht mitnehmen muss, heisst es „NEIN“, das geht ohne. Im Gesundheitszentrum im Busterminal angekommen heisst es dort erst mal: „Ohne Papiere? Geht nicht!“ Auf meine Erklärung hin, dass es aber wichtig ist, bringt mich die Dame dort zum Arzt und der meint: „Wir haben hier gar keine Tollwutimpfungen! Sie können im Militärspital im Parque de la Madre fragen.“ So nehme ich ein Taxi ins Militärspital. „Nein, hier haben wir keine Tollwutimpfung. Probieren Sie's im städtischen Spital. Das ist zu Fuss nur 5 Minuten.“ Jaja, ecuadorianische 5 Minuten =15-20Minuten in Realzeit, die ich mit Gelenkschmerzen und total Müde hinter mich bringe. Endlich dort angelangt: „Nein, tut uns Leid, wir haben keine Tollwutimpfungen hier.“ Wenigstens telefonierte der Herr dort in den Gesundheitszentren herum, wo ich denn eine Injektion bekommen könnte. Er wurde wohl nicht fündig und am Telefon erklärten sie ihm, es sei kein Problem einen Tag auszusetzen, wenn ich schon 3 Injektionen hinter mir habe. Ich dürfe einfach die am Dienstag nicht verpassen!!! So fahre ich per Taxi unverrichterter Dinge zurück ins Hostal und mir ist nur noch zum Heulen zu mute. Ich fühle mich total verarscht. Ist ja schön und gut, wenn das Gesundheitssystem gratis ist. Aber ehrlich gesagt zahle ich lieber etwas und es funktioniert dann auch! Um sicher zu gehen, dass es stimmt, was mir der liebe Herr erzählte rief ich per Skype noch in die Schweiz an ins Medgate von Sanitas. In Absprache mit einer Ärztin versicherte sie mir, dass dies korrekt ist.

Am Dienstag erklärte ich der Krankenschwester was am Montag schief gelaufen war. Die einzige Reaktion war „Aha...“ und ein Strich auf dem Papier, wo der Montag hätte eingetragen werden müssen. Tja, Andere Länder, andere Sitten…! Auch wenn unser Schweizer System teurer ist, ziehe ich es dem Ecuadorianischen doch vor.

Verständlicherweise wird es Andy bei dem ganzen Zirkus etwas langweilig. Fest zu hängen in einer Stadt mit einer kranken, unlustigen Freundin. So beginnt er einen dreitägigen Ausflug in den Nationalpark Cajas zu planen. So sind wir von Dienstag bis Donnerstag das erste mal seit 5 Monaten getrennt. Komisches Gefühl! ;)

Bevor mir hier die Decke auf den Kopf fällt mache ich mich auf in den Nationalpark Cajas. Die Wettervorhersagen sind nicht all zu schlecht. Ich freue mich aus den Abgasen raus zu kommen und eine Weile Ruhe zu haben. Leider stelle ich im Nationalpark fest, dass die vielen Seen eine Ursache haben: Regen. Wetterberichte sind in Ecuador einfach unzuverlässig, und obwohl ich vier verschiedene (auch Internationale) angeschaut und für akzeptabel befunden habe, regnet es jeden Tag und extrem fest in den Nächten.

Schön ist es aber trotzdem, die bergige Paramo-Landschaft, die Seen und die vielen exotischen Pflanzen, die hier unter schwierigsten Bedingungen auf über 4000müM überleben. Auch die Ruhe ist himmlisch und ich sehe sogar wilde Llamas mit umher tollenden Jungen. Allerdings kürze ich die Tour ab, eigentlich wollte ich drei Tage allein mit Rucksack und Zelt wandern. Wegen den immer schlammigeren Pfaden (von Wanderern, Kühen und Llamas aufgeweicht) sinke ich manchmal bis zu den Knien in stinkenden Schlamm ein, und meine Schuhe sind schon bald zwei Tage lang komplett Nass. Sobald ich mich eine Weile ausruhe, friere ich. So fühlt sich auch die Zivilisation wieder als angenehme Alternative an. Speziell die auf internationale Touristen ausgerichtete Arabische, Indische und Italienische Küche ;)

Luzia kriegt kurz darauf auch ihre letzte Impfung, und ist nicht mehr ganz so schlapp. Wir organisieren noch diversen Kleinkram den man so braucht als Radtourist. Neue Bremsbeläge zum Beispiel, da wir die teureren, und deshalb hier nicht so verbreiteten Shimano XTR Scheibenbremsen besitzen. Und in einer amerikanisch anmutenden Riesen-Mall finden wir neue Regenhosen, da die Regenfälle in Baños und im Amazonasgebiet aufzeigten, dass lange, seitliche Reissverschlüsse nicht an Regenhosen gehören. Sie leiten alles Wasser in die Hose und von dort direkt in die Schuhe. Das gilt auch für das Modell von Veloplus, das für Radfahrer entwickelt wurde ...

Jetzt muss sich nur noch das vom Biss gequetschte Knie von Luzia erholen, und dann sind wir endlich wieder auf der Strasse.