Cuenca - Vilcabamba und Impfnebenwirkungen

Wir sind immer noch in Cuenca. Luzia scheint sich einigermassen zu erholen, und wir fangen an uns wieder gemeinsam zu bewegen und die Parks und Cafés zu geniessen. Auch der Besuch des Zoos von Cuenca wurde endlich möglich. Dieser ist wunderschön an einem Hügel angelegt, mitten in einer Wald- und Buschzone. Häufig sieht man die Gehege kaum, und die meisten Tiere leben in einer sehr naturnahen Umgebung. Die Wege sind ungepflastert und steil, man fühlt sich schon fast auf einer Wanderung und nicht wie im üblichen Zoo.

Trotzdem haben wir fast alle Tiere bewundern können. Der Andenkondor auf einem unserer Fotos, lebt in diesem Zoo. Er wurde in Freiheit angeschossen und kann nicht mehr fliegen. So hat ihn der Zoo aufgenommen, der viel Aufklärungsarbeit im Bezug auf den Andenkondor leistet.

Wir planten bereits unsere Abreise, als Luzia erkrankte. Es fing mit schmerzhaften Ausschlägen an, dann kam auch noch Fieber dazu. Es stellte sich heraus, dass die Impfungen Luzia's Immunsystem geschwächt hatten. Die logische Folge waren verschiedenste Infektionen mit Bakterien, Viren und Pilzen. Wir hatten unsere Lektion mit den öffentlichen Spitälern bereits gelernt und gingen zu privaten Spitälern. Dort wurde Luzia superfeundlich behandelt, und die Preise hielten sich trotzdem in Grenzen, zumindest aus unserer Schweizer Perspektive. Luzia wurde vollgepumpt mit allen möglichen Medikamenten. Trotzdem ging die Heilung schleppend voran, meist war sie am Schlafen.

Nach fast zwei Wochen fühlte sie sich dann endlich gut genug, um eine Busfahrt nach Vilcabamba zu riskieren. Dies ist als Radfahrer immer etwas komplizierter als nur mit einem Rucksack. Man braucht genügend Energie um selbst zum Busterminal zu fahren, und den Radverlad sollte man möglichst selbst durchführen. Wir schafften aber alles, inklusive Umsteigen nach Vilcabamba. Wegen der Hochsaison waren einige Diskussionen notwendig, aber mit Lenker drehen und etwas kreativ umladen funktionierte das wunderbar...

Vilcabamba

In Vilcabamba gingen wir ins Hostel Izhcayluma, etwa 2km ausserhalb des Pueblos. Das Hostel liegt inmitten von Hügeln, in der Ferne sind die viertausender des Podocarpus Nationalparks sichtbar, und es ist wunderbar ruhig. Die deutschen Hostelbesitzer erklärten uns als wir ankamen, dass sie einen Buchungsfehler gemacht hätten. Sie würden uns deshalb in eine Cabaña mit eigener Toilette und wunderschönem Balkon einquartieren, natürlich zum selben Preis. Als wir die Cabaña betraten und die wunderschöne Panoramasicht vor uns hatten brach Luzia in Tränen aus! Endlich wieder grün! Vorher war sie fast einen Monat im stinkigen Cuenca in einem düsteren Zimmer gefangen, wo man bestenfalls an die Wand des nächsten Gebäudes sehen konnte.

Andy konnte sich wenigstens frei in der Stadt bewegen. Wir blieben vor allem wegen der bequemen Matratzen, was halt wichtig ist, wenn man nur liegen kann und die Besitzer kamen uns auch etwas mit dem Preis entgegen.

Auf jeden Fall waren die schönen Hügel, das viele Grün, die gute Luft und die Weite in Vilcabamba Balsam für die Seele!

Im Hostel wurde ihr auch gleich eine super Ärztin empfohlen, die sowohl in klassischer Medizin als auch Homöopathie und Akkupunktur ausgebildet ist. Diese verschrieb ihr sogleich eine Diät, welche ausschliesslich aus Gemüsesuppe, grünem Saft (eigentlich auch nur Gemüse), und hochdosiertem Vitamin C, sowie einer Akkupunktur bestand. Damit sollten all die Giftstoffe der Medikamente aus Cuenca ausgeschwemmt werden, sowie das Immunsystem wieder aufgebaut werden. Schon nach kurzer Zeit verbesserte sich Luzias Gesundheitszustand sichtbar!

Ich vertrieb mir die Zeit mit Wanderungen in der wunderschönen Umgebung. Der Ort ist echt eine Empfehlung wert! Berge in allen Farben, und eine Hügelwelt voller Falten, über die die schnell ziehenden Wolken immer neue Schattenmuster legen. Dazu konnte ich praktisch jeden Tag Yoga praktizieren, einmal am Tag ist für alle Izhcayluma-Gäste gratis, und dafür wurde auch gleich der schönste vorstellbare Pavillon gebaut, auf drei Seiten offen mit Sicht auf die Berge. Ich merkte, dass es mir gut tut, eine ausgleichende Betätigung auszuüben, und nicht nur meine Beinmuskeln zu trainieren.

Während Andy sich morgens am Yoga erfreute, konnte ich das Ausschlafen geniessen, was mir sichtlich gut tat. Nach einiger Zeit hatte ich wieder genug Kraft in den Armen, um wieder einige Drahttiere zu gestalten und mir so die Zeit zu vertreiben. So entstanden auch einige Neukreationen, die ich nicht in Cuenca gelernt habe.

Nachdem Luzias Fastenwoche vorbei war, setzten wir uns auch noch aufs Pferd, für mich ein Novum. Und es ging gleich richtig steil in die Hügel. So kam auch Luzia dazu, die wunderschöne Aussicht zu geniessen. Holger, unser Guide, führte uns zur Finca seiner Eltern, wo wir eine wunderschöne Rundumsicht auf die Umgebung und den Mandango, den Hausberg Vilcabambas geniessen konnten.

Die Pferde waren super trittsicher, ruhig und gut gehalten. Obwohl ich als Kind jede Woche 1 Reitstunde hatte, war ich noch nie auf einer so schönen Pferdetour. Da die Hügel wirklich steil waren, kostete es uns bergab einiges an Beinarbeit, da man richtig in die Steigbügel stehen muss. Der Galopp am Schluss war für mich natürlich auch ein Highlight und mein Pferd gab richtig Gas. Andys Pferd war wohl etwas müde und wollte nicht so recht galoppieren. ;)

Fahrt zur Grenze

Leider war unser Visa fast zu Ende, denn Luzias Krankengeschichte dauerte alles in allem fast zwei Monate! Wir mussten also ziemlich bald das Land verlassen. Wir entschieden uns deshalb, noch einmal den Bus zu nehmen bis nach Zumba, dem letzten grösseren Ort vor der Grenze. Der Verlad war dieses Mal weniger kompliziert, trotz völlig besoffenem Ticketkontrolleur/Verladehelfer. Wir waren bei den vielen steilen Steigungen und Kurven auch froh, nach fast zwei Monaten Pause nicht genau hier das Radfahren wieder anzufangen.

Von Zumba fuhr uns eine sogenannte Ranchera weiter, ein Lastwagen-Bus-Hybrid. Das heisst man hat ein Dach und seitlich offene Holzbänke auf ein Lastwagenchassis montiert. Die Blattfederung hinten ist natürlich auf mehr Zuladung ausgelegt, deshalb war die ungeteerte, holprige und steile Piste dann auch nicht gerade angenehm. Plötzlich kamen aus allen möglichen Seitenstrassen immer mehr Rancheras, Taxis, Busse und Autos zusammen, und es entstand ein Verkehrsstau. Uns fiel ein, dass der Ranchera-Fahrer erwähnt hatte, dass die Abend-Fahrt ausfallen würde. Als wir jetzt nochmals nachfragten, erklärte man uns, dass eine Prozession für eine Virgen (eine Jungfrauen-Ikone) stattfand, und wir wohl nicht vor dem Eindunkeln an der Grenze wären. Man empfahl uns, per Rad weiterzugehen, es sei alles abwärts.

Wir setzten die Idee um, die Aussage alles abwärts war mehrheitlich korrekt (ausnahmsweise!), aber leider nützte alles nichts. Das unerwähnt gebliebene Detail war, dass vor uns eine Prozession zu Fuss unterwegs war, und die Polizei aus Sicherheitsgründen keine Fahrzeuge überholen liess. So kamen wir also mit allen zusammen an der Grenze an, wo bereits eine grosse Party im Gange war. Religiöse Prozessionen unterscheiden sich hier nicht gross von anderen Festen, so weit wir feststellen können, also Alkohol und Essen in rauhen Mengen...

Die Grenzestationen auf beiden Seiten waren aber trotzdem offen, und relativ schnell erledigt. Nur der Geldwechsel war zwischen all den Festgästen etwas schwierig, und der Kurs schlecht, weshalb wir nur wenig in Peruanische Sols wechselten. Auf der peruanischen Seite suchten wir dann einen Übernachtungsplatz, welchen wir problemlos fanden. Allerdings liessen Sauberkeit und Ausstatung des Raums einiges zu wünschen Übrig. Der Frosch in der Ecke war ja noch süss, aber Blutspuren an den Wänden, eine praktisch dysfunktionale Dusche und viele Blutsauger brachten uns dazu, das erste Mal auf dieser Reise unser Innenzelt im Hotel aufzustellen. Glücklicherweise war die Party auf der Grenzbrücke und auch die der betrunkenen Dorfjugend im Stock unter uns bald zu Ende, und wir schliefen gar nicht soo schlecht.

Ausserdem hatten wir riesen Glück mit den Migrationsbüros. Auf der peruanischen Seite erzählte uns die Dame, dass sie bis vor kurzem einen Stromausfall hatten und deshalb keine Übertritte möglich waren, da dazu der Computer vonnöten ist. :)

Unsere späteren Erfahrungen in Peru waren dann übrigens viel besser, mit superfreundlichen, offenen Menschen und viel sauberern Unterkünften. Davon berichten wir aber später, denn mit dem Internet hapert es noch, wir können gerade keine Bilder hochladen...