Peru

Unser erstes Frühstück in Peru besteht aus Dosenmilch (NIE wieder!) Kaffee und pampigen, aber nicht so schlechten, Brötchen aus dem kleinen Shop unter unserem Hotel. Ausserdem begrüsst uns ein hübscher sehr bunter Käfer in Peru (siehe Bild).

Im Laden der zu unserer “Hospedaje” gehört, und dessen Besitzer offensichtlich Polizist an der Grenzstation ist, kaufen wir noch eine Simkarte für Luzias Telefon. Später wird sich dann herausstellen, dass die Karte bereits auf eine andere Person registriert und uns für den 3.5-fachen Preis verkauft wurde. Wir sind gezwungen eine Andere zu kaufen wenn wir Internetzugang wollen. Wir wundern uns was wohl sonst noch alles über den Ladentisch dieses sauberen Polizisten geht...

Danach fahren wir nach fast 2 Monaten Pause den ersten Tag wieder richtig los. Allerdings sind meine Muskeln wie Pudding und ich brauche nach 6 Kilometern und dem ersten Hügel (wirklich klein) schon meinen ersten Power Snack. Ausserdem ist es ziemlich heiss und wir schaffen heute insgesamt nur 15 Kilometer bis zum kleinen Dorf Linderos. Dort finden wir eine nette Familie, die uns auf ihrem Grundstück zelten lässt.

Kaum angekommen bringen uns die Nachbarskinder Bananen und unsere Gastgeberin schenkt uns etwas Gemüse für unser Risotto, da wir in den drei kleinen Shops im Ort keines finden konnten.

Als Dankeschön verschenke ich das erste Mal eines meiner selbstgemachten Drahttiere. Unsere Gastgeberin hat sich die Schnecke (mit richtigem Schneckenhaus) ausgesucht und freut sich sichtlich über diese Geste. :)

Der zweite Fahrtag geht sichtlich besser, meine Muskeln scheinen sich wieder an die Bewegungen zu erinnern und wissen wieder was sie zu tun haben. So schaffen wir heute schon das Doppelte, also 30km und kommen abends in San Ignacio an. Ich war übrigens froh, dass wir unterwegs noch Stöcke (Äste) gefunden haben. Wir konnten sie einige Male gegen kläffende, nachrennende Hunde gebrauchen.

Das heisst jetzt nicht dass wir die Mistviecher - sorry anders kann man das nicht ausdrücken – verprügelt hätten. Normalerweise reicht es den Stock zu zeigen, schlimmstenfalls drohend zu schwenken. Offensichtlich haben hier alle Hunde bereits Prügelerfahrung...

In San Ignacio finden wir dann ein zwar kleines, aber sehr sauberes Hostel mit Baño compartido (geteilte Toilette). An der Innenhofwand steht sogar, dass man den Motor beim reinfahren abschalten soll, da andere Leute schlafen wollen. WOW!!! In Ecuador scherte sich niemand um den Lärm oder eben Ruhe. Wie wir später feststellen, legen viele Peruaner mehr Wert auf Nachtruhe! Toll!!!

Jaen

Da es die letzten zwei Tage sehr heiss war und es noch viel heisser werden würde (tief gelegene Ebene), beschlossen wir per Bus bis nach Chachapoyas weiter zu fahren. Da wir hier aber in der hintersten Provinz sind, müssen wir 3 Transporte nehmen. Hier fahren auch keine grossen Busse, sondern Vans mit 12-16 Plätzen, das Gepäck wird auf dem Dach transportiert. So nehmen wir den ersten Van, der uns bis nach Jaén bringt. Dort lebt Miguel mit seiner Familie, der einen Bikeshop betreibt. Auf der Internetseite eines anderen Radfahrers ist er als Casa de Ciclistas eingetragen (Häuser für Fahrradfahrer). So beschliessen wir, weil es auch schon Mittag ist, in die Innenstadt zu fahren und Miguel einen kleinen Besuch abzustatten. Er überredet uns zu bleiben und geht mit uns und seinen zwei Töchtern in eine Cevichería (Fischrestaurant). Wir kommen das erste Mal in den Genuss von Ceviche (Fischgericht mit rohem Fisch) und Chicha morada (Getränk aus eingekochtem rotem Mais mit Zucker). Ceviche ist hier in Peru mit Vorsicht zu geniessen, vor allem für uns Europäer. Der Fisch ist roh und muss deshalb sehr sauber und frisch verarbeitet werden. Andernfalls endet es für unsere Mägen mit Durchfall!!! So sollte man Ceviche nur in von Freunden empfohlenen Restaurants essen gehen!

Hier war es auf jeden Fall sehr lecker und ausserdem spielte noch eine Band peruanische Stücke mit verschiedenen einheimischen Flöten, aber auch mit Gitarre, Schlagzueg und E-Bass. Miguel's Tochter durfte auch noch zeigen was sie kann und auf der Panflöte mit der Band mitspielen.

Da wir ohne Voranmeldung hier aufgetaucht sind, suchen wir ein Zimmer im nahe gelegenen Hotel, wo wir ein grosses Zimmer für 30 Soles (10 Franken) bekommen. An den nächsten beiden Tage waren wir dann zum Frühstück bei Miguel eingeladen und wir dürfen sein W-Lan benutzen. Andy konnte sich bei ihm noch Bremsbeläge bestellen, da wir in Ecuador nichts Gutes gefunden haben.

Zubehör Shimano XT Scheibenbremsen neuester Generation - Typ M985 / M785 / M675 / M615 / R785 - sind in Südamerika noch schwer erhältlich, speziell wenn man für die langen Anden-Downhills anorganische Beläge sucht.

Miguel und seine Familie konnten uns dann kaum gehen lassen, und so wurde es Mittag bis wir endlich los kommen.

Jaén – Chachapoyas

Miguel hat uns allerdings empfohlen nicht bis nach Chachapoyas zu fahren, sondern vorher in Pedro Ruiz auszusteigen. Dort gäbe es einen sehr schönen Wasserfall (der dritthöchste der Welt mit 771m in 2 Kaskaden) und die Strecke von Pedro Ruiz bis Chachapoyas sei sehr schön. Bis dorthin müssen wir nochmals zwei Vans nehmen. Einen von Jaén nach Bagua Grande, den zweiten von Bagua Grande bis Pedro Ruiz.

Die Landschaft ist sehr schön. Der Anblick wechselte zwischen Flussbett mit grosser Sandwüste daneben und Reisfeldern. Leider müssen wir zuschauen wie ein Hund unters Auto kommt. Der Hund wird von einem entgegenkommenden Auto erfasst während er über die Strasse rennen will, und dabei zu spät merkt dass von beiden Seiten Autos kommen. Für mich sieht es so aus, als ob der Fahrer noch Gas gibt um den Hund zu erwischen.

Ich wurde zwar von einem Hund gebissen, aber ich wünsche ihnen trotzdem nicht den Tod und schon gar nicht so einen. Der Hund jault laut und als ich ihn aus dem Rückfenster sehe, liegt er in Qualen auf dem Rücken mit strampelnden Hinterbeinen. Da kann man nur hoffen, dass das nächste Auto dem Ganzen ein Ende macht. Ich verstehe die Leute hier nicht. Sehr viele haben Hunde, manchmal mehrere, aber sie behandeln sie schlecht oder beachten sie gar nicht. Warum braucht man denn Hunde, wenn man sie nicht mag? Andy und ich haben diese Frage schon einige Male erörtert und noch keine Antwort darauf gefunden, die wirklich Sinn macht. Zumal die Leute zu uns total nett und freundlich sind.

Auf jeden Fall sind wir heil in Pedro Ruiz angekommen, die Bikes auch, trotz vieler Dachträger-Transporte.

Na ja, mehr oder weniger, einige Tage später bricht mein Hinterständer grundlos ab. Ich nehme an dass er beim Transport zu fest belastet wurde. Aber besser als ein Rahmenschaden.

Im Hostal Amazonense haben wir ein super schönes Zimmer gefunden Den Innenhof dürfen wir zum Frühstück-kochen gebrauchen und die Inhaberin gibt uns wertvolle Tips, wie wir zum Gocta Wasserfall kommen, welche Touren möglich sind und wieviel eine Fahrt höchstens kostet. So entscheiden wir uns dafür die ganze Runde zu machen. Das heisst wir starten in San Pablo und gehen dem Wasserfall auf der einen Seite des Flusses entgegen. Hier geht es stetig etwas höher rauf bis zum Fuss der 1.Kaskade.

Vorbei an wunderbar abwechslungsreichen Wald- und Felslandschaften, mit vielen Insekten, Vögeln und Orchideen. Wir kommen wieder einmal kaum vorwärts weil wir zu viele Fotomotive entdecken ;)

Von dort gehts dann sehr steil runter bis zum Flussbett. Auf der anderen Seite wieder etwas rauf. Zuerst wandern wir dem Fuss der 2.Kaskade noch etwas entgegen, wir müssen uns aber bald auf den Weg nach Cocachimba auf der anderen Flussseite machen, da es schon dämmert.

Zu unserem grossen Glück sehen wir noch einige “Gallitos de las rocas”, schwarze Vögel mit roter Haube, die man auf allen Gocta Plakaten sehen kann. :) Nach 8h Wanderung kommen wir müde in Cocachimba an. Wir finden fast sofort ein peruanisches Paar, mit dem wir uns ein Taxi zurück nach Pedro Ruiz teilen können.

Die Wanderung war sehr schön (Flora und Fauna, wir sahen hier mehr Stabheuschrecken, als in ganz Kolumbien und Ecuador zusammen) und auch der Wasserfall ist NICHT “schon wieder ein Wasserfall”, sondern wirklich beeindruckend.

Der nächste Tag führt uns von Pedro Ruiz durch ein wunderschönes Flusstal mit tausenden Kakteen und Bromelien an den Felswänden. Die überhängenden Felsen waren zum Teil spektakulär und eine Zeit lang kommen wir kaum noch vorwärts, so viele Fotos müssen wir schiessen! ;)

Die letzten 15km gehts dann stetig über Serpentinen rauf nach Chachapoyas. Da wir etwas spät dran sind fahren wir die letzte Stunde im Dunkeln hoch. Da das Gebiet wieder bewohnter ist, nehmen leider auch die Hunde wieder zu und ich war froh meinen Stock dabei zu haben. Vor allem im Dunkeln ist es nicht toll, wenn man die Hunde nur wegen ihrer leuchtenden Augen sieht. So gehe ich die letzten Kilometer mit Stock in der Hand. Wenn man geht wirkt man für die Hunde nicht so bedrohlich wie auf dem Fahrrad.

Unser Hostel in Chachapoyas (Chachapoyas Backpacker) ist nur zu empfehlen. Der Besitzer ist immer sehr freundlich und hilfsbereit, spricht sehr gut Englisch und kann einem alle Fragen im Bezug auf die angepriesenen Touren beantworten. Er war selber Guide in der Umgebung (inklusive 2 Wochen Trekkingtouren) und kennt die Gegend wie seine Westentasche. Wir unternehmen eine Tour mit seiner Guide-Firma nach Kuelap, einer Ruinenstadt der Chachapoyas und später der Inkas. Der Tour-Guide erzählt interessante Dinge (Englisch und Spanisch) und freut sich über alle Fragen. Das einzig Negative ist die lange Anfahrt. Obwohl es eigentlich recht nahe von Chachapoyas ist, muss man einen riesen Umweg ins Tal nach hinten und zurück machen, um nach Kuelap zu gelangen. Dies wollen sie ändern und es soll in einigen Jahren schon eine Seilbahn aus dem Tal direkt rauf zur Ruine geben. Umwelttechnisch sicher eine gute Lösung, sicher auch ein Touristenmagnet. Der Nachteil wird sein, dass es MEHR Touristen anziehen wird. Als wir dort waren, war es noch nicht “überlaufen”.

Leider sind wir wieder gezwungen ein paar Tage zu bleiben, da ich wieder einen Pilz habe. Mein Körper braucht wohl immer noch Zeit wieder alles ins Lot zu bringen! So geniessen wir Chachapoyas und den nahe gelegenen Aussichtspunkt auf das Valle del Sonche. Ein wunderschöner, riesiger Canyon mit einigen Wasserfällen auf der gegenüberliegenden Seite und vielen Falten in der Landschaft.

Chachapoyas - Cajamarca

Am 5.September gehts dann endlich wieder los. Ein Tag vorher senden wir noch ein Paket mit einigem unserer Habe nach Cajamarca voraus.

Eine solche Encomienda genannte Sendung kostet nur wenige Soles. Jede peruanische Busfirma bietet diesen Service, und er wird rege genutzt.

So starteten wir etwas leichter in die kommenden Hügel und die Cordillera Blanca. Die ersten 20km dürfen wir uns an der Abfahrt zurück ins Flusstal freuen. Danach führt uns der Weg dem Fluss entlang stetig etwas höher. 4km lang werde ich von einem wunderschönen Schmetterling (blau-transparent) auf meinem Lenker begleitet, was ich total geniesse. Dies ist doch mal eine schöne Ablenkung zu den vielen Hunden, die auch hier zu finden sind und mich mit ihrem Gebell immer wieder stressen. In Yerbabuena angelangt finden wir ein einfaches Hostal, wo wir auf dem Dach kochen dürfen.

Vor der Abfahrt am nchsten Morgen geniessen wir einen Rundgang auf dem Sonntagsmarkt (der grösste der Umgebung). Hier findet man alles: Gemüse, Früchte, Fleisch, Küchenutensilien, Nähzeug, Markenklamotten, Spielzeug, Wunderkuren, Gewürze, Schuhe, Kücken, Enten, Kühe, Pferde,……. Die Leute kommen vom ganzen Tal und den umliegenden Hügel zu Fuss, per Pferd, Motokar (Motorikscha) oder Colectivo (Bus) hierher.

Neben ein paar Früchten als Zwischenverpflegung sind wir auch auf der Suche nach einem neuen Faden für kleine Reparaturen. Wir werden bei einem Mann fündig, aber der Händler hat nur riesige Fadenspulen oder ganze Sets mit etwa einem Dutzend verschiedenen Farben im Angebot. Als wir ihm erklären, dass wir eigentlich nur eine kleine Spule schwarzen Faden suchen, öffnet er schnurstracks ein Set und schenkt uns die schwarze Spule!

Danach gibt's einen kurzen Fahrtag. Meine Muskeln sind etwas schlapp und ich bin müde, sodass mir die Hunde heute mehr zusetzen. In Leymebamba finden wir ein herziges Hostel. Leider stellt sich heraus, dass wir besser ein Zimmer mit eigenem WC genommen hätten. Unser Zimmernachbar ist ein Riesengrüsel und schafft es nicht ein mal den Ring bei der Toilette hochzuklappen. So ist der Ring jedes Mal total verpinkelt. Ich benutzte dann die andere Toilette, was etwas besser war. Welcome to Peru, das soll später auch so bleiben. Die öffentlichen Toiletten hier sind für Frauen kein Genuss. Alle Privaten- oder Restaurant-Toiletten sind allerdings immer einwandfrei!

Den Nachmittag verbringen wir im Museum in Leymebamba, wo wir einiges über die hier lebende Kultur der Indígenas erfahren, die an der nahe gelegenen Laguna de los Condores lebten. Dort wurde ein Mausoleum mit über 200 Mumien gefunden, die allesamt mit Stoff eingewickelt waren und man im Museum anschauen kann. Der Gedanke hinter den Mumien war, dass die Nachfahren ihre Verstorbenen besuchen und anschauen konnten. Das ist auch der Grund, dass sie im Museum hinter Glas sind (mit Temparaturanzeige), damit sie weiterhin von den Nachfahren besucht werden können. Die Bewohner von Leymebamba bezahlen keinen Eintritt für das Museum.

Nach dem Museumsbesuch gönnen wir uns noch eine leckere heisse Schokolade und einen Kuchen im Cafe über die Strasse. Das Besondere daran sind die vielen, zwei Meter vom Tisch entfernt herumflatternden Kolibris. Andy konnte einige ziemlich gelungen auf “Film” bannen! :) So viele Colibris es hier auch hat, es ist immer wieder schön sie zu beobachten! Aber wer denkt, die zierlichen kleinen Flieger seien ja sooo süüüss, hat sie noch nie streiten sehen. Die kleinen Rabauken sind richtige Streithälse und verteidigen ihr Zuckerwasserspender-Loch mit ihrem Schnabel, eingesetzt wie ein Säbel.

Von Leymebamba gehts über 30km und 1300 Höhenmeter einen Pass rauf. Die Strasse windet sich in Serpentinen durch eine wunderschöne grüne Landschaft. Man könnte fast meinen dass man durch die schweizer Berge fährt.

Auf jeden Fall so lange man die doch anders aussehenden trockenen Berghänge, die die Sonne am Horizont bescheint, nicht sieht. Oder den Nebelwald im Tal um die nächste Kurve – auf über 3'000müM.

Die Hunde heute sind auch etwas angenehmer und lassen uns in Ruhe. Nach etwa 15 Kiometern holen uns zwei Radfahrer ein, die wir schon einige Male von oben herab beobachten konnten. David (nach Australien ausgewanderter Deutscher) und Joanne (Australierin) sind seit über einem Jahr unterwegs und sind in Alaska gestartet. Ihr Blog: eat-bike-globe.com

Wir nehmen uns etwas Zeit zum Quatschen und kennen lernen und fahren danach gemeinsam weiter. Es ist schön wieder mal eine fahrende Frau zu treffen und sogar eine, die auch Angst vor Hunden hat, obwohl sie nicht gebissen wurde. Joanne trägt immer eine Trillerpfeiffe am Hals, um die Hunde abzuhalten. Reicht das nicht aus macht sie gebrauch vom Dog Dazer. Ein Gerät, das einen sehr hohen, für Hunde unangenehmen, Ton hervorbringt. Wir können ihn nicht wahrnehmen. So nehme ich mir vor in Cajamarca, in der nächste grossen Stadt, wenigstens eine Trillerpfeiffe zu kaufen. Den Dazer hat sie in den USA gekauft.

Da ich nicht die schnellste Passfahrerin bin, fahren David und Joanne vor und warten bei eiskaltem Nebel auf dem Pass auf uns. :) Dort entstand auch unser gemeinsames Passhöhenfoto. Die letzten Meter rauf beginnt es auch noch zu regnen und die Abfahrt ist kalt, trotz Handschuhen, Schals, Kappen und Jacken. Nach etwa 15km erreichen wir ein kleines Dorf, wo wir fragen, ob wir irgendwo unsere Zelte aufbauen können. Die hilfreichen Dorfbewohner verweisen uns zu einem kleinen Laden. Dort verfrachteten sie uns sogleich in einen Lagerraum, wo wir im trockenen unsere Zelte aufbauen und kochen können. Obwohl sie anscheinend immer wieder Fahrradfahrer beherbergen, waren wir die Attraktion Nr.1 im Dorf für diesen Abend. Ich bin sehr froh endlich trockene Kleider anziehen zu können und es wird mir wieder wärmer.

Kurz vor der Abfahrt am nächsten Morgen wird es interessant. Ich stelle fest, dass mein GPS-Logger verschwunden ist, ein eher teures Gerät das meine Position an einen Satelliten sendet. Mir kommen sofort die drei vorwitzigen Jungs vom Vorabend in den Sinn. Nach einigem Nachfragen (zum Glück sprechen wir nach so langer Zeit in Südamerika ganz passables Spanisch) stellt sich heraus, dass sie zur Nachbarin gehören. Als ich dort hin gehe sehe ich den ersten der vermuteten Übeltäter, wie er sich gerade schleunigst in Richtung Schule davonschleichen will. Nach kurzer, heftiger Diskussion gibt er auf, schämt sich in Grund und Boden und sein Freund zaubert das Corpus Delicti hervor. Die drei kassieren eine Riesenschelte! Und alle Dorfbewohner entschuldigen sich immer wieder, dass ich mich schon fast unwohl fühle. Irgendwie verstehe ich die Neugier der Jungs ja ;)

Joanne und David fahren etwas vor uns los und wir verabreden uns im 45km entfernten Balzas. Wir haben sicher 1-2 Stunden länger, als sie für diese Strecke. Das liegt diesmal aber nicht daran, dass wir wegen der Steigung langsamer sind. Die führt nämlich über die ganzen 45km nach unten. Und das, obwohl wir schon am Vorabend 15km Gefälle hatten! Nein, die Strecke führt wieder in hunderten Serpentinen durch eine atemberaubende Landschaft. Auf dieser Seite des Passes ist es allerdings nicht mehr grün, sondern braun, trocken und faltig. Die Berge bilden atemberaubende Schluchten und es ist viel wärmer, als auf der anderen Seite. Wir geniessen die Abfahrt und die Landschaft in vollen Zügen. Unten angekommen läuft uns, trotz Abfahrt und Wind, der Schweiss in Bächen runter. Es ist etwa 42 Grad heiss hier in Balzas. Als wir ankommen, sind Joanne und David nach ihrem zweiten Frühstück wieder in den Startlöchern. Trotz Hitze starten sie in den nächsten Pass. Diesmal 57km von 800m.ü.M. nach Celendín auf etwa 2100m.ü.M, über einen weiteren 3000er-Pass.

Wir beschliessen eine Pause einzulegen und erst um 14-15 Uhr los zu fahren, da mich die Hitze fast umwirft. Da ich leider Kopfschmerzen bekomme und es mir leicht schwindlig ist, suchen wir uns einen Transport und lassen uns per Van nach Celendín hochfahren. Unterwegs überholen wir Joanne und David, die noch einige Kilometer vor sich haben bis Celendín und wir fragen uns, ob sie es noch bis rauf schaffen heute.

Mir wird es im Van durch seine rasante Fahrt um die vielen Kurven leicht übel und ich bin froh, als wir nach 1-2 Stunden oben ankommen.

Leider will mich die Übelkeit nicht mehr verlassen und ich kann kaum zu Abend essen. In der Nacht geht es weiter damit und so beschliessen wir, einen Tag zu bleiben. Diesen Tag verbringe ich auch bis spät am Nachmittag im Bett bis es mir wieder besser geht. Am Abend treffen wir uns zum Nachtessen mit David und Joanne. Sie haben die ganze Strecke bis Celendín gestern gemeistert und können so einen Tag Pause machen.

Nach meiner kurzen Magengeschichte können wir am Tag später wieder starten. Wir haben wieder etwa 30km vor uns, die uns auf 3600m.ü.M. führen sollen. Die Landschaft hat seit Celendín wieder geändert und wir sind wieder in grüneren Bereichen unterwegs. Das Land wird hier bis zum Pass hoch bebaut und die Leute wohnen auch hier oben. In den unteren Regionen waren die Hunde noch angenehm, aber in den letzten 5km vor dem Pass werden sie wieder ungemütlich. Wir stellen einen Zusammenhang zwischen der Höflichkeit / Offenheit der Leute und der Ruhe / Agressivität der Hunde fest. Dort wo die Hunde agressiv sind werden wir oft nicht mehr gegrüsst.

Oder zumindest sind die Leute nicht mehr gleich freundlich, sondern eher reserviert, mit Hintergedanken.

Das Fahren fällt mir heute auch eher schwer, bedingt durch meine Bauchgeschichte. So sind meine Fahrmuskeln irgendwann leer und ich gehe die letzten paar Kilometer bis auf den Pass. Die Abfahrt danach ist richtig gemütlich. Nicht zu steil und kaum Hunde. Wir beschliessen in Encañada ein Hotel zu suchen, da es schon eindunkelt und ich die letzten 25km bis Cajamarca heute nicht mehr schaffe.

Die Hunde waren heute eigentlich relativ ok bis wir nach Encañada kommen. Dort greifen uns gleich 3 auf einmal an, obwohl ihre beiden Besitzer daneben stehen. Als Andy seinen Stock hervornimmt geben sie nicht klein bei wie gedacht, sondern zwei kommen rasch mit gefletschten Zähnen und Knurren auf mich zu. Gut bin ich dank meines Bauchgefühls schon vorher vom Fahrrad gestiegen und habe es zwischen mich und die Hunde gestellt. Sie lassen aber erst von mir ab, als der Besitzer endlich eingreift und den grössten am Nackenhaar packt (Leine ist hier ein Fremdwort)! Er entschuldigt sich wenigstens und ärgert sich offensichtlich über seine Hunde, er flucht laut. Leider ereignet sich ein paar hundert Meter weiter nochmal fast die gleiche Szene mit zwei anderen Hunden. Die Dorfbewohner greifen ein indem sie mit faustgrossen Steinen nach den Hunden werfen.

Bei diesen zwei Angriffen erschrecke auch ich, ich glaube ohne Besitzer hätte das übel ausgehen können. Mühsam auch, dass die Mistviecher immer auf die Schwächsten beziehungsweise Ängstlichsten los gehen. Nachdem ich mich wehre gehen sie direkt auf Luzia los. Am Ausspruch “Hunde können Angst riechen” muss etwas Wahres sein.

Danach kommen wir unbehelligt weiter zum einzigen Hotel im Ort. Es befindet sich an einer Tankstelle. Andy schaut sich das Zimmer an und meint es sei in Ordnung, das Badezimmerlicht gehe halt nicht, aber das ist ja kein riesen Problem. Das Zimmer sieht relativ neu gestrichen aus und wirkt auf den ersten Blick sauber. Ich bin einfach froh weg von der mit Hunden übersähten Strasse zu sein. Da wir nicht wissen wie lange die Restaurants hier geöffnet haben, gehen wir essen, duschen können wir danach. Als wir zurück kommen wollen wir duschen, aber leider funktioniert das warme Wasser nicht. Naja, nicht so schlimm, wir können ja morgen in Cajamarca duschen. Allerdings stellt sich dann die Toilette als Schimmelzucht heraus. Die wurde mit Sicherheit schon seit Monaten nicht mehr geputzt und die verspritzte Kacke schimmelte fröhlich vor sich hin. Tja, was soll man machen….. Hier gibts kein weiteres Hotel und keinen Camping. Gut haben wir genug Toilettenpapier dabei (wird hier auch nicht gestellt), so kann ich mit meinem Head'n'Shoulders-Shampoo und Papier die Toilette etwas säubern. Der Obergau kommt dann aber mit dem Bett. Es ist schön gemacht und sieht soweit OK aus. Als wir dann aber die Decken aufdecken finden wir Haare, Flecken und REIS auf den Laken verteilt. UNGLAUBLICH!!!! Sowas hatten wir bis jetzt noch nicht. OK, was tun…..

Normalerweise hätten wir das Hotel verlassen und wenn möglich das Geld zurückgefordert. Aber es ist schon dunkel, und nach den vorherigen Hundeattacken wollen wir keinen Campingplatz mehr suchen. Das hätte bedeutet bei Bauernhöfen mitten in der Nacht auf den Hof zu gehen, und zu hoffen die Hunde hätten nichts dagegen. Keine gute Idee!

Wir packen also unser Zelt aus, machen unsere Bodenblache los, ziehen diese über das Bett und schlafen in unseren Schlafsäcken. Wenigstens die Matratze ist nicht ganz so übel! Auf jeden Fall können wir es am nächsten Morgen kaum erwarten das Hotel zu verlassen.

So freuen wir uns auf den kurzen Tag heute und das Hostel in Cajamarca, welches wir uns ausgesucht haben. David und Joanne haben es schon einen Tag vor uns erreicht und uns mitgeteilt, dass es total gemütlich und sauber sei. Wie sich herausstellt funktioniert auch die Dusche: HEISS!!! ;)

Getrennt oder nicht? Und Lima

Hier machen wir uns daran neue Pläne zu schmieden. Für mich ist Peru im Moment kein Tourenland per Bike mehr, dank meiner Hundephobie. Andy möchte aber noch etwas die Berge geniessen. So beschliessen wir für kurze Zeit getrennte Wege zu gehen. Andy wird während 2-3 Wochen über kleine Nebenstrassen von Cajamarca nach Huaraz fahren. Ich fahre per Bus nach Lima. (Dies wird meine erste Reise sein, die ich allein unternehme.) Nach 1-2 Wochen werde ich per Bus (etwas einfacher ohne Bike) auch nach Huaraz reisen und wir werden dort einige Wanderungen unternehmen. Danach gehts dann zusammen “zurück” nach Lima, von wo wir dann per Bus oder Flug weiter nach Santiago de Chile reisen werden.

Nach 3 Tagen meldet sich Andy allerdings, dass er sich einen Parasiten eingefangen habe und wohl auch per Bus nach Lima nachkomme. Zuerst muss er aber transportfähig sein.

Ich habe die Strecke von Cajamarca nach Jesus – Cachachi sehr genossen. Endlich wieder einmal “richtig” fahren, mich auspowern und weg von den grossen Strassen zu kommen. Hier gibt es praktisch keinen Verkehr, alle Stunde ein zwei Fahrzeuge. Eine Zeit lang sind die Leute sehr freundlich, irgendwann kehrt es und sie sind ab und an etwas misstrauisch. Am zweiten Tag, in Santa Rosa, sogar sehr misstrauisch: ein altes Paar will meine Papiere sehen, es hätte hier häufig schlechte Fremde. Man beantwortet mir nicht, was diese denn gemacht hätten. Und geht auch nicht darauf ein, dass sie ja trotz meinen Papieren nicht wüssten ob ich deswegen nun “gut” sei. Und dass dies hier eine öffentliche Strasse sei. Ich gebe ihnen meine Passkopie, nicht meinen Pass, und sie sind zufrieden damit und lassen mich ziehen. Glück gehabt, denn ich habe von anderen Radfahrern gelesen, dass sie in diesem Dorf unter Androhung von Steinigung festgehalten wurden. Siehe: theridesouth.com

Ich würde gerne in die Köpfe dieser Leute sehen! Wahrscheinlich geht es um uralte Geschichten, wer weiss vieleicht hunderte von Jahren alt, vielleicht sogar aus Zeiten der Conquistadores. Oder doch neuere Probleme mit fremden Minenarbeitern?

Ich kann die Strecke auf jeden Fall trotzdem jedem empfehlen. Sie ist dichter besiedelt als man meinen könnte. Weit weg von jeder grossen Strasse ist in dieser Gegend trotzdem jeder Fleck bis auf über 4'000müM gebraucht für Viehwirtschaft oder Ackerbau, und die Strasse ziemlich heftig, zum Teil voller grosser Steine, manchmal auch sehr staubig und sandig. Aber die Landschaft und in grossen Teilen auch die Gastfreundschaft der Leute sind grandios.

Als ich am zweiten Tag wieder ins Tal komme wird es wieder richtig heiss, und eingestaubt wie ich bin sehne ich mich nach einer Dusche. Deshalb zwinge ich mich noch weiters bis Cajabamba wo es Hotels gibt. Die letzten 600 Höhenmeter geben mir fast den Rest nach über acht Stunden fahrt. Zum Glück sind die Strassenverkehrsregeln hier etwas lockerer. Ein Lastwagen fährt extra für mich etwas langsamer, damit ich mich für das letzte Stück Steigung leichter anhängen kann. Die Polizei winkt fröhlich dazu ;)

Nach Cajabamba wird die Haupstrasse winzig klein. Sie schlängelt sich mit viel auf und ab durch eine Gegend voller kleiner Dörfchen mit farbenfroh gekleideten Indígenas. Die ersten Siedlungen widmen sich praktisch ausschliesslich der Herstellung von Lehmziegeln. Verkehr ist auch hier kaum vorhanden. Nach der Anstrengung der zwei vorherigen Tage will ich es etwas lockerer nehmen. Ich mache auch einen längeren Halt an der Laguna Sausacocha, wo ich eine lokal gefangene Forelle verspeise.

Leider kann ich die Nacht in Huamachuco nicht wirklich geniessen, da sich ein Parasit in meinen Gedärmen breitmacht. Übelkeit, üble Gase und Durchfall sind die Folgen, und ziemlich schnell sehe ich ein, dass es für eine Weile nichts wird mit meinen Plänen, nach Huaraz zu fahren. Nach einem Tag krank entschliesse ich mich, den Bus nach Lima zu nehmen. Ich schaffe es kaum, 200m zu gehen und für ein Busticket anzustehen. Überraschenderweise bin ich am nächsten Tag schon wieder recht fit, aber das Ticket war gekauft, die Pläne geändert und ich unterwegs nach Lima. Huaraz, ich komme ein anderes Mal!

Am 20.September ist es dann soweit, und Andy kommt früh morgens in Lima an. In den nächsten Tagen machen wir Pläne und entscheiden uns, nicht nach Huaraz zu fahren, da wir für den 30.September einen günstigen Flug nach Santiago de Chile finden. So vertreiben wir uns die Zeit hier in Lima mit der Hostelsuche für Santiago, Bikeverpackung (Karton) suchen und Bike's putzen und verpacken, ein Paket zusammenzustellen und in die Schweiz zu senden.

Aber wir geniessen auch leckeres Essen im Italiener um die Ecke, einen Schokoladen-Workshop, einen Zoobesuch, Spaziergang der Küste entlang, Besuch in der Down Town und im Barrio Chino (Chinatown) und für mich absolutes Highlight hier: Der Kennedypark (Parque Central) hier im Stadtteil Miraflores. Der Park beherbergt mindestens 150 Katzen, die von den Besuchern gefüttert und gekrault werden. Nach den vielen Hunden hier ist das richtiger Balsam für meine Seele (man sieht in Kolumbien, Ecuador und Peru kaum Katzen)! :)