Slowenien

Nach der gemütlichen Nacht am Thurnersee mache ich mich auf, um die Grenze zu überqueren. Es geht wieder der Drau entlang, und schon ziemlich bald komme ich nach Lavamünd, der letzten Österreichischen Stadt vor der Grenze zu Slowenien.

Dort erwischt ein ziemlich heftiges Gewitter mein Rad, das ich während einem kurzen Einkauf draussen abgestellt habe. Glücklicherweise war alles gut geschlossen, denn es sah schon seit Stunden nach Gewitter aus. Dass es genau in diesem Moment beginnen könnte habe ich dann allerdings doch nicht erwartet. Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei, die Wolken verzogen sich und die Strassen begannen zu dampfen.

An dem Punkt wo der Fluss Lava in die Drau mündet beschloss ich dann, über Skype (billiger) meinen Vater im Spital anzurufen und noch einmal nach Campings auf dem Weg nach Maribor zu suchen. Ein unverschlüsseltes WLAN fand ich ohne Probleme, und die News von meinem Vater waren auch den Umständen entsprechend recht hoffnungsvoll.

Mit den Campings hingegen hatte ich keinen Erfolg. Ich fand trotz intensiver Suche nichts, was noch erreichbar gewesen wäre. Besser wäre ich stattdessen wohl einfach weiters gefahren. Als es langsam dunkel wurde,befand ich mich nämlich auf einer Veloroute, welche an einen Steilhang oberhalb der Drau klebte. Und die wollte und wollte nicht enden. Überall waren nur dunkle, wenig einladende Gehöfte zu sehen, ich wollte dort lieber nicht nach einem Schlafplatz fragen. Schlussendlich stellte ich mein Zelt an den Rand einer Fläche, die Gerade planiert wurde. Hier konnte ich sicher Niemand stören und da es Wochenende war, würde mich auch am Morgen Niemand stören. Dafür war der Platz relativ dreckig von all der rumgeschobenen Erde...

Radfahren in Slowenien

Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg nach Maribor. Unterwegs galt es, einige fiese Hügel zu überwinden, welche die Veloroute leider überquerte. Auch die Strassenverhältnisse hatten rapide nachgelassen, seit ich in Slowenien war.

In Österreich hatte man mir noch weisgemacht, der Drauradweg gehe von der Quelle bis nach Maribor, aber seit der Slowenischen Grenze war er immer wieder unterbrochen, von Schlaglöchern übersät oder sehr schlecht ausgeschildert, so dass ich einige Male wohl einen Radweg gehabt hätte, aber diesen nicht fand. Auch welchseln die Schilder immer mal wieder ihr aussehen, und man weiss nie recht, nach was man jetzt genau ausschau halten soll. Meist gibt es aber nicht all zu viele sinnvolle Strassen, da die Drau sich häufig in einem Tal befindet.

Wegen diesen Komplikationen war öfters Hauptstrasse angesagt. Trotz anfänglicher Bedenken eigentlich kein Problem. Die Slowenen fahren zwar gerne schnell, aber alle nehmen extrem rücksicht. Oder haben sie Angst vor meinem schwer beladenen, leicht schwankenden Rad? Auf jeden Fall wechseln fast alle gleich auf die linke Strassenseite, um mich zu überholen.

Ausserdem stelle ich fest, dass ziemlich viele Leute Radfahren, wenn meist auch nur innerhalb der Ortschaften. Dort gibt es auch fast immer einen Radweg, ganz im Gegensatz zu Ausserortsstrecken, welche erst in Stadtnähe einen Radweg aufweisen. Es scheint, dass die Planung, der Bau und vorallem die Beschilderung Orts- oder Regionsweise geschieht.

Maribor

In Maribor angekommen stelle ich fest, dass es dort definitiv keinen Campingplatz gibt. Entweder weitersfahren oder eine billige Herberge suchen. Ich entschied mich für das Zweite und wurde in June's Lollipop im Stadtzentrum fündig. Dort konnte ich auch mein Rad und alles Gepäck ins Zimmer nehmen, was ich in Städten sehr schätze!

Da die Zeit bis Budapest eigentlich total ausreichend sein sollte, entschloss ich mich, noch einen Tag in Maribor anzuhängen und im Lollipop zu bleiben. Am Nächsten Tag machte ich dann per Rad eine Stadrundfahrt und plante die weitere Route. Ich stellte fest, dass der nächste Camping in Lendava lag, einem ca. 90km entfernten Grenzort nach Ungarn. Das nette daran: Der Camping gehörte zu einem Thermalbad. Und auf meiner Route nach Budapest war er auch noch gelegen!

Am Abend traf ich noch Barbara, eine Mariborerin. Ich hatte mit ihr über Hospitalityclub.org abgemacht. Sie war so freundlich, trotz der spontanen Anfrage und eigentlich einem ziemlich ausgefüllten Leben den ganzen Abend für mich zu verwenden! Totally nice. Es tat gut, wieder einmal Jemanden zum Reden zu haben. Denn so langsam war es doch ein bisschen einsam auf meiner Reise. Zum Glück sollte sich das ja ab Budapest ändern, sofern alles wie gewünscht läuft auf jeden Fall.

Barbara erzählte mir viel über die Stadt, da sie Tourismus studiert ist sie sozusagen die ideale Führerin. Die Stadt ist mittelalterlich aufgebaut und von bewaldeten Hügeln umgeben. Vielen ist sie vom Schanzenspringen an den Winterspielen ein Begriff. Die Grösse und der Charakter errinnern mich etwas an Winterthur, nur sind die Leute am Abend weniger aktiv. Unter der Woche ist ab 2200Uhr gar nichts mehr los.,.,

Ganz interessant fand ich das Lent-Festival, welches immer im Sommer stattfindet. Dort werden etwa 400 Konzerte gegeben und eine halbe Million Besucher erwartet. Definitv etwas, das man sich merken muss!

Am nächsten Tag gings dann früh los nach Lendava. Die Strassen waren wunderbar flach, und ich erreichte ohne grosse Anstrengungen einen Schnitt von ca. 16km/h. Somit war ich am Abend relativ früh dran und konnte nach einem Einkauf auch noch ein Bad geniessen. Super! Allerdings blieb ich nicht lange im warmen Thermalwasser, da mir sonst gleich die Augen zugefallen wären.