Ungarn

Nach einer regnerischen Nacht in Lendava ist es am Morgen wieder trocken und ich packe meine Siebensachen wieder einmal. Langsam werde ich etwas schneller, aber ich bin immer noch unglaublich langsam. Wenn ich am Morgen mit den Vögeln vor sechs Uhr aufwache (passiert halt so im Zelt, eigentlich nicht meine Sache :-) dann brauche ich mit einem gemütlichen Frühstück und Packen schnell einmal bis um neun Uhr bis ich bereit zur Abfahrt bin.

1000 Kilometer!

Nun aber geht es los, und ich bin gespannt auf die Unterschiede zwischen Slowenien und Ungarn. Nach etwa 5km habe ich dann meine ersten 1000 Kilometer auf dieser Reise erreicht. ein schöner Moment! Man kommt eben doch vorwärts, auch wenn man die meisten Leute viel schneller unterwegs sind.

Die Ungaren

In Ungarn werde ich als erstes gleich einmal freundlich von einem Lastwagenchauffeur angehupt. Er winkt mir freundich zu! Solche Sachen sind immer ein kleiner Aufsteller. Danach allerdings geschieht dies nicht mehr. Die Fahrer halten aber immer noch grosszügig Abstand, sogar noch fast extremer als in Slowenien. Häufig kriege ich eher Angst, weil diese Leute das sogar auf unübersichtliche Kurven hin tun!

Ich vermute, dieses Abstandsverhalten hängt auch damit zusammen, dass man sich hier viele Räder, uralte Lastwagen und sogar Pferdefuhrwerke gewohnt ist, die halt wie ich auch sehr langsam unterwegs sind. Auch mit Stroh total überladenen Anghänger und ähnliches kommen vor.

Die Leute sprechen, um so mehr man aufs Land kommt weniger Deutsch oder Englisch. Nur selten spricht einem jemand an, viele starren einem bloss an und schauen weg, sobald man Blickkontakt aufnimmt. Dies erscheint einem schon ziemlich seltsam. Sie verstehen wohl überhaupt nicht, was meine (Tor-)Tour überhaupt soll, man sieht ja, dass ich mir ein Auto leisten könnte...

Langsam  komme ich in stärker bevölkerte Gegenden, und der Verkehr nimmt zu. Hier muss ich auch besser aufpassen auf überholende Fahrzeuge, speziell solche die mir entgegenkommen. Überholen scheint Volkssport zu sein! Hier ist mir nicht mehr so richtig wohl, und einige Male flüchte ich in den Strassengraben, obwohl dies nicht notwendig gewesen wäre. Aber der dauernde Check im Rückspiegel wird richtig zur Gewohnheit.

Balaton

Der Balaton - oder auf Deutsch Plattensee - ist DIE Touristengegend in Ungarn. Der  See ist extrem flach, man kann bis hunderte von Metern entfernt vom Ufer kaum schwimmen, ohne mit den Knien an den Grund zu stossen. Dies ist aber auch kein Problem, zumindest nicht in Siófok, wo ich das erste Mal im Balaton baden gehe. Denn hier ist überall am Grund eine feine Sandschicht!

Ansonsten gefällt mir die Gegend eher nicht so gut, da alles auf Mallorca-Tourismus ausgerichtet ist. Zu meinem Glück bin ich aber noch kurz vor Saisonbeginn angekommen, in etwa einer Woche wird hier die Hölle los sein! Im Moment sind noch alle mit Putzen, Streichen und Rasenmähen beschäftigt.

Ich Campiere an zwei Orten am See, weil das Klima trotz der über dreissig Grad recht angenehm ist. Zuerst in Fonyod, dann in Siófok, wo ich sogar zwei Tage bleibe. Ich bin nämlich wegen dem schön flachen Land fast etwas früh dran, um mit Sondi in Budapest zusammenzutreffen! Nur die Mücken machen mir das Leben schwer, ich werde zum Teil schon fast aufgefressen! Ich glaube die Viecher mögen Radfahrergeruch, denn früher waren die nie so agressiv. Zum Teil muss ich schon während dem Tag dutzende erschlagen...