Am Schwarzen Meer und wieder alleine

Wir radelten in einem ziemlichen Tempo nach Konstanta. Dort fanden wir erst sehr spät am Abend ein teures Hotel. Am Morgen schliefen wir erst einmal aus, und meine zwei Reisebegleiter wollten nach dem Frühstück ziemlich bald weiters. So sah ich nicht viel von Konstanta, allerdings soll die Stadt auch nicht wahnsinnig schön sein.

Trennung

Nach einer kurzen Fahrt am Nachmittag wollten wir, um unsere Rumänschischen Lei loszuwerden, noch einmal in Rumänien Campieren, und wurden in einem ehemaligen Kommunistischen Feriendorf bei Mangalia namens Jupiter fündig.

Die  Stimmung unter uns war irgendwie nicht so gut, wir sassen uns doch schon zwei Wochen lang auf der Pelle. Sondi war etwas enttäuscht von einem seiner grossen Ziele - Constanta, und ich war dauernd  mit der Planung meiner weiteren Reise beschäftigt, während meine zwei Kumpanen bereits weiters wollten, um rechtzeitig wieder zu Hause zu sein.

So beschlossen ich, die Anderen nicht weiters aufzuhalten und mich von Ihnen zu trennen, da ich befürchtete, dass die schlechte Stimmung sonst überhand nehmen könnte und ich am Schluss zwei Kollegen verlieren könnte...

Einsamkeit und unerwartete Gesellschaft

Am Anfang war die Einsamkeit allerdings dann doch ziemlich schwierig zu ertragen. Ich fand aber immer wieder Leute, mal für ein kurzes Hallo, mal um einen ganzen Abend lang miteinander zu sprechen.

Am ersten Abend traf ich Andi und Mägi, ein Deutsch-Polnisches Paar, das mit Motorrad und Hund Navi versuchte, durch Afrika zu fahren. Leider stellten sie fest, dass dies kaum möglich ist. Hunde werden in vielen - und speziell den muslimischen - Teilen der Welt nicht als Haustier akzeptiert, Hundefutter, Einfuhrbewilligungen, oder auch nur den Hund ins Hotelzimmer zu nehmen waren Riesenprobleme für die zwei. Sie kehrten in Syrien um und planten ans Norkap zu fahren. Leider hätte Navi aber vier Wochen in Qurantäne müssen...

Am nächsten Tag treffe ich auf Alejandro z Guadalupe, die schon sieben Jahre mit dem Motorrad unterwegs sind, eigentlich wollte Alejandro nur in 11 Monaten von Argentinien nach Kanada fahren... Ihre Homepage: porelmundoenmoto

Auch zwei Engländer, die per Rad von der Türkei über das schwarze Meer und dann ein Stück die Donau hoch unterwegs waren habe ich kurz getroffen. Es ist immer wahnsinnig motivierend, wieder einmal Jemanden zu sehen!

Und am Abend habe ich auf dem Camping nähe Sozopol noch die bulgarische Familie Pomov angetroffen. Sie waren das allererste Mal Campieren und haben mich gleich spontan zum Nachtessen eingeladen! Stojan, der Vater, konnte ganz gut Deutsch und mit dem drei Kindern konnte man sich auch auf Englisch unterhalten. Solche Abende machen richtig Spass! Jetzt muss ich nur daran denken, Stojan auch Nachricht zu geben, wenn ich wieder zu Hause bin. Und wer weiss, vielleicht kommt die geographie- und geschichtsbegeisterte Familie ja einmal in der Schweiz auf Besuch...

Das schwarze Meer

Das schwarze Meer hat im Moment etwa 19 Grad Celsius, und kaum Salz. Überall sind wunderschöne Sandstrände, meist mit sehr feinem Sand. Und tausende, abertausende von Touristen, wobei ich glaube, dass noch nicht einma Saison ist. Der grösste Teil der Touris ist immer noch Bulgarisch, ein weiterer grosser Anteil  aus den restlichen Ex-Sowjet-Ländern. Doch die  mitteleuropäischen Touristen nehmen zu. Allerdings sind die Leute hier noch nicht so richtig auf sie eingestellt. So sind zwar viele, aber längst nicht alle Ortsschilder auf Englisch und Bulgarisch angeschrieben, doch was der Durchschnitts-Mitteleuropäer tut, wenn er ein Kyrillisch angeschriebenes Schild sieht? Ich habe mir das kyrillische Alphabet und ganz wenig russisch während meinem letzten Militärdienst beigebracht!

Leider werden am schwarzen Meer alle Campings und auch alles andere Land mit Hotels überbaut. Die ganze Küste ist eine Baustelle! Ich frage mich, ob diese Leute sich bewusst sind, dass der momentane Aufwärtstrend ihrer Küste nur temporär sein könnte, und was sie machen falls die Touristenschwemme wieder zurückgeht? Noch billigeren Tourismus und mehr Ballermann bieten? Da gibt es mit Mallorca, Ibiza, Balaton etc. doch auch schon ordentlich Konkurrenz. Ich befürchte fast, dass in einigen Jahrzehnten ein grosser Teil der Küste eine Geisterstadt sein wird...

Verkehr

Leider ist das Verhalten der Bulgaren auf der Strasse extrem chaotisch und gefährlich. Viele fahren viel zu schnell und Überholen mit nur minimalsten Abständen. Dies gilt speziell für Busse und Lastwagen, ganz schlimm sind auch die Neureichen mit Ihren PS-Starken Mercedes Limos. Verkehrsschilder werden fast grundsätzlich missachtet, und sind zum Teil auch sinnlos. Das sehe auch ich so, wenn ich zum Beispiel nach mehreren Kilometern auf der einzigen Küstenstrasse plötzlich ein "Radfahren Verboten"-Schild sehe, ohne dass eine Ausweichmöglichkeit vorhanden wäre. Auch auf Autobahnen fährt die Polizei ungerührt an mir vorbei, naja ich hatte ja auch keine andere Wahl...

Trotz dieser Zustände geschieht erstaunlich wenig, bisher habe ich nur in Burgas einen Unfall gesehen, allerdings war dies ein Radunfall. Der Radfahrer wurde mehrere Meter durch die Luft geschleudert. Danach kam plötzlich der ganze Verkehr zum erliegen, und alle halfen. Die Polizei und die Sanität waren schnell zur Stelle, und soweit ich dies beurteilen konnte, hatte das Opfer keine schlimmen Verletzungen.

Dennoch bringt einem das zum Nachdenken. Ich hoffe, dass ich von solchem Unglück verschont bleibe und sage mir, dass selten Reiseradler ernsthafte Unfälle hatten und ich auch zu Hause nicht von Unglück gefeit bin.