Ab in die Türkei und nach Asien - Istanbul

Nach einer ruhigeren Zeit an der Schwarzmeerküste mache ich mich wieder einmal früher am Morgen auf. Das Ziel heute heisst Türkei!

Mühsamer Grenzübergang

Doch zuerst muss ich leiden, das weiss ich schon jetzt. Es wird ca. 70km durch die Berge gehen, mehrmals auf ca. 500m hoch und wieder runter auf fast Meereshöhe, und das bei 35-40°C!
Der Grenzübergang Malko Tarnovo befindet sich nämlich nicht wie man erwarten würde an der Küste, sondern in einer niedrigen Gebirgskette. Die Gegend wird immer abgelegener, immer weniger Autos kommen vorbei. Dafür soll es viele Ruinen und heilige Stätten der Thraker geben, es gibt Museen und von der EU finanzierte Tourismusunterstützung.
Eigentlich gäbe es an der Küste einen Grenübergang, doch Niemand weiss wie offiziell der ist, oder ob man auch nur mit dem Rad durchkommen könnte. Im Internet findet man bloss zwei mehrere Jahre alte Berichte, und die sind wahrscheinlich zu Fuss durchgekommen.
Dafür finde ich kaum einen Ort, wo ich Wasser kaufen könnte. Als ich dann zum Mittagessen ein schönes Hotel (wohl eben für die Kulturtouris in der Gegend) finde, beschliesse ich, meinen 10l-Wassersack zu füllen, obwohl damit die Anstiege noch mühsamer werden. Die Entscheidung ist vernünftig, ich habe an diesem Tag wahscheinlich gegen 10l getrunken! Wenn ich noch wild zelten müssen hätte, wäre ich froh gewesen um die übrigen paar liter die ich noch hatte.

Doch zuerst musste ich noch über die Grenze. Dort wurde ich sehr freundlich empfangen, und auf die Frage, ob ich mich noch irgendwo offiziell anmelden müsse (wie zum Beispiel in Serbien) lacht der Beamte freundlich, meint das sei gerade geschehen, die Türken seien eben Gastfreundlich und heisst mich nochmals herzlichst willkommen!
Danach geht es weiters über eine schöne, breite Strasse, die sich gerade im Bau befindet. Die Türken wollen sich offenbar besser an die EU anbinden. Überall begrüssen einem die Bauarbeiter freundlich und winken einem zu.
Am Abend finde ich dann ein Restaurant, und obwohl wir kaum ein gemeinsames Wort kennen, verstehen die Besitzer sofort, dass ich Zelten und Essen will. Das Essen ist dann auch fantastisch, es gibt viel Gemüse, diverse  Saucen, Brot und Köfce, gebratene Fleischbällchen. In Bulgarien war das Essen immer etwas schwierig, weil die Bulgaren scheinbar glauben, als Tourist wolle man möglichst viel Fleisch und Fritten. (Aargh, das hilft einem Radler gar nichts!)

Istanbul gegen den Wind

Am nächsten Tag geht es mit dem Ziel Istanbul im Kopf weiters. Am Anfang läufts super. Einmal weist mich ein Bauarbeiter, der eigentlich dafür zuständig ist nur Baustellenfahrzeuge auf die neugebaute Hauptstrasse zu lassen in eben diese. Mit Handzeichen macht er mir verständlich, dass diese viel flacher und deshalb für mich besser geeignet sei.

Gegen den Nachmittag wird es allerdings sehr heiss. Bis dann plötzlich Wind aufkommt. Hätte ich mir den bloss nie gewünscht! Er bläst aus Nordosten schön mir entgegen und die Böen bringen mich seitwärts aus dem Gleichgewicht! Meist kein Problem, aber manchmal ist der Pannenstreifen auf der Zweispurigen Strasse weg, und ich muss auf die Strasse selbst. Der Verkehr nimmt auch zu, und so wird es langsam etwas gefährlich. Die Türken fahren nämlich nicht aggressiv, aber Abstand halten ist nicht ihr Ding, und so muss ich wirklich aufpassen, dass ich nicht durch den Wind auf die Strasse getrieben werde.

Am Abend komme  ich nach Corlu und suche ein Hotel. Als ich an einem Taxistand nachfrage, werde ich zuerst einmal zum Cai (Kleiner Türkischer bitterer und von den meisten sehr stark gesüsster Tee) eingeladen. Danach wird ein Taxichauffeur aufgetrieben, der etwas Deutsch kann und mich ausfragt. Am Schluss begleitet mich der Chef persönlich zu einem Hotel, welches auch mein Rad aufnehmen kann. Dort wird dem Besitzer gleich alles erklärt! Cool!

Istanbul

In der Nacht gewitterts, die Temperaturen fallen noch einmal deutlich, doch der Wind ist am nächsten Tag immer noch gleich mühsam, und der Verkehr nimmt immer noch zu.
Als ich schon ziemlich geschafft nach 80km gegen den Wind kurz vor der Stadtgrenze von Istanbul ein Cola kaufen will, werde ich auf Englisch angesprochen, ob ich nicht eventuell mein Rad auf einen Kleinlaster aufladen will, um in die Stadt zu kommen. O ja, noch so gerne.

Als ich dann sehe über welche Strassen ich müssen hätte bin ich echt froh dass ich ja gesagt habe. Sie haben pro Richtung drei Spuren, das Tempo beträt gute 80km/h und der Pannenstreifen existiert oft gar nicht. Zudem kommen immer wieder zweispurige Einfahrten in die Strasse, und Spurwechsel, Bremsen und Beschleunigen geht extrem schnell hier.

Im Zentrum wird das Rad ausgeladen und zuerst gibts wieder eine Einladung zum Cai. Dann noch einen, und danach verabschiede ich mich vom Fahrer. Dessen Kollege Emre bringt mich noch nach Taksim und lädt mich unterwegs noch zum Essen ein. Er hat nur wenig Arbeit, doch seine Gastfreundlichkeit ist so gross, dass er mich trotzdem nicht bezahlen lässt. Danach erklärt er mir noch den Weg zu meinem Host und gibt mir seine Handynummer für alle Fälle.

Nun gehts per Bike mitten durch die Rush Hour Istanbuls nach 4. Levent, der Gegend in der meine Hosts Yasin und Tülin wohnen. Trotz abartigem Verkehr eigentlich kein Problem, denn der Verkehr rollt nicht schneller als 30km/h, also genau Radtempo. Ein paar mal muss ich aber gleich mehrere Spuren nach links wechseln, das ist dann doch etwas mulmig, eingeklemmt zwischen Autos, Taxis, Minibussen, grossen Bussen, Lastwagen, verrückten Motorradfahrern... Links drei Spuren, rechts drei Spuren und ich weiss nur, dass ich ungefähr auf die Mitte zielen muss, denn wieviele Spueren die Strasse wirklich hat sehe ich nicht... Die Anzahl Spuren ist flexibel, rechts  aussen halten die Taxis und Minibusse oder wird auch mit Warnblinker parkiert, bei Bushaltestellen halten auch die grossen Busse, manchmal mehrere nebeneinander. Um diese herum schlängeln sich die linken Spuren, und jede noch so kleine Lücke wird ausgenützt oder per Hupe zur Freigabe aufgefordert. Allgemein wird eher gehupt als gebremst! Unfälle oder Spuren davon habe ich dennoch kaum gesehen. Hier wird einfach mit allem gerechnet, und demenstprechen ist auch Jeder auf alles gefasst.

In 4. Levent angekommen gehts weiter mit Yasins Orientierungssystem: Er hat mir per SMS einfach eine Liste von Orten gegeben, die ich erfragen soll. Zuerst grössere Plätze, dann Supermärkte, kleine Läden und am Schluss seine Strasse. Die meisten Leute können kein Englisch oder Deutsch in seinem Quartier, aber alle können mir erklären wo ich durchmuss.
Angekommen werde ich von den Yasin und Tülin freundlich empfangen und kriege gliech noch ein Nachtessen. Das Rad wird auf den Balkon gestellt und ist sicher dort!

Visasuche und Routenplanung

Am nächsten Tag will ich auf das iranische Konsulat in Istanbul. Leider gibt man mir dort nur eine Internetadresse (Iranianvisa.com), ich solle mich dort anmelden. Leider habe ich schon diverse Berichte darüber gelesen, und die sind doch recht durchzogen, von langen Fristen und hohen Kosten ist die Rede, und wenn das Visum abgelehnt wird, ist sowieso alles Geld weg.
Ich informiere mich dann im Starbucks (free Wireless) weiters und erfahre, dass ich nicht der Erste bin, dems so ging. In Istanbul kriegt man das Iranvisa nicht mehr direkt, wie es noch vor einem Jahr der Fall war. Ich lese aber auch, dass dies in Trabzon noch der Fall sein soll. Leider erreiche ich den Botschafter dort telefonisch nicht, und muss mir jetzt überlegen, ob ich das Experiment mit Iranianvisa wagen soll oder nicht. Gleichzeitig werden aber auch die Nachrichten über den Iran immer heftiger, die Wahlproteste und die Gegenmassnahmen werden scheinbar immer heftiger. Naja, es geht ja noch eine Zeit bis ich dort bin falls ich mein Visa kriege.
Gleichzeitig komme ich Online noch in Kontakt mit Heinz (rzenheinz.spaces.live.com), der früher als ich aus Österreich gestartet ist und von seinem Mitradler relativ früh verlassen wurde. Er war bereits im Iran und der Türkei, aber sein Turkmenistan-Visum wurde abgelehnt. Deshalb ist er jetzt in die Türkei zurückgekehrt zu Freunden die er unterwegs gefunden hat. Wir haben beschlossen, spätestens in einer Woche von Eregli aus in Richtung Kappadokien zu starten.
Heinz will danach per Flieger weiters nach Indien. Scheinbar nicht einmal wahnsinnig teuer. Da ich schon recht spät bin für den Pamirhighway überlege ich mir bei Sympathie mit ihm mitzugehen, obwohl Indien selbst nicht mein absoluter Favorit für eine Radreise ist (Es hat dort einfach ein bisschen viel Leute für meinen Geschmack... )

Sightseeing and Couchsurfing

Nachdem ich mich ein bisschen von meiner Visadepression erholt habe, schaue ich mir noch den grossen Basar, beziehungsweise die Strassen rundherum, welche viel interessanter sind an. Die Läden sind, wohl typisch Asitisch, angeordnet nach Art. In einer Ecke nur Metallwarenhändler, in einer anderen nur Taschenhändler. Das ist auch in anderen Quartieren in der Stadt so. Auch der Sultan Ahmed Moschee (Auf deutsch häufig blaue Moschee genannt) statte ich einen Besuch ab. Es ist gerade Freitagsgebet angesagt und so muss ich ziemlich lange warten, bis ich mit einer Horde von anderen Touris hineindarf. Der Anblick lohnt sich trotzdem!
Am nächsten Tag gehts dann mit Yasin, und zwei weiteren Gästen, Lars und Pontus aus Schweden in den Hamam, dem türkischen Bad. Nach unseren Begriffen ist dies eigentlich eher eine Sauna, es gibt keine Schwimmbecken darin. (Ausser in Tourihamams, doch unseres wurde bereits 1640 erbaut und mehr oder weniger so belassen)
Am Abend stossen dann noch andere dazu, und wir ziehen etwas den Metalpubs und der Beach nach und trinken ein paar Bier. Ich bin der einzige Nicht-Metaller ;-) (Nicht dass ich das nicht zum Teil auch mögen würde, aber Metal ist nicht mein Leben)
Am nächsten Morgen tischt uns Yasin eine Spezialität seiner Mutter auf: Brainsalad. Jep, Schafshirn, kalt mit Zwiebeln. Ist übrigens gar nicht so schlecht. Auch rohes Schaffleisch mit viel Gewürz konnte ich bereits kosten, schmeckt grandios.

An diesem Tag mache ich mich noch etwas auf die Ersatzteilsuche für mein Rad. Eine Tasche finde ich, sie ist zwar ohne Rollverschluss aber doch ziemlich wasserabweisen und eher zu gross als zu klein, aber mit vielen Spannriemen. Mal schauen wie sie sich macht, aber endlich muss ich all den Kleinkrempel den ich während dem Tag brauche (Essen vor allem) nicht mehr mühsam irgendwo hinbinden sondern kann das einfach in die Tasche werfen. Auch Schloss, Stadtrucksack, Kochzeug Schlafsack und vieles mehr finden darin Platz.
Reifen fand ich leider noch nicht, sollte aber welche kriegen. Sonst muss ich dann halt Heinz bemühen, er könnte sie in Istanbul bestellen ;-) (Ich hoffe auch in meiner Grösse...)