Istanbul und Rundtour durch die Türkei

In Istanbul muss ich nach einigen Tagen bei Yasin und Tülin zu anderen Hosts wechseln. Ich habe mich für Barans Wohnung entschieden. Ich bin über Couchsurfing auf dessen Mitbewohner Tom gestossen, er ist Deutscher und studiert in Istanbul. Besonders interessiert hat mich, dass er selbst schon einige Radtouren gemacht hat.

Die Wohnung ist eine Art soziales Experiment, sie wurde von den beiden in ein Open House umgewandelt. Jeder ist willkommen, ein dauerndes kommen und gehen herrscht, manche bleiben nur für ein paar Stunden, bevor sie einen Flug haben, Andere bleiben gleich Monatelang, so wie Koen, ein Holländer, der mit dem Landrover nach Inden fährt oder Tom selbst, der sich als Erasmus-Student in der Türkei eingeschrieben hat. Koen ist Koch und er will in Istanbul auf sein Iranvisa warte. Währenddessen verwöhnt er alle kulinarisch. Viele werden auch auf der Strasse beim Musikmachen oder einfach weil sie sympathisch aussehen gefunden, viele sind wie ich über Couchsurfing oder Hospitalityclub reingeschneit.
Als ich ankomme, ist die Wohnung voller Hippies, die nach der letzten Rainbow-Party noch ein paar Tage in Istanbul verbringen. Insgesamt schlafen diesmal 15 Gäste in der Wohnung, die ausser den Leuten und deren Gepäck mit einem ganzen Drumset, diversen Verstärkern und anderen Instrumenten ausgestattet ist.
Wirklich erholsam ist der Aufenthalt dort nicht, dafür aber sehr interessant, ich lerne einen Haufen Leute kennen und kriege auch Unterstützung beim Radladen suchen und Infos über Iran, Irak, Kyrgistan etc. So soll die Situation für Iranreisende weiterhin Problemlos sein, solange man sich von den Demos selbst fernhält und natürlich keinen Alkohol trinkt, aber das gilt ja immer...
Auch der Nordirak ist sicher und sei sehr schön und die Einreise einfach. Wer weiss? Und Severin kommt nach einem Kyrgistan-Aufenthalt als Leiter für eine Steinerschulklasse zurück und geht bald auf den Flieger. Da er Schweizer ist, kann ich ihm gleich noch ein paar Sachen die nach Hause müssen mitgeben.

Treffen im Radladen

Tom erklärt mir noch den Weg zu einem guten Radladen in Istanbul, dem Trek-Bicycles im Tunel-Quartier (siehe Links), dort finde ich dann auch tatsächlich jemanden, der mir Ersatzreifen auftreiben kann. Auch bei meinen anderen kleineren Problemen wird mir geholfen. Und ich treffe das erste Mal seit längerem wieder auf Reiseradler: Chistoph und Katharina sind ebenfalls unterwegs nach Asien.

Später komme ich dort noch mit einer Istanbulerin ins Gespräch - es ist Ebru, die mich schon einmal per Mail angefragt hat, ob ich in Istanbul einen Host brauche. Die Welt ist wirklich klein ;-) Sie sucht gerade die letzten Ausrüstungsteile für ihre Radtour in die Balkanländer und möglicherweise weiters nach Europa zusammen und probiert, ein Schengen-Visa zu kriegen (Was scheinbar noch schwieriger ist als für uns ein Visum in den Iran oder nach Turkmenistan!)
Falls das mit den Visa funktioniert, wird Ebru an der Ecotopia-Biketour durch die Balkanländer teilnehmen. Klingt auf jeden Fall interessant, nicht?

Zu Zweit mit wenig Gepäck

Nach einer Woche in Istanbul nehme ich einen Bus nach Alapli. Das funktioniert wunderbar, viele Türken reisen im Bus, und obwohl ich erst 10 Minuten vor Abfahrt bei meinem Bus eintreffe, wird das Rad ohne Probleme ins riesige Gepäckabteil reingerollt.

Dummerweise habe ich das mit der Ankunftszeit falsch verstanden und keine Telefonnummer oder Adresse von Heinz, der mich in Alapli erwartet. So übernachte ich dann eben im Hotel. Am nächsten Tag funktioniert  die Kontaktaufnahme und ich werde von Heinz und Zehra aufgenommen. Wir gehen an diesem Tag Campieren mit deren Freunden. Einige haben Muscheln getaucht, und ich komme das erste Mal in Genuss von Muschelsuppe. Die schmeckt aber echt gut! Nur mein Verdauungstrakt hat am nächsten Morgen ein paar Problemchen damit...

Heinz und ich entscheiden, zusammen nach Kapadokien zu fahren. Eventuell können wir dann auch noch weiters an die Westküste und in einem grossen Bogen zurück nach Alapli. Da wir so oder so zurückkehren werden, lasse ich alles im Moment nicht notwendige - das heisst vorallem Wintersachen und Dinge von denen ich genug Reserve habe - bei Zehra.

Falls wir uns nach der Zeit immer noch sympathisch sind, werden wir vielleicht in den Iran weitersfahren und von dort oder der Türkei einen Flug oder eine Fähre nach Nordindien nehmen. Die Pamir-Highwa-Ppläne begrabe ich im Moment aber, da ich dafür schon ziemlich spät bin und keine Lust auf zu viel Kälte habe. Falls ich mich umentscheiden würde, müsste ich ziemlich viel zwischen dem Pamir und der Westtürkei mit dem Bus überbrücken, oder eben frieren.