Syrien

Abschied von der Türkei


Einige Tage nachdem wir Kapadokien verlassen haben kommen wir endlich ans Mittelmeer. Es entspricht allerdings in keiner Hinsicht unseren Erwartungen: Es gibt keine schönen Strände sondern massenhaft Industrie. Schwerindustrie wie Häfen und Kohleumschlagplätze an denen alles voller schwarzem Staub ist... Wenn doch einmal ein schöner Strand vorhanden wäre gehört er dem Militär. Aber egal, das Wetter ist eh nicht besonders gut, und in Iskenderun gehen wir deshalb gleich ins Hotel.
Am nächsten Tag gehts dann über einen Pass, der mit ca. 700müM nicht hoch ist. Aber der Anstieg beginnt eben von Meereshöhe! Mit starkem Rückenwind erweist er sich aber als sehr angenehm zu fahren ;-) Naja, auf jeden Fall bis wir ganz oben von extremen Windböen erfasst werden. Eine wirft mich regelrecht an die Leitplanke, ein Lastwagen vor uns verliert fast seine Abdeckplane.
 

Willkommen in Syrien

Vor der Syrischen Grenze übernachten wir noch  einmal im Hotel, um einigermassen gepflegt - sprich ausnahmsweise einmal geduscht - ein Visum an der Grenze beantragen zu können. An der Grenze läuft dann alles wie im Internet bereits an mehreren Orten prognostiziert: EU-Buerger und Schweizer bezahlen zuerst eine Gebuehr - Heinz musste 40$ bezahlen, fuer mich warens CHF60, wieso auch immer?!?

Danach ging die Warterei los, Niemand sagte einem richtig was, wieso und wohin, aber wir fanden dann durch Beobachten heraus, dass man den Pass auf den Schreibtisch eines hohen Militأ¤rs legen und warten musste. Dieser stellte dann in gebrochenem Englisch einige Fragen, lief ein paarmal mit unseren Paessen irgendwohin und telefonierte schliesslich - vermutlich mit einem Buero in Damaskus. Es heisst, dass alle Einreisenden auf Vorstrafen in Syrien ueberprueft werden. Nach ungefaehr zwei Stunden war alles erledigt und nachdem wir noch einmal von einem Zollbeamten kurz gemustert wurden oeffnete man uns das Tor.

Syrien selbst  war trockener als die von uns bisher bereisten tuerkischen Gebiete, und die Leute zumindest etwas zurueckhaltender mit Nachrufen (Hello, Hello und irgendwelche Einladungen, denen man nicht allen Folge leisten kann, weil man sonst nicht mehr vorwaertskaeme...)
Auch sonst ist man meist sehr freundlich und beschenkt einen Fremden gerne. Zum Beispiel als ich einen Platten am Vorderrad hatte. Also ab unters naechste Dach (Schatten!) - uups, das ist ja eine Reifenwerkstatt. Ich erklaerte, dass ich das schon selbst manage - klar, kein Problem. Ich fing an, ein freundlicher Reifenflicker bot an den Reifen zur Lochsuche aufzupumpen. Und kam mit dem geflickten Reifen zurueck. Gratis, versteht sich. Leider hatte er das Loch nicht getroffen, eine Stunde spaeter konnte ich das Loch dann doch sebst flicken...
Andererseits gibt es auch unfreundliche Leute, wie den Fruchthaendler, dem wir vier Bananen abkaufen wollte. Nachdem er begriffen hatte, dass wir nicht vier Kilo wollten schmiss er alles zurueck, winkte uns veraechtlich weg und beachtete uns nicht mehr! Und auch steinewerfenden Kindern begegneten wir das erste Mal :-(
Irgendwann bemerkte ich, dass man mit einer schweizer oder einer tuerkischen SIM nicht in Syrien telefonieren kann. (Wahrscheinlich will Syrien die Telefonate kontrollieren, auch das Internet, zum Beispiel Couchsurfing.com ist zensiert... ) Nach etwas herumfragen bei einem Gemuese- und Fruchthaendler wurde ich von Ahmed zu einem befreundeten Telefonhaendler namens Mohamed eskortiert. Er hatte sein Geschaeft mitten in einem Wohnhaus, selbst haette ich es nie gefunden. Ausserdem sprach er passabel englisch, er hatte sechs Jahre in Holland gelebt. Nach einem langen Prozedere mit telefonischer Nachfrage ueber die Preise eines Telefonates in die Schweiz, Passkopie und Angabe aller persoenlichen Daten inklusive Daten der Eltern und einem Fingerabdruck war ich dann im Besitz einer Syrischen SIM. Diese funktionierte dafuer sofort! Und ausserdem erhielt ich sie zum Freundschaftspreis und inklusive einem Apfel, Tee und Kaffe...

Uebernachtet haben wir in Syrien dann wie meist wild. Wir suchten uns jeweils eine Ruine oder einen stehengebliebenen Neubau und stellten das Zelt etwas versteckt und windgeschuetzt auf oder uebernachteten gleich ohne. In dieser Jahreszeit gibts hier sowieso keine Niederschlaege, es schaut schon fast wie eine Wueste aus. Es ist auch sehr warm und trocken hier, hoechstens Morgens um vier Uhr koennte man eine Decke brauchen. Moskitos gibts wegen der Trockenheit auch pracktisch nicht, allenfalls Fliegen. Und im Gegensatz zu anderen Regionen stachen die hier auch nicht.

Wasser gewinnt einen immer hoeheren Stellenwert, doch bisher erhielten wir immer genug. Nur einmal wurde es langsam etwas knapp, doch wir erhielten dann von einem Reifenflicker Wasser aus seinem eigenen Vorratsbehaelter geschoepft! Aber meist findet man eine Tankstelle mit extra gekuehltem Trinkwasser.

Damaskus

In Damaskus kamen wir nach laengerer Suche im Al Rabie Hostel unter, das uns fuer 350 Syrische Pfund, also etwa 10$ in einem Massenschlag uebernachten laesst und im geschlossenen Hinterhof Platz fuer unsere Raeder hat. Das coole am Massenschlag ist der Ort: Die Betten sind direkt auf dem Dach, darueber ist eine Zeltplane aufgespannt. Am Tag ist es darunter zu heiss zum schlafen, aber in der Nacht streicht ein angenehm kuehler Wind durch den "Schlafsaal"

Im Moment beschäftigen wir uns mit Sightseeing in Damaskus. Am interessantesten sind fuer mich aber nicht die touristischen Ziele, sondern die Leute die man auf der Strasse beobachten kann und die uralten Gassen. Damaskus sei die aelteste, ohne Unterbruch bewohnte Stadt der Welt! Ausserdem findet man diverse Leckereien in der Stadt, arabische Suessigkeiten und Minipizzas fuer nur 5 Syrische Pfund, das sind ca. 17 Rappen. Naja, auf jeden Fall wenn man nicht zum erstbesten Haendler geht, sonst kostet der Spass mindestens doppelt so viel und ist im Geschmack sogar eher schlechter. Dies gilt hier sowieso fuer fast alles, man muss immer zuerst nach dem Preis fragen, die Unterschiede betragen manchmal Faktoren!
Wenn man etwas abseits der touristischen Pfade ist, sind die Leute auch sehr freundlich. Ein mobiler Erdnussroester (Er hat den Ofen auf einem Rad installiert) schenkt jedem von uns ein Paeckchen Nuesse, und danach kriegen wir von seinem Kollegen gleich noch einen Cai (Tee).