Libanon und dann zurück mit Abstecher nach Zypern

Mühsame syrische Grenzen

Beirut, die Hauptstadt des Libanon ist nur etwas über 100km von Damaskus entfernt. Unterwegs gilt es, wieder einmal eine Grenze zu überqueren. Und das heisst, zuerst wieder einmal die chaotischen und unfreundlichen syrischen Beamten zu ertragen.

Am Zoll angekommen wenden wir uns an den ersten Beamten, der im Häuschen für normale Fahrzeuge sitzt. Der weiss offensichtlich nicht, wie mit uns zu verfahren ist und schickt uns weiter zur Grenzkontrolle. Die Beamten dort schicken uns zurück, aber zum Beamten in einem nur arabisch angeschriebenen Häuschen - etwas fehle. Der schickt uns wieder zu den anderen in der Grenzkontrolle, hin und her. Später sagt einer, wir sollen einfach durch die Grenzkontrolle, und kommt gleich mit um das zu erwirken.
Nun sollte noch unser Pass ausgestempelt werden, bevor wir das Land verlassen dürfen. Nach langem und drängligem Anstehen erfahren wir, dass uns eine Steuerkarte fehlt - in Syrien bezahlt man 20$ Steuern fürs ausreisen...

Also zurück zum allerersten Zollhäuschen, Problem erklärt und siehe da, plötzlich gehts. Nun wird auch der Pass ausgestempelt und wir dürfen zum libanesischen Zoll fahren. Dort ist man dann freundlich und zuvorkommend, verlangt gerade einmal 25$ und nachdem wir noch ein kleines Identitätsformular ausgefüllt haben knallt der Stempel in den Pass - Welcome to Libanon!

Auch später - wir müssen wieder über Syrien zurück in die Türkei - schaffen es die syrischen Beamten nicht, sich in einem besseren Licht zu zeigen. Uns werden die falschen Visa verkauft - 15 Tage anstatt 3 Tage - was uns noch einmal ziemlich teuer kommt, und die darauffolgende Ausreise gestaltet sich noch mühsamer. Das Prozedere geht so lange, dass viele Leute offen anfangen die Beamten zu schmieren!

Libanon

Nachdem wir über die syrisch-libanesische Grenze fahren, wird sofort der Unterschied zum diktatorisch regierten Syrien sichtbar: Im Libanon herrscht Luxus, überall kleinere und gegen Beirut zu auch immer grössere und luxuriösere Supermärkte, nicht schlechter ausgestattet als unsere. Überall Banken und Kreditinstitute. Und ein Verkehr, dass es die Hölle ist. Jeder drängelt, keiner mag warten. Die Leute sind freundlich und helfen gerne, wie im ganzen nahen und mittleren Osten. Die Frauen sind hier meist relativ frei, und auch ungezwungen, sprich europäisch angezogen. Sie fahren Auto und sind scheinbar in jeder Beziehung emanzipiert. Wobei dies wahrscheinlich nur für die christlichen und nicht extem muslimischen Gebiete gilt, von der Hisbollah kontrollierte Regionen haben wir leider nicht besucht.

Beirut

Als wir nach Beirut kommen verstärkt sich dieser Eindruck von Luxus noch. Jeder fährt wenn möglich ein Deutsches Auto, und diese werden immer moderner und grösser. Jeder probiert, noch mehr zu protzen und prunken. Auch die Stadt selbst macht einen solchen Eindruck, das liegt aber sicher auch daran, dass nach dem Libanonkrieg vieles neu Aufgebaut werden musste. Vereinzelt findet man aber noch Häuser mit Einschusslöchern. Ansonsten sieht man vorallem an der starken Polizei- und Militärpräsenz, dass der Krieg noch nicht ganz vergessen ist. An fast jeder Kreuzung steht mindestens ein Polizist mit Sturmgewehr, in der Downtown wimmelt es geradezu davon. Nicht einmal mit einem Fahrrad wird man dort eingelassen! Auch auf den Strassen gibt es immer wieder Checkpoints. Mit den Rädern kommt man bei diesen aber problemlos durch.

In der Downtown selbst ist der Snobismus am grössten, mich stösst das richtig ab. Jeder scheint nur auf seinen Eindruck bedacht zu sein, und versucht mit möglichst teueren Klamotten aufzufallen. Man sieht den Leuten diese Art von Egoismus und Dekadenz richtig an. Auch die Preise in der Downtown orientieren sich an solchen Leuten. Wir suchen das Weite...
In der Nacht sind wir nicht all zu gross unterwegs, aber es fällt uns trotzdem auf, dass Beirut wirklich eine Partystadt zu sein scheint. All dies passt auch zusammen, in Beirut will man nach den Kriegen einfach leben und die Sau rauslassen, ohne über Folgen für Gesundheit und Geldbeutel nachzudenken.

 

Schlafplätze

Leider sind wir sowohl in Damaskus, Beirut und später auch Latakia wieder einmal auf Hostels angewiesen. Obwohl wir beide Member in Hospitalityclub, Couchsurfing und Warmshowers (siehe Links) sind, will uns Niemand aufnehmen. Viele Leute antworten auf unsere Anfragen nicht einmal, oder sie sind gerade bereit, uns ein bisschen der Stadt zu zeigen. So geht das Wohnen in den Städten dann doch ziemlich ins Geld, und für mich enttäuschender, so richtiger Kontakt zu Einheimischen kommt so nicht zu stande.

Kurz nach Beirut haben wir mit einer Gastgeberin vereinbart, zwei Nächte bei Ihr bleiben zu können. Das musste zuerst verdient sein, sie wohnt in den Bergen, die direkt an der Küste beginnen. Und zwar auf etwa 1000müM. Wir brauchen fast drei Stunden, und schwitzen enorm. Es ist heiss, und vorallem feucht, so extrem, dass wir regelrecht anfangen zu tropfen wie frisch geduscht! Die grosse Enttäuschung folgt, als wir fast am Ziel angelangt sind: Ein SMS unserer Gastgeberin, ihre Mutter sei im Spital und sie könne uns nicht hosten :-((


Erst in Zypern hatten wir dann eine Gastgeberin, die uns in Nikosia für einige Tage aufnahm, die erste überhaupt seit ich mit Heinz reiste. Vipar zeigte uns dann am Abend auch noch die Stadt und nahm uns am Abend darauf mit zu ihrern Hash House Harriern, eine ziemlich schräge Angelegenheit für uns :-) Die Hasher sind eine Art nicht ganz ernst gemeinte Sportgruppe. Zuerst wird gerannt, dann wird die Zeit mit Trinkspielen und Essen vertrieben, gesungen und wir "Virgins" werden gezwungen, uns mit einem Witz, Tanz, Lied oder Strip vorzustellen...

Weiterreise nach Zypern

Nach Beirut fahren wir der Küste nach wieder nach Syrien. Kurz nach Tripolis kommen wir zur Grenze und wollen dort übernachten, um das erwartete Dreitages-Visum voll auszuschöpfen. Das auf unserer Karte eingezeichnete Hotel existiert nicht. Doch wir dürfen neben der Polizeistation übernachten und werden sogar bewacht! Wenn die kleinen neugierigen Jungs kommen und unsere Räder befummeln, ist sofort ein Polizist zu Stelle und vertreibt sie wieder mit Jallah! Jallah!- Rufen ;-))

Betrügerische, gefährliche Busfahrt

In Latakia, einer syrischen Hafenstadt verbringen wir noch einmal eine kurze Pause in einem Hostel, und dann gehts zurück in die Türkei. Dort nehmen wir von Antakia nach Tasucu einen Bus. Am Abend vor der Abfahrt gehen wir in den Otogar - türkisch für Busbahnhof. Dort werden wir sofort von einem Vertreter einer Busgesellschaft abgefangen, der uns für überhöhte Preise Tickets verkaufen will. Leider stellen wir fest, dass wir ohne dessen Vermittlung auch nicht weiterkommen. Nach längerem Handeln - Heinz ist hier richtig zäh - haben wir einen Preis erreicht, der etwa unseren Erfahrungen entspricht. Inklusive dem Versprechen, dass wir keinen Gepäckzuschlag für die Räder bezahlen müssen.

Am Morgen kommt dann die Überraschung: Wir stehen wie abgemacht eine Stunde vor Abfahrt bereit, aber der Bus kommt zu spät an. Ein Typ der bei den Preisverhandlungen vom Vorabend dabei war, macht uns klar dass wir einen Gepäckzuschlag zu bezahlen haben! So ein Arsch! Er hatte uns am Abend genau verstanden und jetzt verlangt er doch etwas!
Überhaupt macht der Typ alle nervös und als der Bus endlich ankommt wollen wir einladen, aber er sagt wir müssten zuerst bezahlen. Alle Leute vom Abend wieder aufgetrieben, und Niemand will mehr etwas von kein Gepäckzuschlag wissen... Nach weiteren Verhandlungen ist wertvolle Zeit verstrichen, wir bezahlen den halben Gepäckzuschlag mit Zähneknirschen und versuchen die Räder zu verladen. Meins ist leider zu hoch, und ich muss den Lenker nach unten stellen. Das geht etwas langsam, und dieser Betrüger wird ungeduldig und reisst am Lenker rum, nicht gerade eine Hilfe! Dann reisst mir den Imbusschlüssel einfach aus der Hand! Ich beginne zu kochen, er schreit mich an - unglaublich! Am Schluss liegt mein Rad im Gepäckabteil, und ich werde forciert einzusteigen. Als wir ankommen, liegen natürlich Taschen auf meinem Rad. Ein Glück dass ich eine Rohloff-Schaltung habe, so ist der grösste Schaden ein gerissenes Schaumstoffpolster am Lenker.

Ansonsten verläuft die Fahrt ruhig, aber die Busgesellschaft scheint nicht gerade das zu sein was wir uns gewohnt sind. Der Service ist verglichen miserabel, und wir beschliessen nie mehr mit diesen Leuten mitzufahren. Das Beste  folgt dann am Schluss: Endlich in Tasucu angekommen steigen wir aus. Der Junge für alles im Bus (türkische Busse sind mit Service-Personal ausgestattet, die Servieren, Koffer tragen etc.) und wir holen die Räder aus dem Gepäckabteil - und plötzlich beginnt der Bus loszufahren! Rufen brachte nichts, erst durch Klopfen auf die Türe stoppte die Penntüte von Chauffeur!

Fähre nach Zypern

In Tasucu nehmen wir dann die Schnellfähre nach Girne in dem von der Türkei besetzten Nordteil Zyperns. Die Fähre gibt Heinz fast den Rest! Der Katamaran ist so schnell, dass er richtig über die Wellen hüpft, viele Leute erbrechen. Mir macht das am Anfang Spass, doch selbst ich merke mit der Zeit meinen Magen!

Weitere Pläne

Nach Zypern werden wir per Bus - aber eben mit einer anderen Gesellschaft! - weitersreisen nach Ankara. Dort werden wir das indische Visum beantragen und dann wieder per Bus nach Alapli zurückfahren, wo unsere Sachen von Zehra aufbewahrt werden. Dorthin sind auch einige Ersatzteile für mich adressiert und dort werden wir unsere Räder flugtauglich machen, bevor wir ab Istanbul nach Delhi fliegen werden. In Delhi wollen wir unsere Räder dann einstellen und ein paar Tage mit Zehra per Bus durch Indien ziehen, bevor wir den Weg nach Nepal unter die Räder nehmen. Aber dies ist alles Zukunftsmusik, zuerst müssen wir ans Festland zurück und das Indische Visum kriegen.