Warten auf Indien

Jep, ich habe endlich wieder einmal gleichzeitig Zeit und einen Internetanschluss. Das nutze ich jetzt, um euch endlich wieder einmal auf dem Laufenden zu halten ;-)

Da wir bis zum Abflugtermin nach Indien noch ziemlich viel Zeit übrig hatten, beschlossen Heinz und ich noch einen Abstecher nach Zypern zu machen. Nach der übelkeitserregenden Fahrt mit der Schnellfähre (nach GPS 57km/h!) von Tasucu (Türkei) nach Girne (Türkisch-Zypriotische Republik, also der von den Türken besetzte Nordteil Zyperns) wollten wir eigentlich auf einem Camping übernachten. Ich plante zwei, drei Ruhetage einzulegen, während Heinz einige Hardcore-Radeltage um die Insel machen wollte - so sind die Menschen verschieden ;-)

Daraus wurde dann aber nichts, es war nirgends ein Campingplatz auffindbar, weder dort wo sie auf meiner (Auto-) Karte eingezeichnet waren noch sonstwo. Auch die Touri-Info sagte uns am nächsten Tag dasselbe. Nur "Piknik-Alanis" gäbe es, also Piknik -Plätze. Dort könnte man theoretisch auch übernachten. Einer wollte uns aber mit 20 Türkischen Lira für einen Platz ohne Dusche oder Trinkwasser abzocken. Wir schlugen das Angebot dann aus...
An einem Ort fanden wir sogar so etwas wie ein Camp. Aber der Besitzer meinte, dass wir schon mindestens 20 Leute sein müssten, sonst lohne sich die Sache nicht ?!?!?

Zum Glück lud uns dann Vipar zu sich ein. Wir hatten uns über Couchsurfing bei ihr angemeldet, allerdings gedacht, dass wir erst einige Tage später kommen würden. So kamen wir dann auch noch in den südlichen Teil der Insel, in die Republik Zypern. Vipar zeigte uns die Stadt und erzählte vieles zur Geschichte und zur aktuellen, sehr vertrackten Situation der gespaltenen Republik. Auch ihre Hash House Harriers stellte sie uns vor ;-) Eine ziemlich schräge Art, sich die Zeit zu vertreiben, mit Rennen, Singen von anstössigen Liedchen und natürlich Trinken und Essen.

Ankara, Indien-Visum

Nach dem sehr erholsamen Aufenthalt in Nikosia mussten wir langsam an unser Indien-Visum denken. Also per Fähre zurück (Diesmal wars irgendwie nicht so übelkeitserregend...) und den Nightbus nach Ankara gebucht. Dieser spuckte uns dann ohne Probleme und  pünktlich morgens um sechs Uhr aus. Jetzt hatten wir bloss noch die Sorge, wo wir übernachten sollten. Wir hatten frühzeitig Couchsurfer aus Ankara angefragt fyr einen Schlafplatz, und auch zwei Zusagen gekriegt. Doch leider meldeten sich beide seit etwa drei Tagen nicht mehr. Während dem Tag löste sich dieses Problem aber, und wir kriegten einen Platz am Stadtrand, etwa 25km vom Zentrum entfernt. Dieser Wermutstropfen wurde aber mehr als ausgeglichen durch die freundlichen Gastgeber und die schöne Wohnung, sogar mit separaten Zimmern für Heinz und mich.

Am ersten Tag in Ankara fuhren wir auch sofort in die indische Botschaft, um unsere Visa zu beantragen. Dort war man freundlich und hilfsbereit, wenn auch nicht extrem schnell. Nur wurden wir weniger bevorzugt als die Türken, diese konnten ihr Visa jeweils am selben Abend wieder abholen, wir mussten eine Woche warten. Da uns beschieden wurde, dass auch einer alleine beide Pässe abholen könne, beschlossen wir uns aufzuspalten. Heinz fuhr nach Alapli (rekordverdächtigen 290km in 16h, der Freak! Das werde ich wohl nie machen oder auch nur wollen ;-) während ich in Ankara auf die Visa wartete.

Etwas Angst kriegte ich dann, als ich von der Botschaft noch einmal einen Anruf erhielt, in dem sie mehr Details wissen wollten. Wir hatten ja keinen Rückflug vorzeigen können, sondern nur eine Bestätigung unserer Bank, dass wir genügend Geld für eine Rückreise ins Heimatland besitzen. Und wir hatten Zweifach-Entry beantragt. Dies kam den Beamten etwas ungewöhnlich vor. Doch am Freitag klebte dann brav ein Visa im Pass, und es wurde sogar auf Multiple-Entry verbessert!

Tuz Gölü

Da ich unter der Woche viel Zeit hatte, kam ich auch mit anderen Leuten von Couchsurfing in Kontakt. Einige Leute aus Ankara - und solche die sich gerade dort aufhielten - wollten einen nahegelegenen Salzsee besuchen. Eigentlich wollten Heinz und ich auf der Rückreise dort vorbei, bevor wir uns für die Busfahrt entschieden haben. Also beschloss ich, die zweite Chance für einen Besuch doch wahrzunehmen. Schlussendlich waren wir sechs Leute mit zwei Autos. An einem Samstag Morgen fuhren wir früh los. Beim Salzsee angekommen mussten wir zuerst einen Zugang finden. Bei einer ersten Salzabbaufirma wurde der uns verweigert, sie verwiesen uns aber zu einer anderen. Dort wurden wir dann sehr freundlich empfangen. Diese Firma hatte ein kleines Museum und einen Bus, mit dem wir auf ihre Abbaugebiete gefahren wurden.

Doch irgendwie wollten diese Leute uns nicht recht glauben, dass wir wirklich auf dem Tuz Gölü campieren wollten. Das habe  noch nie Jemand gemacht, und überhaupt sei es viel zu weit bis auf die Inseln, und zu Fuss, und das Wasser... (Typisch Türken meinten unsere türkischen Begleiter ;-) Wenn noch keiner etwas gemacht habe, glauben alle es gehe nicht ... )

Wir gingen dann mit drei 1.5l-Flaschen pro Person und unserer Campingausrüstung los. Nach drei Stunden Fussmarsch auf dem absolut flachen See kamen wir ohne weitere Probleme auf der Insel an. Dieses Erlebnis war für mich speziell, weil die Optik irgendwie eine totale EInsamkeit erzeugt, und es unmöglich wird, die Distanzen einzuschätzen. Die Insel wollte nicht näher kommen, obwohl wir die ganze Zeit marschierten, und plötzlich war sie da. Aber schaut selbst in der Gallerie!

Nach einem schönen Sonnenuntergang (Und einem Haufen Fotos) gabs dann noch ein Piknik. Vor dem Schlafengehen kamen wir ausserdem in den Genuss der Milchstrasse und vielen Sternschnuppen (Es war gerade Perseidenzeit). Es lag sicher auch am Salzsee, dass die Luft so klar war. Auch die Lichter der Zivilisation waren mindestens 15km entfernt. Ein richtig perfekter Abend.

Am nächsten Morgen gings dann zu Fuss wieder zurück. Dort wurden wir selbstverständlich noch zum Cai (Türkischer Schwarztee) eingeladen, bevor wir wieder nach Ankara fuhren.

Zurück ans Schwarze Meer

Dann wurde es Zeit für mich, wieder Richtung Schwarzes Meer zu fahren. Ich entschied mich, einmal in der Nacht zu fahren. Während der Hitze im Libanon und in Syrien hatten wir mehrmals daran gedacht, den Plan aber nie umgesetzt. Also diesmal halt in der Zentraltürkei und alleine...

Die Fahr verlief angenehm, es wurde aber mit ca. 15 Grad ungewohnt kühl, und am Morgen war ich dann richtig froh, als ich wieder Sonnenschein abkriegte! Das mit dem Schlafen am Tag funktionierte dann weniger gut, die Umstellung brauchte wohl länger. Dafür schlief ich die nächste Nacht dann wie ein Stein an einem schönen, nach Thymian duftenden Plätzchen.

Auf den letzten 100km vor dem schwarzen Meer wurde es dann wieder richtig hügelig. So wurde es dann ziemlich spät, bis ich bei Zehra ankam. Es war richtig schön, wieder an einem bereits bekannten Plätchen zu sein. Bereits sind sind wir am Pläne schmieden fürs Wochenende (Wieder einmal Campen am Schwarzen Meer ;-). Und meine Ersatzteile sind auch alle angekommen, wenn auch manchmal mit krasser Verspätung. Also immer früh genug bestellen! Heinz hatte mir auch noch neue Reifen in einem Fahrradgeschäft bestellt. Ich steige um auf Schwalbe Marathon Super ATB, mit den bisherigen Marathon und Marathon XR hatte ich einfach zu viele Platten. (Oder ich hatte zu wenig nach Scherben und Dornen gesucht). Heinz fährt die selben Reifen, und hatte nach 10'000km noch keinen einzigen Platten. Da nehme ich doch ein halbes kg mehrgewicht pro Rad in kauf!

Nächste Woche gehts dann per Bus am Mittwoch Morgen früh nach Istanbul auf den Flughafen, wo wir unsere Räder und unser Gepäck flugbereit verpacken.  In der nächsten Nacht, um zwei Uhr, fliegen wir dann nach Sharjia und von dort weiters nach Delhi. Wir sind etwas nervös, ob alles funktioneren wird mit dem Fliegen.