Vom Bodensee zum Arlberg

Bei wechselhaftem Wetter inklusive Sturmwarnung auf dem Bodensee ging es dann weiter nach Altenrhein und St. Margrethen. Altenrhein ist übrigens sehr empfehlenswert für ein Velotürchen ins Grüne! Weil das Wetter nicht besonders trocken aussah, suchte ich mir dann einen möglichst trockenen Platz - und fand ihn unter einer Brücke über den Rhein ;-)
Es war dort etwas sandig, aber eben sehr trocken und so stellte ich kein Zelt auf. In der Nacht war es, abgesehen von ein paar Enten und ab und zu einem Auto auf der Brücke ruhig. Aber dafür sehr kalt, am Morgen zeigte das Thermometer etwa 5°C an. Nicht gerade angenehm aus dem Schlafsack zu kriechen...

Auf nach Österreich

3. Mai 2009

Nach Kaffe und Frühstück unter der Brücke gings dann weiter dem Rhein entlang bis nach Feldkirch und von dort nach Bludenz. Ich fiel dort richtig auf mit meinem schwer beladenen Vehikel! Die Meisten begnügten sich zwar mit neugierigen oder ungläubigen Blicken, doch einige sprachen mich an und fragten mich nach meinem Ziel. Als ich dann erklärte, zuerst zu meiner Schwester nach Kärnten (Ein Lächeln, klar ein bisschen freaky aber machbar - ginge natürlich auch mit weniger Gepäck...) und dann der Donau entlang ans schwarze Meer (Das Lächeln erstarrte und wich dann einer ungläubigen Miene). Von meinen entfernteren Zielen konnte ich dann vor lauter Fragen gar nichts mehr erzählen ;-) Ein Radfahrer und ein scheinbar weitergereister Spaziergänger fragten mich allerdings gleich, ob ich um die Welt wolle? Nun ja, interessant wärs ja, aber irgendwie doch etwas zu extrem für mich.

Nach Bludenz begann der Arlbergpass. Am Anfang aber sehr angenehm, nicht zu starke Steigungen und immer entlang dem Alfenz, einem kleinen Gebirgsfluss. Häufig führte der schöne Radweg durch lichte Wälder und blühende Waldwiesen. Leider wurde die Idylle aber durch die naheliegende Arlberg-Autostrasse immer wieder gestört. Nachdem ich mit Dalaas etwa die Hälfte des Passes geschafft hatte, stellte ich mein Zelt auf einem Camping auf und genoss eine warme Dusche - eine wahre Wohltat nach so einem Tag!

Ein Blick auf die Karte zeigte dann leider, dass der anstrengendere Teil des Passes erst noch bevorstand: Dalaas befindet sich auf 830müM, die Passhöhe, welche nur etwa 15km entfernt ist aber auf 1780müM! Während ich dies schreibe steht mir diese Tortur noch bevor. Ich hoffe das kommt gut und lege mich nun schlafen, um noch einige Kräftereserven anzusammeln.

Der Arlbergpass

Meine erste richtige Tourenfahrer-Prüfung
4. Mai 2009

Während der Nacht fing es an zu regnen. Shit. Das hielt dann den ganzen Tag an. Ich ging trotzdem los Richtung Pass, was sollte ich schon alleine auf dem kleinen Campingplatz - etwa den ganzen Tag duschen? Der Anfang ging dann relativ gut. Doch es wurde immer steiler, oder ich immer müder... Mein Futterbedarf stieg stetig an. Schokolade, Feigen, Getreidestängel - mindestens alle halbe Stunde musste ich was essen.

Richtig gemein wurde es dann, als der offizielle Veloweg an einem schattigen Platz neben dem inzwischen sehr kleinen Alfenz versperrt war durch eine 20cm dicke Schneeschicht. Umkehren! Nach einem Stück Hauptstrasse gins dann aber wieder auf dem Radweg weiter.

Irgendwann führte der dann der Radweg auf die Hauptstrasse und war ab dato dann kaum mehr ausgeschildert. Als er dann auch noch in einen 1.5km langen Tunnel mit einem 40cm Gehweg führte, fühlte ich mich mit meinem breiten Tourenbike etwas verarscht... Ich bemerkte dann neben dem Tunnel einen Weg (Fahrverbot!) der in die richtige Richtung zu führen schien. Besser falsch gefahren als tot - also riskierte ich es und gewann, die Strecke war etwa gleich schwierig wie der Tunnel, aber viel schöner.

Als ich dann nach Klösterle kam und glaubte, es geschafft zu haben aber trotzdem noch auf die Karte schaute erschrak ich aber gehörig: Bis jetzt war alles harmlos! Ich hatte auf wenige Kilometer noch einmal 400 Höhenmeter zu bewältigen. Egal, ich wollte ja nicht umkehren, also weiters.

Es war dann wirklich ziemlich hart, alle 2-300m ein Stop, Puls auf normale Werte runterkriegen und wieder in die Pedale steigen... Zu allem Überdruss wechselte der Regen noch zu Schnee und dicker Nebel zog auf. Zwischendurch Autofahrer die mich anfeuerten oder freundlich zuwinkten, andere die mich nur wie einen Verrückten ansstarrten - vielleicht haben sie ja recht? Doch irgendwann war ich oben, komplett durchnässt und nach einem Stopp zum Umziehen nach kurzer Zeit völlig durchfroren.

Jetzt in Winterkleider gehüllt machte ich mich an die Abfahrt - 13% Gefälle. Nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass ich langsamer machen sollte. Meine Scheibenbremsen begannen zu überhitzen. Stinken, unscharfer Druckpunkt und Zischen auf der Scheibe zeigten an dass es genug war. Zum Glück hatte ich den Bremsen von Anfang an nicht ganz getraut und immer nur eine davon richtig belastet...

Etwas langsamer fuhr ich dann den ganzen Pass hinunter bis Landeck, wo ich auf den Inn stosse. Dort finde ich auf einem geschlossen Campingplatz einen freien Wohnwagen vom Raftingtourenleiter, der an der Rezeption steht. Seinen persönlichen WLAN-Key kriege ich noch als Zugabe, und das für 10Euro. Endlich ausruhen und essen. Das gibts dann in der benachbarten Pizzaria, und trotz der Fessorgien unterwegs mag ich eine wirklich grosse grosse Pizza und einen riesigen grossen gemischten Salat.