Nordindien und Nepal per Rad

Nach etwa einem Monat ohne nennenswerte Leistungen per Rad entschliessen Heinz und ich uns, Delhi zu verlassen und in Richtung Nepal zu fahren. Am frühen Morgen verabschieden wir uns von Kaustubh, unserem super Host hier und von seinem Freund Arwin, der ebenfalls hier einquartiert wurde. Ich habe noch etwas gemischte Gefühle, als ich endlich wieder in die Pedale trete und mein Rad dem Sonnenaufgang entgegen Reite.

Per Rad unterwegs auf dem Indischen Subkontinent

Da wir sehr früh unterwegs sind, kommen wir noch vor der Rush Hour aus der Stadt raus. Wir fahren jetzt das erste Mal ausserhalb Delhis Rad auf dem indischen Subkontinent. Der Verkehr ist - wie erwartet und aus Delhi schon bekannt - laut und auf den ersten Blick chaotisch. Auf dem Highway bewegt sich ALLES! Die Regeln sind simpel: Vortritt hat der Stärkere, das heisst zuerst Busse, dann Lastwagen, dann in folgender Reihenfolge: Autos, Motorräder, Otorikschas (Die Dreirädrigen Taxis), Traktoren, Fuhrwerke (Ochsen, Esel, Pferde...), Rikschas, Fahrräder und zu aller Letzt Fussgänger und Hunde.

Wer Hupt hat mehr Vortritt und wer mehr Vortritt hat hupt mehr! Busse hupen extrem viel und extrem laut, und meist ganze Melodien. Wenn so ein Kamikaze angerast kommt heisst es auf die Seite gehen, wenns nicht anders geht auch in den Strassengraben, denn er rechnet damit dass du ihn hörst und weg bist bis er kommt!

Auch Staub und Gestank sind auf den hiesigen Strassen allgegenwärtig, und ich kriege Halsweh und Husten.

Sobald wir irgendwo anhalten, scharen sich ein Menge Leute um einen. Jeder der ein bisschen Englisch kann beginnt fragen nach dem Namen, Wohin, Woher und Wieso zu stellen. Manchmal ist das ganze ziemlich lustig, vorallem auch weil die Leute trotz allem wirklich freundlich sind, aber zwischendurch wirkt das auch ziemlich ermüdend...

Übernachtet wird in Hotels, die wir am Strassenrand finden. Der Standard ist verglichen zu Europa sehr tief, aber für Reisende wie uns eigentlich immer akzeptabel. Das heisst, das Bett ist ähnlich weich wie meine Campingmatratze und einigermassen sauber, das Bad hat eine Dusche und eine asiatische Toilette. Moskitonetz und Ventilator sind weitere, sehr wichtige Ausstattungselemente. Die Preise sind indisch, das heisst für den eben beschriebenen "Luxus" zahlt man höchstens fünf Franken fürs Zimmer.

Grenze nach Nepal

Bald kommen wir zur nepalesischen Grenze. Man merkt zuerst dass die Strassen weniger frequentiert und kleiner werden. Dann kommt ein Abzweiger in eine kleine Nebenstrasse und ein Hinweis, dass es nur noch ein paar Kilometer nach Nepal sind. Die Strasse führt in einen Wald, und plötzlich kommt eine Baustelle, dahinter eine zerstörte Brücke. Daneben fahren ein paar Busse durchs Wasser. Mist!

Doch schon kommt ein hilfsbereiter Inder daher, und führt uns über einen Trampelpfad durch den Wald - und zu einer Eisenbahnbrücke. Mit einem etwas mulmigen Gefühl hieven wir unsere Räder auf den Steg zwischen den Schienen und machen uns auf den Weg über den Fluss. Immerhin muss man sagen, dass indische Züge nur knapp leiser sind als Flugzeuge, denn sie haben am meisten Vortrittsrecht und drücken das durch konstantes, wahnsinnig lautes Hupen aus. Man hört sie schon lange bevor sie auch nur in die Nähe kommen.

Drüben angekommen gelange wir bald zu einem Kraftwerksdamm, der irgendwie auch Teil der Grenze zu sein scheint. Auf jeden Fall hats bereits einige offiziell aussehende Offices dort. Wir dürfen jedoch noch weiters, den Ausreisestempel gebe es auf der anderen Seite. Aber zuerst müssen noch diverse Fahrzeuge - von Rikschas bis zu Lastwagen - über den schmalen Damm und wir warten. Dann wird der Verkehr für unsere Seite freigegeben und es geht weiters. Problemlos kriegen wir nach Ausfüllen eines Formulars unseren Ausreisestempel und dürfen passieren.

Auf der nepalesischen Seite übersehen wir zuerst fast das Immigration Office. Wir werden dort sehr freundlich empfangen, und auch hier kriegen wir problemlos unser Visa on Arrival. Für einen Monat bezahlen wir beide 40$. Dies ist das erste Visa, bei dem man den Obulus nicht von der Nationalität abhängig macht. Symphatisch! Geldwechseln können wir ebenfalls gleich an der Grenze.

In Mahendranagar, dem nächsten Ort, übernachten wir in einem Hotel. Der Standard entspricht etwa dem in Indien, die Preise sind noch etwas tiefer. In der Nacht macht sich leider diverses Getier über uns und unsere Vorräte her.

Nach etwa einem Monat ohne nennenswerte Leistungen per Rad entschliessen Heinz und ich uns, Delhi zu verlassen und in Richtung Nepal zu fahren. Am frühen Morgen verabschieden wir uns von Kaustubh, unserem super Host hier und von seinem Freund Arwin, der ebenfalls hier einquartiert wurde. Ich habe noch etwas gemischte Gefühle, als ich endlich wieder in die Pedale trete und mein Rad dem Sonnenaufgang entgegen Reite.

Radfahren in Nepal

Am Morgen fahren wir los, nun zum ersten Mal richtig in Nepal. Und wir werden aufs positivste überrascht. Noch nie auf unserer Tour hatten wir eine so perfekte Radfahrerstrecke gefunden. Es herrschte zwar reger Verkehr, aber alle Leute fuhren Rad. Ganz offensichtlich vermögen die Westnepalesi keine teureren Verkehrsmittel! Nur selten forderte ein Bus oder Jeep sein Vortrittsrecht, dann allerdings gleich rabiat, wie wirs aus Indien gewohnt waren...

Dazu kam die wunderschöne ländliche Landschaft mit Reisfeldern, kleinen Hüttendörfern und subtropischen Wäldern, immer wieder unterbrochen von Bächen und Flüssen. Leider stieg das Quecksilber gegen Mittag ziemlich stark an, und zusammen mit der hohen Luftfeuchtigkeit wurde das Radfahren am Nachmittag unangenehm. Wettgemacht wurde das durch die extrem freundlichen und fröhlichen Leute - ein totaler Kontrast zur Armut in der diese Leben!

In vielen Gegenden Nepals ist die Infrastruktur - abgesehen von der Strasse - sehr schlecht. Es gibt häufig Stromausfälle, fliessend Wasser ist eine seltenheit, Telefon und Mobilfunknetz sind nicht vorhanden oder ebenfalls von Ausfällen geplagt. Internet sehen wir für mehrere hundert Kilometer keins mehr.

Die Übernachtungsgelegenheiten werden immer spartanischer, einmal übernachten wir in einem Dorf, in dem es überhaupt keinen Stromanschluss mehr gibt, zum Waschen dient wie gewohnt ein Brunnen, die Wände bestehen aus geflochtenen und mit Lehm überstrichenen Ästen, die Betten sind geknüpfte Seile in einem Holzrahmen. Und besonders krass: Als wir nach einer Toilette fragen zeigen die Leute auf den Wald, "Dort drüben" ... Dafür sind die Bewohner um so freundlicher zu uns, man fühlt sich hier wirklich als Gast ;-)

Butwal - unsere erste Nepalesische Stadt

Bald gelangen wir nach Butwal und machen hier eine zweitägige Pause. Hier ist die Welt wieder anders, die Leute sind zum Teil reicher, andere sind dafür noch ärmer. Wie schon in Delhi könne wir hier Leute beobachten, die schlimmer als ein Strassenhund leben müssen. Hier trifft man auch wieder Bettler, auf dem Lande gab es das schlichtweg nicht! Ansonsten hinterlässt die Stadt einen sehr indischen Eindruck. Sie ist laut und eher dreckig. Leider regnet es hier auch immer wieder, dabei hatten wir gehofft, dem Monsun endlich entronnen zu sein...

Hier gibts dafür zum ersten Mal seit der Grenze Internet, Bankomaten (naja, so einen oder zwei haben wir gesehen, aber wehe du suchst einen...) und nachdem ich mindestens 10 Shops abgeklappert habe finde ich sogar einen, der mir eine nepalesische SIM verkauft. Alle anderen haben behauptet, dass ich dazu einen nepalesischen Führerschein oder sonst ein nepalesisches Ausweispapier brauche...

Das Internet ist allerdings brutal langsam, deshalb wirds wohl eine Weile dauern, bis ich alle Bilder in der Gallerie habe... Einfach immer wieder mal reinschauen ;-)