Zurück vom Everest

Wir sind nach über drei Wochen Trekking zurück in Kathmandu! Der Treck ist natürlich auch der Grund, weshalb ich diesen Blog so lange vernachlässigt habe. Sorry dafür!

Kathmandu - Jiri

Nachdem mir Sebastien etwas mehr von seinen Zielen erzählt hat, hats mich gepackt: Weshalb nicht einmal etwas anderes machen, und zum Everest Base Camp trekken? Gesagt getan, nachdem wir in Kathmandu das Nötigste gekauft haben gings los.

Zuerst per Fahrrad nach Jiri. Dort sollte anscheinend das Ende der befahrbaren Strasse sein. Doch bevor wir dieses erreichen sollten, hatten wir noch einen ziemlich harten Weg vor uns. Auf immer schmaler werdenden Strassen gings über etliche, endlos scheinende und wahnsinnig steile Hügel. Jedes Mal, wenn schon ein Schimmer Hoffnung auftauchte, das Ende einer Steigung erreicht zu haben tauchte eine neue - noch höhere - Hügelkuppe dahinter auf. Und wenns dann einmal nach unten ging war die Strasse so voller Schlaglöcher, dass man froh war wieder zu einer Steigung zu kommen ...

Doch Schlussendlich erreichten wir Jiri, und wir suchten uns ein Hotel, in dem wir die Räder für die nächsten paar Wochen unterbringen konnten. Die Räder wurden schlussendlich in einem kleinen, im Hinterhof versteckten Unterstand untergebracht.

Jiri - Lukla oder einmal zu Fuss unterwegs

Am frühen Morgen gings los. Beladen mit etwa 20kg pro Person. Jeder hatte Kleider, Schlafsack, Trinken und etwas Essen dabei. Ausserdem natürlich die Fotoausrüstung, welche auch schnell auf einige Kilogramm kommt. Das alles hatten wir in einen Billigrucksack gepackt, den wir in Thamel - das Touristenquartier in Kathmandu - eingekauft hatten. Wir waren etwas skeptisch, ob die Dinger halten würden, sie waren ganz offensichtlich gefälschte Markenprodukte. Ich hatte für den Fall des Falles mein Nähzeug eingepackt...

Gleich am Anfang stellten wir fest, dass das Roads End sich nicht mehr in Jiri befindet. Ein ziemlich frisch aussender Feldweg zog sich weiters nach Jivalaya. Allerdings war er voller grosser Steine und Schlaglöcher, und wir waren froh, zu Fuss unterwegs zu sein! Aber auch die "Wanderwege" waren hier nicht ganz ohne. Meist einfach festgetretener Schlamm (zum Glück kein Regen!) oder mehr oder weniger lose Steine, manchmal endlose Steintreppen mit unterschiedlich hohen Tritten. Zusätzlich zu den nicht so guten Wegen bot die Strecke Jiri - Lukla ganz anständige Steigungen und richtig steile Abstiege. An einigen Tagen machten wir wohl über 3000 Höhenmeter ... Wegweiser waren die Ausnahme, aber nach ersten Verwirrungen war eigentlich klar, dass man bei Kreuzungen nur dem breiteren Weg folgen muss. Im Zweifelsfalle fand sich immer Jemand zum Fragen. Ein Guide ist definitiv unnötiger Luxus, auch wenn die meisten Touristen einen dabei haben ...

Am Abend machte sich dann jeweils die Anstrengung bemerkbar. Speziell an den ersten Tagen merkte ich, wie sich mein Körper an die neuen Belastungen gewöhnte. Verspannungen in den Schultern, blaue Flecken an den Hüften vom Versuch die Schultern zu entlasten, weiche Knie ... Leider war auch mein Billig-Rucksack nicht gerade bequem - und eben ziemlich schwer beladen. So gings dann am Abend recht früh ins Bett. Dieses befand sich jeweils in einer Trekker-Lodge. Das ist ein Restaurant mit Zimmer oder - von uns bevorzugt - einem Dormitory, also einem Massenlager.

Geld und fehlendes Verständnis

Normalerweise kriegt man die Zimmer extrem günstig (CHF 1 - 2), ist aber verpflichtet im hauseigenen Restaurant zu essen. Das ist am Anfang des Treks auch noch günstig und wird dann aber extrem teuer mit bis zu CHF 7 für einen Teller. Das ist für Nepalesische Verhältnisse abartig! Für Westler natürlich meist nicht so ein grosses Problem. Leider habe ich den Eindruck gewonnen, dass das gedankenlose Bezahlen (und sogar noch achtloses stehenlassen der Hälfte des Überteuerten Essens, das einige Luxus-Touris vorführen) zu Verachtung, Unfreundlichkeit und gegenseitigem Neid unter den Nepalesi führt. Auch bettelnde Kinder sind keine Seltenheit in solchen Gegenden.

Ebenfalls unverständlich finde ich, wenn Touristen, meist in grossen Herden auftretend, kein bisschen Mitgefühl für ihre Porter zeigen. Natürlich ist in erster Linie die Trekkingorganisation für ihre Porter verantwortlich. Aber diese versuchen nach schönem westlichem Vorbild ihren Gewinn zu maximieren. Das führt in einem Drittweltland wie Nepal direkt zur Ausnützung der Schwachen! Viele Porter sind mit absolut ungesunder Beladung unterwegs, häufig tragen sie Gewichte, die offensichtlich grösser als das Körpergewicht der Träger selbst ist. Das alles auf dem Kopf. Und der Tageslohn scheint auf den ersten Blick zwar anständig zu sein, aber die Meisten haben nur in einer kurzen Saison Arbeit.

Bitte, liebe Trekker, euer Träger ist auch ein Mensch. Meist ein lieber dazu. Helft ihm! Reklamiert bei euerer Trekkingorganisation und sorgt dafür, dass euer Gepäck auf genug Träger verteilt wird. Oder nehmt einfach nur mit was ihr auch braucht... Denn mir ist aufgefallen, dass nur die Leute mit Träger viel dabei haben, die meisten aber einen einfacheren Trek gewählt haben als wir??!??! Übrigens verstehe ich auch nicht, weshalb man sich nicht komisch vorkommen kann. Da lässt man einen Menschen mit einem Status knapp über dem eines Sklaven das Gepäck den Berg hochtragen, selbst trägt man nur die Jacke und die Kamera???. Ganz speziell unverständlich finde ich, wenn man seine Kinder tragen lässt. Wenn sie noch nicht fähig sind, den Trek selbst zu machen, sollten man nicht mit ihnen Trekken gehen! (Auch aus Gesundheitlichen Gründen, 5000müM sind nicht ohne.)

Die Menschen

Extrem unterschiedliche Erfahrungen haben  wir mit den Leuten selbst gemacht. Einige sind gerade freundlich genug, einem den richtigen Weg zu zeigen. In einem Dorf wurden wir sogar von den Leuten ignoriert. Als wir bei einigen Läden nach Sojabohnen (extrudierte, entfettete Sojamasse, auch TVS oder Texturierte Sojamasse, ein super Proteinspender) fragten, wurden wir schlichtweg nicht beachtet. Keine Reaktion. Wir wussten nicht wieso. Ob wir die Leute verwirrten? Ob etwas spezielles vorgefallen war im Dorf? Ob wir irgendeine Anstandsregel verletzt haben? Keine Ahnung...

Andere Male wurden wir hingegen extrem herzlich empfangen. Egal ob wir als Kunde oder einfach als Passanten zu den Menschen kamen, viele waren offen, freundlich und probierten zum Teil mehr zu helfen als einem lieb war. Andere waren ehrlich neugierig und fragten einen über Herkunft und Familie aus, erzählten von sich und freuten sich über den Kontakt mit Fremden. Besonders beliebt bei den Nepalesi scheint übrigens die Schweiz zu sein. Jedes Mal ist die Reaktion auf die Erklärung dass ich aus der Schweiz komme ein: Ooohh, nice country! Das liegt teilweise an den Bollywoodfilmen, die gerne die Schweiz als Szenerie verwenden. Die Schweiz hat aber auch extrem viele Hilfsprojekte in Nepal. So wurde zum Beispiel der Bau von Hängebrücken von Schweizern initiert, und auch Sebastiens Ziel, das Nicole Niquille Hospital in Lukla ist ein Schweizer Produkt.

Unterwegs hat unser Zweierteam dann noch Zuwachs gekriegt. Mirjam, eine Zürcherin, die gerade ihre Ausbildung zur Lehrerin beendet hat, ist zu uns gestossen. Sie hatte Pech bei der Wahl ihres Porter-Guides. Diesen hatte sie auf Empfehlung einer Bekannten, die in Nepal wohnt, gewählt. Leider war die Bekannte schon seit Jahren nicht mehr mit diesem Guide auf Tour. Inzwischen war er gealtert, und langsam geworden. Schlussendlich hat sie alles ihr Gepäck selbst getragen, und war trotzdem schneller als ihr Guide, der ausserdem die Gegend nicht kannte ;-)

Mirjam entschloss sich dann schweren Herzens, ihrem Porter den Rückweg zu zahlen. Es ist schwierig die Leute nicht zu verletzen, speziell wenn man sich nicht so gut verständigen kann. Schlussendlich sah aber auch ihr Porter ein, dass dies die für alle beste Lösung ist. Und so wuchs die Mitgliederzahl unserer Gruppe auf Drei an.

Lukla und Mt. Everest

Nach einer rekordverdächtig kurzen Zeit von fünfeinhalb Tagen kamen wir in Lukla an. Lukla war ja das eigentliche Ziel von Sebastien. Mit einigen Monaten Verspätung - weil er nicht durch Tibet reisen durfte - kam er nun schlussendlich im Nicole-Niquille-Spital an.

Der Empfang war allerdings etwas unbeholfen. Niemand wusste so recht, was mit uns drei anzufangen wäre. Wir wurden erst in zwei Tagen erwartet. Sebastien hatte zwar geschrieben wann er anzukommen gedachte, aber offensichtlich hatte man ihm nicht geglaubt dass er so schnell sein könnte und das provisorisce Ankunftsdatum einfach zwei Tage verschoben ;-) Man zeigte uns dann das Spital und lud uns zu einem Tee ein. Das Spital selbst war übrigens sehr beeindruckend! Es ist blitzsauber und wirklich gut ausgestattet. Unter anderem verfügt es über eine eigene, ziemlich grosse Röntgenanlage, einen voll funktionstüchtigen Operatioinssaal, einen kleinen Dampfsterilisator und ein Labor. Auch ein eigener 15kW-Generator, der für einen grossteil der Anlagen ausreicht wenn das Dorfkraftwerk wieder einmal einen Ausfall hat, gehört zum Spital.

Nach der Führung wurde abgemacht, dass wir am nächsten Tag Trekken gehen, und Sebastien nach der Rückkehr noch einmal - und diesmal im gebührenden Rahmen - empfangen wird. So gings dann also ohne richtige Pause gleich am folgenden Morgen weiters. Und was für ein Gegensatz! Vor Lukla befanden wir uns auf kleinen Trampelpfaden für Porter, ab Lukla wanderten wir plötzlich auf einem Touristen-Highway. Bis zu drei Meter breit und aus festgefügten Steinen bestehend, mit perfekten Treppen ausgestattet. Und von hunderten und tausenden Touristen pro Tag begangen. Der Grund dafür ist der Flughafen von Lukla. Dutzende kleine Turboprop-Maschinen bringen jeden Tag einige hundert Touristen von Kathmandu nach Lukla und zurück!

So richtig gefallen hat uns das nicht, es blieb nur die Hoffnung, dass es sich bessern würde. Diese Hoffnung wurde mindestens dadurch genährt, dass ein Haufen dieser Touristen absolut unfähig schien, eine grössere Wanderung zurückzulegen, selbst in dem ihnen eigenen Schneckentempo ;-)

Spätestens die grossen Steigungen vor dem nächsten Touristenort - Namche Basar - haben diese Tourikategorie dann auch wirklich abgehalten. Obwohl mir Namche eigentlich gut gefällt, ist es immer noch extrem touristenüberlaufen. Eigentlich ist der Ort die Haupstadt des Sherpa-Volkes. Die Sherpas sind übrigens ein Volk, das vor ca. 600 Jahren aus Tibet nach Nepal eingewandert ist. Viele Sherpas verdingen sich zwar auch als Porter, aber nicht alle Porter sind Sherpas...

Die vielen Touristen haben aber auch Vorteile. Ich fand neue Einlagen für meine Schuhe, zu horrenden Preisen, aber ich weiss nicht wie weit ich mit den Alten noch gekommen wäre. Und ausserdem eine Bäckerei, die mir den leckersten Schokoladenkuchen seit meiner  Abreise verkauft hat! *hmmmmmmmmmmmmm* (Mit viel Schokoguss, warm und feucht, ein Traum!)

Ab Namche Basar sahen wir auch das erste Mal so richtig unser Ziel vor Augen. Das Wetter klarte auf, ab dann konnten wir jeden Tag gute Sicht auf die Berge geniessen. Regen hatten wir schon vorher keinen erwischt, aber nun wurde das Wetter richtig schön. Nur am Morgen und am Abend hatten wir Wolken, die vom Tal nach oben zogen.

Keine Ruhetage und wunderschöne Berge

Trotz AMS-Gefahr (Acute Mountain Sickness beziehungsweise Höhenkrankheit) entschlossen wir uns, keine Ruhetage einzulegen, solange kein Gruppenmitglied entsprechende Symptome zeigte. AMS kann, zu spät erkannt, tödlich enden. Solange man aber beim ersten Auftreten von Symptomen stoppt und bei starken Symptomen absteigt, ist das Risiko sehr gering. Und natürlich waren wir mit entsprechenden Notfallmedikamenten ausgestattet. Diese Taktik erlaubte uns, einiges schneller als die immer übervorsichtigen Touristengruppen unterwegs zu sein. Diese wollen schliesslich nicht einen Teil der Gruppe zurücklassen. Und unsere Taktik ging auch auf, Niemand von uns kriegte Symptome, abgesehen von leichten Wassermangel-Kopfschmerzen. Denn trinken muss man in grosser Höhe doppelt so viel.

In Dingboche übernachteten wir allerdings ein zweites Mal, nachdem  wir einen Abstecher ins Chukhung-Valley gemacht hatten. Dieser Abstecher gehörte zum Schönsten was wir auf dem ganzen Trek gesehen haben. Nachdem wir einen Aussichtshügel etwas abseits vom Weg gefunden hatten, konnten wir eine perfekte Rundumsicht geniessen. Glitzernde Gletscher in der Sonne, mächtige schwarze und schneebedeckte Gipfel vor einer wüstenartigen riesigigen Steinlandschaft, blauer Himmel und Wolken die alles umtanzten. Dies war einer der Momente, die einem einfach zeitlos erscheinen, unendlich lang und kurz zugleich...

Leider holte sich Mirjam am selben Abend noch eine Lebensmittelvergiftung oder etwas ähnliches. Vermutlich von einer nicht richtig gekochten heissen Schokolade. Eine Nacht Brechdurchfall war die Folge. Glücklicherweise erholte sie sich aber schnell, und so gingen wir trotzdem am nächsten Morgen weiters. Dies blieb dann auch das einzige solche Erlebnis auf unserem Trip. Unser Wasser bereiteten wir sonst einfach mit Micropur-Tabletten auf, und wir hatten nie Probleme damit. Das einzige Problem war die Kälte. Theoretisch sollte man bei grösserer Höhe ja mehr Trinken, aber gleichzeitig wurde die Luft und damit unser Trinkwasser kälter. Wir versetzten es mithilfe von Multivamin- und Mineraltabletten mit etwas mehr Geschmack, so trinkt man automatisch mehr. Gleichzeitig glich das den Gemüsemangel im Essen aus.

Everest

Nur einige Tage später hatten wir es geschafft. Wir erreichten Gorak-Shep, die letzte Station vor dem Everest Base Camp und Khala Patthar. Khala Patthar heisst der Hügel, von dem aus die meisten Everest-Fotos geschossen werden. Am gleichen Tag trekkten wir noch zu beiden Orten, mussten aber feststellen, dass das Everest Base Camp nicht unbedingt einen Besuch wert ist. Nachdem man eine ziemliche Weile über Geröllhalden gestolpert war und schlussendlich noch über einen geröllbedeckten Gletscher, kam man zu einem Stein, auf dem Everest Base Camp 2000m steht. Das ist das sogenannte Fake Base Camp, die meisten stoppen hier, da der Weg weiters nur noch mühsamer wird. Auch wir entschlossen uns, nicht zum eigentlichen Base Camp weiters zu gehen, da dort im Moment nichts zu sehen ist, die Expeditionen starten im Mai...

Danach gingen wir zum Khala Patthar, dem Everest-Aussichtspunkt. Leider war die Abkürzung, die wir eingeschlagen hatten keine Erleichterung. Viele von unten nicht sichtbare Geröllhalden erschwerten uns den Weg. Gegen Abend, nach einem langen Aufstieg in der knappen Luft, kamen wir dann total erschöpft auf 5550müM an. Die letzten Meter waren so richtig anstrengend, einerseits weil wir die Höhe noch nicht so gewohnt waren, aber auch einfach weil wir schon den ganzen Tag unterwegs waren.

Leider war es auf dem Khala Patthar so windig, dass man die Aussicht kaum geniessen konnte. Erst etwas weiters unten, im Schutz von ein paar Steinen konnten wir unseren Erfolg richtig geniessen. Allerdings war es uns im schneidenden Wind auch so zu kalt, um auf den Sonnenuntergang zu warten, wie wir es eigentlich geplant hatten. Das bereuten wir dann aber fast. Der Everest ist nicht unbedingt ein schöner Berg, aber bei Sonnenuntergang ist er wegen seiner Höhe der letzte noch beleuchtete Gipfel, und er leuchtete knallrot-goldig! (Sebastien hat ein Foto davon auf seiner Page)

Ansonsten hielt uns aber nicht mehr viel dort oben. Die Preise waren seit Lukla stetig angestiegen, und die Portionsgrössen in den Restaurants im Gegenzug geschrumpft, die Lodges grösser und weniger komfortabel und in den Schlafräumen wurde es empfindlich kalt. Ich bereute richtig, dass ich mit einem Billigschlafsack unterwegs war (Ich hatte meinen guten Schlafsack in der Türkei nach Hause gesendet). Ich fror trotz zwei paar Socken, Innenschlafsack und langen Unterhosen. Das wäre mit jedem anständigen Schlafsack nicht geschehen. Dafür war es dann um so schöner, wenn man am Morgen die ersten Sonnenstrahlen auf der Haut spürte und wusste, dass man in kurzer Zeit wieder im TShirt draussen sein konnte.

Chola-Pass und Gokyo-Seen

Da wir gut im Zeitplan lagen, erkundigten wir uns auch, ob der Chola-Pass begehbar sei. Etwas rutschig, aber kein Problem war die normale Antwort. Also gings schnurstracks dorthin. Wir waren richtig angetan von diesem Pass. Riesige Felsen mussten überstiegen werden, und dann kamen wir auf ca. 5400müM zu einem Pfad über den Gletscher. Mirjam flippte fast aus, als sie den ersten Schnee berüren konnte ;-) Die Landschaft war einfach gewaltig, und mehrere andere Gletscher waren sichtbar.

Der Abstieg war dann nicht ganz so angenehm, extrem steil und an vielen Stellen mit gefrorenem und hartgepresstem Schnee bedeckt. Manche Steine waren mit einer schlecht sichtbaren Eisschicht bedeckt oder lose. Es war Vorsicht und Konzentration gefordert. Bevor wir nach Gokyo kamen, mussten wir dann noch einen weiteren Gletscher überqueren. Diesmal allerdings kein schöner Gletscher, sondern eine kilometerlange, mit riesigen Steinen bedeckte Marslandschaft. Schwierig zu begehen und etwas unheimlich, weil von den einen umgebenden Steilhängen immer wieder kleinere und grössere Steine herunterrutschten. Irgendwie erinnerte uns die Szenerie an Mordor aus Herr der Ringe. Man kriegte das Gefühl, als Mensch fehl am Platz zu sein.

Kaum hatten wir diesen Gletscher überquert, kamen wir zu einem absoluten Gegensatz, zum ersten Gokyo-See. Eine blau leuchtende Perle von See mit einem kleinen Dorf - Gokyo - am Ufer. Dort fanden wir dann die beste Lodge seit Lukla, die Cho Oyu View Lodge. Wir wurden eingeladen, gratis im beheizten(!) Ess-Saal zu schlafen. Dieser hatte Fenster, durch die man am Tage auf den wunderschöen See schauen konnte, und in der Nacht konnten wir so die Aussicht auf den fantastisch klaren Sternenhimmel geniessen. Auch sonst war man in dieser Lodge superfreundlich zu uns, wie wir es auf dem Trek noch kaum erlebt hatten!

Abstieg und Rückweg nach Kathmandu

Der Moment wo der Abstieg begann war gekommen. Seit wir im klaren Wetter im Hochgebirge unterwegs waren, war die Zeit nur so geflogen! Der Weg hinunter ging dann ziemlich schnell, war flach und meist fast steinlos, was wir als super Abwechslung empfanden. Unterwegs trafen wir zufällig auf Elise, eine Amerikanerin, die wir etwa einen Monat vorher in Pokhara kennengelernt hatten, das Leben ist manchmal überraschend :-)

Kurz darauf waren wir wieder in Namche Basar, wo ich natürlich noch einmal den super Schokoladen-Cake geniessen musste ;-) Danach gings weiters nach Lukla, wo wir uns in die Kongdhe View Lodge einquartierten. Auch diese Lodge ist absolut zu empfehlen. Extrem freundliche Besitzer, super Essen und fast immer noch ein gratis Nachschlag und freundliche Hilfe und Information.

Nun kriegte Sebastien auch einen gebührenden Empfang im Spital. Er war ja immerhin 15 Monate für die Stiftung unterwegs gewesen. Es gab ein Essen für ihn, und es wird eine Steintafel mit seinem Namen in eine Wand des Spitals eingesetzt werden.

Leider wurde es auch Zeit, uns von Mirjam zu trennen. Sie hatte sich wegen einem eingewachsenen Zehennagel und aus Zeitmangel entschieden, den Flieger ab Lukla zu nehmen. Wir hatten unsere Räder in Jiri. Diese zu holen hätte bedeutet, zwei volle Tage nacheinander Bus zu fahren auf einer der unangenehmsten Rüttelstrecken Nepals. Wir entschlossen uns deshalb, zurückzugehen. EIn Entschluss, den wir unterwegs noch ein paar Male bereuen sollten. Der Weg kam uns jetzt, als wir langsam erschöpft waren, sehr lang und noch steiler und steiniger vor als beim ersten Mal. Und über uns hörten wir immer wieder Flugzeuge, die die Strecke in wenigen Minuten zurücklegten...

Wir hatten beide das Ziel, möglichst schnell fertig zu werden mit dieser Tortur, und so schafften wir den Weg in rekordmässigen viereinhalb Tagen! (Normalerweise werden sieben bis neun Tage für diese Strecke veranschlagt...)

Zurück in Jiri warteten unsere Räder immer noch auf uns, jetzt durchwachsen mit einem Schlinggewächs ;-) Der Hotelbesitzer organisierte uns ausserdem einen Jeep nach Kathmandu. Dies war super für uns, da wir so genug Zeit hatten, um unsere Räder richtig auf dem Dach festzubinden. Ein Unfall mit meinem Rad auf dem Dach eines Fahrzeuges reicht schliesslich (Delhi) ...

Auf dem Weg nach Kathmandu - der auch im Jeep noch etwa sieben Stunden dauerte - hatten wir beide den Gedanken, dass wir wahnsinnig waren, diese Rüttelpiste mit dem Fahrrad zu machen! Doch irgendwie hatten wir es damals geschafft gehabt... Auf jeden Fall waren wir dann froh, als wir am Abend mit ganzen Rädern auf dem Dach in Kathmandu ankamen. Auch alle unsere dort eingelagerten Sachen befanden sich noch im Hotel. Wir beschlossen, erst einmal ein paar Tage lang nicht viel zu tun und uns zu entspannen ...