Tourimus und Inselleben

Ja, ich betaetige mich auch mal als richtiger Tourist. Von Bangkok aus halte ich Richtung Kueste, und dann dieser entlang Richtung Pattaya. Das Touristen- und vorallem Sextouristenziel. Ich will einen kurzen Blick auf dieses Suendenbabel werfen, und vorallem hoffe ich, dort auch noch ein Unterwassergehaeuse fuer meine Spiegelreflex zu finden.

Unterwegs nach Pattaya

Aus Bangkok raus und Richtung Kueste erweist sich als einfach. Neben dem grossen, bezahlten Highway gibts noch eine "kleinere" Strasse. Diese fuehrt schnurstracks Richtung Pattaya. Allerdings ist sie ziemlich befahren. Zwei bis vier Spuren pro Richtung, und gut gefuellt mit Verkehr.  Dieser ist allerdings doch einiges angenehmer als auf dem indischen Subkontinent. Kein Hupen (Endlich, ich befuerchtete schon einen bleibenden Gehoerschaden!) und auch einiges gesitteter. Es scheint, dass jeder etwas Ruecksicht nimmt, und ich sehe keine Aggressivitaet und auch kein Gedraengel - hier koennten sich die Europaer noch ein Scheibchen abschneiden! Ich bin mich noch immer gewohnt, nach Gehoer zu fahren. Hier warnt einen weder Motorengeraeusch noch hupen vor, deshalb muss ich mich im Verkehr manchmal sehr konzentrieren.

Die Strasse wird besser, sobald ich einige Dutzend Kilometer aus Bangkok raus bin. Allerdings ist es gluehend heiss, und ich bin froh immer wieder Strassenrestaurants und fliegende Haendler anzutreffen! Hier isst es sich ziemlich guenstig, allerdings nicht zu vergleichen mit den Preisen die ich zuletzt in Bangladsh bezahlte. Die Leute sind extrem herzlich und freuen sich ueberall wo ich vorbeikomme. Wenn ich dann noch zuruecklaechle, strahlen sie richtig. Fuer mich nach ueber einem Monat Bangladesh ungewohnt, dass das auch fuer die Frauen gilt ;-)

Im ersten groesseren Ort wo ich vor Eindunkeln uebernachten will, ist dann allerdings jeder freundlich, aber bestimmt: Hier gibts kein Hotel oder Guesthouse. Irgendwie kann ich das nicht ganz glauben. Denken alle, die lokalen Institutionen werden mir als "Touristen" nicht gerecht, oder wissen sie einfach nicht genug? Egal, ich bin eh noch nicht so weit gekommen, und dank Sonnenuntergang wirds ja etwas kuehler. Pause, Licht einschalten und Zusatzbeleuchtung auf den Helm - los gehts.

Vor Chon Buri kommt dann meine Hauptstrasse mit dem Highway zusammen, und meine gute Laune faengt an zu schwinden: Hier schaut es noch fast schlimmer aus, als in Bangkok selbst, bis zu fuenf Spuren pro Richtung auf der Hauptstrasse, und zwischen diesen eine Autobahn auf Stelzen. Der Verkehr hat es trotz Nachtzeit in sich. Als ich Anhalte, um ein Foto zu schiessen, vergeht nur eine Minute bis ein Rollerfahrer anhaelt und sich erkundigt, ob alles in Ordung sei. Und kurz darauf gleich noch ein zweiter! Meine Laune hebt sich gleich wieder!

In Chon Buri finden sich dann Hotels, allerdings nur solche ueber 20$ pro Nacht, eigentlich viel mehr als ich gerne zahlen wuerde. Normalerweise kann man in Thailand naemlich auch fuer 5$ ein Zimmer haben. Aber nachdem ich ueber 20km gefahren bin und ein halbes Dutzend Mototaxi-Fahrer zu fragen versucht habe (Ich glaube die hatten alle noch nie mit einem Touristen zu tun, der mehr als seine Zieladresse angab), gebe ich auf und nehme mir halt ein teures Hotel. Die warme Dusche, das grosse, weiche Bett und die herrliche Ruhe im Zimmer entschaedigen mich dann dafuer!

Pattaya

Pattaya selbst stellt sich etwa als das heraus was ich erwartet habe. Eine grosse Touristenstadt, die in vielleicht 30 Jahren von einem Fischerdoerfchen zu einer Grossstadt gewachsen ist. Auch hier weiss kaum Jemand, wo man ein billiges Zimmer findet. Man verweist mich dann an die Southern Road, wo ich eine Unterkunft fuer 16$ finde. Ich werde vom Besitzer gleich als erstes darueber aufgeklaert, dass ich gerne Frauen mit aufs Zimmer nehmen koenne, wie das so geht: Man kauft sie frei in einer Bar, der restliche Deal kann mit ihr abgemacht werden. Man solle nicht mehr als 300Baht fuer die Bar, und 700Baht fuer die Frau ausgeben. Ich erschrecke, das sind ja 30$!! Ausserdem soll man sich keine von der Strasse holen, diese seien bekannt dafuer, dass sie einem gleich noch ausrauben! Klingt auch gut...

Von diesen Frauen wimmelt es dann auch ueberall, alle Bars, Hotels und Nightclubs, die das Quartier fuellen sind voll davon. Ueberall Werbung fuer Massagen und aehnliches. Auch am Strand stehen sie Reihenweise. Und der Rest befindet sich im Schlepptau von Maennern, meist weiss, aelter und haeufig Tage- oder sogar Wochenweisen "gemietet". Daneben sieht man viele Ladyboys, halb geschlechtsumgewandelte Wesen, die haufig noch schoener als all die jungen Frauen sind. Viele erkennt man an nicht ganz stimmigen Koerperproportionen, und manche haben eine tiefe Stimme.

Mich zieht es bald aus diesem riesigen Bordell heraus. Ich streife durch Wohnquartiere, wo ich auf eine Grupppe Thais treffe, die ihr Feierabendbier geniessen. Hier fuehle ich mich viel Willkommener, werde nicht nur als abzuzockender Geldautomat betrachtet. Ich erfahre einiges ueber thailaendische Kultur, Essen und Arbeit. Viele Thais haben nur eine Woche Ferien im Jahr und muessen zwoelf Stunden pro Tag arbeiten, oder haben einen Zweitjob, zum Beispiel als Mototaxi-Fahrer. Haeufig haben die Leute auch keinen freien Tag, sie arbeiten immer! Andererseits ist an vielen Orten die Arbeit nicht so hart, es sind einfach mehr Leute als bei uns, um die gleiche Arbeit zu erledigen. Und es ist auch ueblich, dass man nicht heimgeht bevor der Boss die Firma verlassen hat. Das klingt irgendwie locker, muss aber dennoch hart sein, wenn man danach noch alles fuer seine Familie erledigen muss.

Die meisten sehen das Leben trotzdem positiv. Was soll man sich schon graemen, wenn mans nicht aendern kann. Und in Pattaya sei eh jeder nur fuer ein paar Jahre, Niemand wolle hier wohnen. Alle kommen aus den aermlicheren noerdlichen Provinzen, um ihr Geld zu verdienen.

Ein Unterwasserkamera-Gehaeuse finde ich leider trotz intensiver Suche nicht, und ich entscheide mich, einfach eine kleine Billigkamera mit einer halbwegs passenden Unterwassertuete zu kaufen.

Inselleben

Am naechsten Tag mache ich mich dann Richtung Osten auf. Ich habe mir zuerst ueberlegt, den grossen Strassen per Bus zu entfliehen. Soll scheinbar guenstig, und selbst mit Rad unkompliziert sein. Allerdings gibts nur staatliche Busse, diese sind nur in Thai angeschrieben. Schlimmer noch, er soll nur ungefaehr alle zwei Stunden oder so (?!?) auf der Hauptstrasse durchfahren. Man wartet irgendwo am Strassenrand und haelt ihn dann einfach an. Umsteigen haette ich nach irgendwie 50km auch noch muessen. Nach einer kurzen Ueberschlagsrechnung findeich, dass ich per Rad schneller sein koennte, mindestens wenn man noch einrechnet, dass ich einen Bus verpassen koennte.

Also auf per Strasse. Die Hauptstrasse erweist sich dann auch gar nicht mehr als weiters schlimm. Sie wird gegen Osten immer kleiner, hat aber fast durchgehend einen breiten Pannenstreifen fuer Rad- und Rollerfahrer. Man muss einzig ein bisschen aufpassen, weil ab und an ein Roller in der Gegenrichtung entgegenkommt, aber da bin ich mir aus Indien ja schon ganz anderes gewohnt... Die Leute sind immer noch freundlich, sie winken, laecheln und rufen mir zu. Ich muss lachen, als eine Frau mir "Wow, Falang" nachruft ;-) (Farang=Auslaender)

Ab und an mache ich einen Halt, um einen goldig-kitschig verzierten buddhistischen Tempel voller Drachen, Ungeheuer und Goetter oder eine schoene Aussicht aufs Meer zu bewundern. In diesem war ich naemlich noch nicht. Die Sardinenhaltung am Strand von Pattaya hat mir nicht so zugesagt...

Die Unterkuenfte finde ich jetzt auch immer gut, alles wird ein bisschen guenstiger und zwei Tage spaeter bin ich kurz vor Trat. Dort ueberholt mich ein thailaendischer Mountainbiker, und beginnt mich auf Thai auszufragen. Nachdem ich meine Route erklaert habe, versiegt unser Gespraech, ohne gemeinsame Sprache laesst sich nicht mehr viel machen. Er telefoniert auf Thai, und ploetzlich gibt er mir das Telefon. Bis mein Gespraechspartner und ich herausgefunden haben, dass er meint wir sollten in Kontakt kommen, weil wir beide Radfahrer sind. Am Marktplatz treffe ich dann auf diesen Mann. Er ist Deutscher und lebt seit fuenf Jahren in Trat. Er fuehrt mich durch den Ort, und erzaehlt mir ueber die Inseln. Ich wollte eigentlich auf Koh Maak, aber er meint Koh Kood sei besser. Weniger Tourismus, groesser und auch zum Biken interessant. Ich bin mir zwar nicht sicher, dass ich gross Radfahren will, aber ich nehme seinen Tipp gerne an.

Am naechsten Tag stellt sich dann heraus, dass er Recht hatte. Die Insel ist schoen, die Straende sind zum Teil noch recht natuerlich und wirklich wenig bevoelkert, Partyszene gibts keine. Genau richtig fuer eine Woche Urlaub!