Über den Brenner und durchs Pustertal nach Kärnten

Nach einer guten Nach in Matrei am Brenner wurde ich von den Gastgebern mit einem super Frühstück und Proviant versorgt und mit besten Wünschen (und der Forderung nach einigen Kartengrüssen von unterwegs ;-) eingedeckt und nahm dann den Rest vom Brenner in Angriff.

Mit Gepäck nimmt sich der Brenner relativ harmlos aus, er ist 1374müM gelegen und hat keine all zu starken Steigungen. Dafür ist er relativ befahren, auch auf der Hauptstrasse, und das ganze Tal  ist ausgefüllt mit Verkehrsadern, der Autobahn, der Zuglinie mit den Lastwagen-, Güter- und Personentransporten und eben der Hauptstrasse. Ziemlich  unfriedlich!

Oben angekommen ging ich dann über die italienische Grenze, was sich allerdings nur durch ein Italienflagge und das Auftreten von zweisprachigen Strassenschildern zeigte.

Begegnungen

Auf dem Weg nach unten überholte ich dann einen älteren Herrn auf einem sehr alten Rad: Es war Gottfried mit seinem Maskottchen Bugs Bunny. Die zwei sind per Zug und Rad seit 38 Jahren im ganzen Süd- und Osttirol unterwegs.

Gottfried war sofort begeistert, einen Reiseradler zu sehen, und im nächsten Restaurant erzählte er mir dann von seinen Radabenteuern, und ich musste von meinen Plänen berichten. Diese seien fantastisch, nur mein Rad viel zu schwer, ich sei ja wahnsinnig! Trotzdem wünschten Gottfried und Bugs Bunny mir viel Glück und Gesundheit, noch selten habe ich eine so ehrliche und herzliche Freude für Andere erlebt.

Kurz vor Bruneck traf ich dann auf einen Deutschen, der nach Abi und Militär und vor dem Studium mit 46kg auf dem Rücken von München nach Rom wandert. Dabei will der diverse 3000er überqueren und hat deshalb auch die ganze Kletterausrüstung mit dabei.

Vor Bruneck beschloss ich dann, wieder einmal auf die faule Tour auf einem Camping zu übernachten. Ein Glück, ich traf dort auf den ersten richtigen Reiseradler. Denis ist seit dem Mauerfall überall auf der Welt anzutreffen, seit längerem auch immer wieder per Rad. Ich verbrachte dann einen ganzen Tag mit ihm auf dem Camping und wir sprachen viel über Reiseziele, -Routen und -Geschichten.

Pustertal

So richtig ausgeruht gings dann erst am nächsten Tag weiters nach Bruneck und dann ins Pustertal. Dieses steigt bis Dobbiacio stetig an auf etwa 1200müM. Dort traf ich dann das erste Mal auf die Drau, die mich nun mehrere hundert Kilometer begleitete.

Da ich mein Etappenziel - das Hotel Mattersdorferhof, wo meine Schwester arbeitet - langsam näherkommen sah, wollte ich noch einmal ziemlich schnell vorankommen und machte meine erste über 100km lange Etappe. Allerdings abwärts ;-)

Trotzdem ist mir der Anfang vom Drauradweg als sehr lohnend in Erinnerung geblieben. Einfach zu fahren und sehr wilde Natur. Einige Umleitungsschilder und Sperren waren allerdings nicht eindeutig, und einmal landete ich plötzlich auf einem Weg, über den vor nich allzulanger Zeit eine Lawine Niedergegangen ist. Es waren auch überall geknickte Bäume und grosse Steine zu sehen. Am unteren Ende war dann die Sperre richtig angebracht...

Übernachtet habe ich wieder auf einem Camping beim Millstätter See. Ich geniesse es im Moment einfach noch, fliessend Wasser, Toiletten und Duschen zu haben. Vom Millstätter See sah ich dann nur wenig, während der Nacht hatte mein Handy den Geist aufgegeben. Markus wollte mich besuchen und mit Amanda musste ich noch abkären, wie ich zu ihrem Hotel komme. Also fuhr ich nach Spittal und suchte dort einen Handyshop, der so freundlich wäre mein Handy aufzuladen. Kein Erfolg.

Mit Telefonzelle und Free Internet im McDonalds gings dann auch irgendwie. Danach fuhr ich nochmals ein Stück der Drau nach bis Villach und zweigte dann Richtung Ossiacher See ab. Unterwegs traf ich wieder einige freundliche Leute, unter anderem einen Radfahrer, der in jungen Jahren als Wanderarbeiter auch schon in der Schweiz gearbeitet hatte.

In der Gegend um Villach wurde die Drau dann schon zu einem recht grossen Fluss, öfters unterbrochen von Sperren. Das Braune Wasser und vor allem die vielen starken Wirbel wären aber nicht besonders einladend zum Baden!

Erster Plattfuss

Vor Villach stellte ich dann fest, dass ich meinen allerersten Plattfuss  eingefangen hatte. Dies nach 627 Reisekilometern, beziehungsweise 3188km, die ich mit meinem Koga insgesamt schon gemacht habe. Die Reifen scheinen ihre Funktion zu erfüllen. Schuld war dann eine kleine Scherbe. Leider hat der Flicken dann beim ersten Mal nicht gehalten. Ich habe wohl zu wenig aufgerauht  Das dumme war bloss, dass ich das erst nach einer Vierstelstunde feststellte, als ich alles Gepäck wieder aufgeladen hatte... Ein freundlicher Mountainbiker half mir dann aber beim zweiten Mal flicken!

Als es schon eindunkelte traf ich dann im Mattersdorfer Hof ein und wurde wärmstens von meiner Schwester und den Studenten dort empfangen.