Kambodscha

Nachdem ich über eine Woche lang auf Koh Kood rumgehängt bin, ist es Zeit wieder einmal weiters zu fahren. Per Expressboot gehts zurück nach Trat. Erfreulich problemlos. In der Nacht regnet es das erste Mal seit Tagen, am Morgen hat es noch nicht aufgehört. Kurz bevor trotz Regen losfahren will, hat Petrus das Einsehen und stoppt die Wolken. Dafür gehts ziemlich spät los, aber weit habe ich es ja nicht: Mein Ziel ist es, über die Kambodschanische Grenze zu kommen.

Aber vorher vielleicht noch ein, zwei Worte zu Koh Kood. Mir hat die Insel extrem gut gefallen. Sie ist erfrischend untouristisch, hat aber doch (fast) alles was das Herz begehrt. Das heisst, es gibt dort viele kleine Dorfläden, ein paar Restaurants, wunderschöne Strände, die nur wenig belegt sind, Gelegenheit zum Schnorcheln (hier fehlt mir aber der Vergleich mit dem Rest von SO-Asien) und ein paar Resorts. Die meisten dieser Resorts bieten einfach ein paar mehr oder weniger einfache Bungalows mit einem Restaurant. Speziell empfehlen kann ich das Cozy House for Backpackers, obwohl ich nicht dort übernachtet, sondern nur gegessen und Leute getroffen habe. Noi, der Besitzer ist echt freundlich, das Essen super und die Flussterasse perfekt für lauschige Abende. Angenehm finde ich auch, was es nicht gibt: Sextouris (mangels Angebot), Discos, die einem die ganze Nacht lang beschallen, und haufenweise betrunkene und zugedröhnte Lonely Planet Backpacker. Das beste an Koh Kood finde ich aber das Wetter. Es war die ganze Zeit besser und vorallem kühler als auf dem Festland. In der Nacht brauchte ich einmal keinen Ventilator (Ich mag Klimaanlagen nicht), sondern einen Decke!

Doch zurück zu der Strecke von Trat an die Grenze zu Kambodscha: Die Strasse ist angenehm, und obwohl die letzten vielleicht 50km nur noch ein wenige Kilometer breiter Korridor mit genau einer Strasse zu Thailand gehört, ist der Verkehr angenehm. Scheinbar wollen einfach nicht so viele Leute hier über die Grenze...

Unterwegs verpflege ich mich viel mit Früchten, mit unter den Besten die ich in meinem Leben geniessen durfte, und soooo spottbillig. Eine Ananas süsser als eine aus der Dose, frisch in Stücke geschnitten kostet hier vielleicht 30 Rappen ;-)

Als es langsam dunkel wird und ich der Grenze immer näher komme, rattert und knallt es plötzlich an meinem Hinterrad. Vollbremsung! Zischen! Mist! Ein Halter meines hinteren Schutzbleches hat sich gelöst und sich zwischen Schutzblech und Hinterreifen verklemmt. Dadurch rammt er sich prompt in meinen hypersicheren Pannenschutzreifen, und innert einer halben Minute verflüchtigt sich die Luft in meinem Reifen. Naja, nicht dass der Reifen schuldig wäre...

Auf jeden Fall bleibt da nur die Notreparatur an Ort und Stelle. Wenigstens kann ich mich nicht darüber beklagen, dass das Loch schwierig zu finden wäre ;-) Dafür geht es dann etwas länger, bis ich eine Notreparatur für den Schutzblechhalter improvisiert habe. Es bezahlt sich auf jeden Fall wieder einmal aus, dass ich die letzten paar Jahre im Unterhalt in der Industrie gearbeitet habe.

Besonders nett finde ich dann die vielen Leute, die anhalten, und mir alle Art von Hilfe anbieten. Einer bringt mir zuerst frisches, kühles Wasser (Eine Leckerei die nur Radfahrer und arme Leute richtig zu schätzen wissen ;-) Nachher will er mir noch einen Schlafplatz bei der Marineeinheit, die das Wasser gespendet hat, organisieren - oder auf jeden Fall verstehe ich seine Handzeichen so. Allerdings hat er damit keinen Erfolg, obwohl er selbst dazu zu gehören scheint...

Andere wollen mich mit ihrem Pickup zur nächsten Ortschaft bringen. Als ich dankend ablehne, fahren sie in die entgegengesetzte Richtung davon!

Auch ein paar Leute der Marineeinheit stoppen auf dem Vorbeiweg, und obwohl ich offensichtlich eher nicht an ihrer Ausfahrt stoppen sollen hätte, lassen sie mich ohne weiteres Murren dort. Nachdem sie sich überzeugt haben, dass meine Panne echt ist fahren sie auf ihrem Roller davon. Ich muss mich immer noch an den Anblick von zwei Soldaten gewöhnen, die sich inklusive einer grossen Schnellfeuerwaffe auf einen winzigen Scooter quetschen ;-)

Auf jeden Fall habe ich dann wegen dieser Geschichte noch einen unterhaltsamen Abend. Nach der Reparatur reicht es nämlich nicht mehr, um vor Schalterschluss an die Grenze zu kommen. Also stoppe ich im nächsten Ort. Freundlicherweise eskortiert mich ein Bewohner gleich zu einem güstigen Hotel. Allerdings sieht dieses so aus, als würde es normalerweise nur stundenweise vermietet - aber egal, schlafen lässt es sich dort trotzdem gut...

Bevor ich mich ins Bett lege, gehe ich aber noch zum Fest, das gerade im Dorf abgehalten wird, und schlage mir den Magen voll mit allerlei gegrilltem und süssem. Es ist lustig, den Leuten zuzusehen, obwohl ich ausser ein paar einfachen Bemerkungen kaum in Kontakt mit ihnen komme - hier spricht scheinbar einfach niemand English.

Eine ältere Frau nimmt mich dann, als ich mir gerade ein Thailändisches Theater anschauen will, am Arm. Sie fürt mich herum und ich habe keine Ahnung was sie will, aber sie gestikuliert wie wild und macht einen sehr freundlichen Eindruck. Zuerst macht sie mich mit einer anderen Frau bekannt, diese scheint aber nicht gerade begeistert zu sein. Ein Verkupplungsversuch? Dann führt sie mich herum, und schleift mich in den Tempel, wo ich beten soll. Dies obwohl sie mich zuerst fragte ob ich Christ sei und ich eigentlich eher Desinteresse zeige mitzuspielen. Am Anfang ist diese Prozedur ganz lustig, obwohl ich nie schlau daraus werde was sie genau von mir will. Dass ich immer widerspenstiger auf ihre Versuche, mich herumzuschleifen reagiere, führt nur dazu dass sie mit mehr Kraft anfängt zu ziehen. Sie glaubt mir erst, dass mir das gar nicht passt, als ich fast ausflippe! Und auch dann will sie noch nicht von mir lassen, ich muss wirklich fast davonrennen ;-) Naja, schade eigentlich, ich glaube sie meinte es wirklich freundlich...

Kambodschanische Grenze

Diese Grenze ist, wie angeblich alle in Südostasien (mit der Ausnahme von Burma und mitunter China) völlig problemlos. Als ich am nächsten Morgen dort ankomme, ist alles organisiert und geht ohne unnötige Verzögerungen vonstatten. Der einzige kleine Däpfer: Für den Gesundheitscheck - sprich eine Fiebermessung mit dem Infrarothermometer - wird eine kleine Summe verlangt. Ich bin recht skeptisch, aber bezahle, einfach weil der Kerl wirklich freundlich ist. Naja, er hat dazu auch allen Grund, ich erfahre nachher, dass der Check freiwillig sei... Reingefallen - eigentlich sollte ich es ja besser wissen...

Nach dem Grenzübertritt stoppe ich kurz in Koh Kong. Zuerst checke ich, ob das Express-Schiff von Koh Kong nach Sihanoukville heute noch färt - nur um zu erfahren, dass die Linie eingestellt wurde. Naja, damit sind dann gleich alle Überlegungen über fahren oder faul sein erledigt. Ich habe nämlich gehört, dass die Strecke von Koh Kong an ziemlich übel sei, schlechte Strassen viel Verkehr und so weiters. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es ein Glück war, dass ich nicht per Schiff nach Sihanoukville gefahren bin!

Ausserdem wechsle ich noch Geld. Für meine ca. 200 Franken in Thailändischen Baht kriege ich fast ein Million Kambodschanische Rial! Ein riesiger stapel Noten, das erste Mal dass ich ein Gummiband brauche, um mein Geld zusammenzuhalten. Das kriegt man vom Geldwechsler auch gleich dazu ;-) Ausserdem verkauft mir der sehr freundliche Wechselstuben- und Ladenbesitzer gleich noch eine SIM für 3$, wie schon in Thailand ohne weitere Förmlichkeiten. Irgendwie vermisse ich das alte Regime weiter westlich schon fast. Aber hier will man meinen Daumenabdruck und den Namen meines Vaters offensichtlich nicht ;-)

Botum Sakor Nationalpark

Danach gehts in der bereits glühend heissen Sonne weiters und wird schnell hügelig. Kurz darauf beginnt der Botum Sakor Nationalpark. Die roten Schilder am Strassenrand, die ich zuerst für Minenwarnungen gehalten habe, sind scheinbar einfach dazu da, einem mitzuteilen dass hier der Nationalpark beginnt. Und wahrscheinlich auch, dass man den Wald nicht betreten darf und was man in Nationalpärken halt so Regeln hat. Allerdings würde ich auch ohne Warnung nicht einfach so in den Wald gehen, gerade in den Grenzregionen ist die Minengefahr in Kambodscha noch sehr real!

Nach nur kurzer Zeit sehe ich ausser meiner Strasse und undurchdringlichem Dschungel nichts mehr. Dies soll dann auch für etwa 100km so bleiben! Nur selten führt mich ein Hügel hoch genug hinauf, um über den Wald hinauszusehen. Von dort aus kann ich nur Wald, Wald, Wald, und in weiter ferne andere, bewaldete Hügel die im Dunst verschwinden erkennen.

Um auf diese Hügel hinaufzukommen, muss ich allderings kämpfen. Nach dem wirklich angenehmen Klima auf der Insel Koh Kood erschlägt mich die Sonne fast. In den zwei Tagen im Wald gibts kaum ein Wölkchen am Himmel. Am Morgen habe ich noch etwas Schatten von den Bäumen, aber sobald die Sonne am Mittag gerade herunterbrennt, hilft nichts mehr als Weitersfahren.

Einmal verschenke ich aus freundlichem Leichtsinn (oder war es Faulheit in der Steigung?) auch noch eine Flasche Wasser an einen der Arbeiter am Strassenrand. Das bereue ich später fast, das Wasser beginnt mir auszugehen. Nicht einmal ein schlammiger Tümpel kommt mehr in Sicht, mit dem ich meinen Wasserfilter quälen können hätte.

Allerdings sind die armen Leute, die da am Strassenrand arbeiten, auch nicht zu beneiden. Den ganzen Tag an der brennenden Sonne, mit Hacke und Schaufel! Sie arbeiten - Männer wie Frauen - in langen Kolonnen und scheinen nur mit Handarbeit einen Graben für ein neues Stromkabel auszuheben. Erst viel später sehe ich dann einen Bulldozer, der den Graben wieder planiert, aber dieser scheint die einzige Maschine zu sein... Trotzdem sind sie sehr freundlich, und wollen auch unbedingt mit mir in Kontakt kommen!

Nach immer länger scheinender Fahrt kommt aber dann doch noch ein Dorf in Sicht. Naja, eher eine Hüttensiedlung muss man wohl sagen. Aber es gibt Essen, Wasser(!) und freundliche Leute. Ich muss also keinen Touristenbus anhalten und um Wasser betteln. Habe ich mir nämlich schon ernsthafter Gedanken darüber gemacht. Anscheinend gibt es in diesem riesigen Gebiet nur Zivilisation wo sich Strasse und Flüsse kreuzen. Naja, und vielleicht auch sonst den Flüssen entlang. Auf jeden Fall werden die Flüsse von ziemlich grossen Frachtschiffen befahren.

Nachdem ich Wasser aufgetankt, Früchte gebunkert und mich ausgeruht habe, fahre ich noch weiters bis zum nächsten Flussdorf. Ein grösseres Stück als erwartet. Im Restaurant scheint man meine Frage, ob ich dort übernachten darf, nicht zu verstehen. Sie deuten weiters, vielleicht gibts dort ein Hotel? Ich mache mir aber eher Gedanken, ob ich nicht einfach das Zelt auf einer Wiese im Dorf aufschlagen soll. Wenn mich alle sehen können sollte ich ja eigentlich ziemlich sicher sein, und ein Hotel kann in dieser Gegend nichts Vielversprechendes sein. Gerade als ich suche, kommt ein Junge, und auf meine Frage, ob ich dort Zelten darf weist er irgendwo ins Gestrüpp. Nun gut, ich gehe mit. Nach einer Weile werde ich etwas skeptisch - wo fürt der Kerl mich hin? Aber er macht einen einfachen und ehrlichen Eindruck auf mich. Schlussendlich stellt sich heraus, dass er mir seine Matratze und ein Mückennetz vermieten will. Das nehme ich trotz der einfachen Unterkunft sehr gerne an!

Am nächsten Tag komme ich dann bald ans Ende des Nationalparks. Immer mehr sehe ich auch Zeichen von Brandrodung. Illegal, aber leider in Kambodscha normal. Die Polizei verdient mit. Dafür wird das Essen besser. das erste Mal in Kambodscha kriege ich ein richtiges Menü, dass ausser Fleisch oder Seegetier und ein paar Kräutern plus dem obligatorischen Reis auch Gemüse enthät und richtig schmeckt. Ich habe mir schon angefangen Sorgen zu machen!

Kampot - oder die Bodhi Villa

Nach zwei weiteren Tagen komme ich in Kampot an. Das erste Mal, dass mein Guide (Rough Guide South East Asia - Lonely Planet ist was für Massentouris ;-) mir einen richtig guten Tipp gibt! Die interessanteste Beschreibung hat die Bodhi Villa gekriegt. Diese liegt etwas ausserhalb der Ortschaft, an einem Fluss. Oder das was davon übrigbleibt, wenn man einen Staudamm davor setzt. Jetzt ist er nämlich salzig, und die Ströung wechselt mit den Gezeiten. Rundherum sind Mangroven, und von der Villa füren ein paar schwimmende Plattformen ins Wasser. An einer ist ein Motorboot zum Wasserskifahren angebunden. Im Garten befinden sich diverse Bungalows, im Hauptgebäude ein Dormitory und ein paar Zimmer. Im Garten betreibt der Besitzer ausserdem ein Musikstudio. Ich glaube ich muss Sinius überreden, die nächste Recording Session dort abzuhalten ;-) Es läft immer Musik, die selbst gewählt werden kann, und irgendwie überträgt sich die ganze Umgebung auf die Stimmung der Gäste.

Anstatt wie geplant zwei Nächte bleibe ich gleich eine Woche. Damit bin ich nicht etwa eine Ausnahme. Manche bleiben gleich Monate hier! Das beste finde ich aber den Platz auf dem Balkon, den ich wegen verspäteter Verlängerung und vielen Gästen in den letzten zwei Tagen kriege. Der Balkon gehört offensichtlich zur ursprünglichen Villa und hat zwei schön verzierte und völlig überwachsene Treppen. Das Bett ist eine Matratze mit Mückennetz. Und die Pflanze, die die Treppe bewächst, blüht auch gerade noch! Hier könnte ich es wirklich lange aushalten!

Meist tue ich in dieser Zeit nicht zu viel, sondern geniesse einfach das Leben. Gutes Essen (gibts dort auch), ein zwei gut schmeckende Drinks zu viel oder Nachtschwimmen bei Vollmond und viel Lesen. Ausserdem beginnt hier meine Lime-Juice-Sucht. Nach einer anstrengenden Radfahrt geht nichts über frisch gepressten Limettensaft mit Wasser oder Soda und ein wenig Sirup!

Zwischendurch habe ich trotzdem das Gefühl, dass ich etwas tun sollte. Dann wird mein Bike wieder einmal richtig gewartet. Ich fülle das Öl meiner Rohloff-Getriebenabe nach, dass mir in Nepal ausversehens ausgelaufen ist, und improvisiere mit Draht eine Befestigung für den Spiegel, der abgebrochen ist. Für alle Rohloff-User, -Skeptiker, -Interessierte etc. muss ich noch anmerken (oder habe ich das schon?), dass der Hersteller absolut kein Problem sieht, wenn man mal 5000km ohne Öl fährt! Bis jetzt scheint sich das auf jeden Fall zu bestätigen. Allerdings wird die Nabe mit Öl deutlich leiser.

Ein anderes Mal fahre ich mit ein paar weiteren Bodhi-Bewohnern und einer Holländerin, die als Tourguide in Kampot arbeitet, mit einem Motoroller ins Nachbardorf Kep. Ja richtig, mit dem Motoroller ;-) Die kriegt man in Kambodscha für ein paar Dollars pro Tag, ohne Papierkram oder ähnliche Zeitverschwendung, und sicher auch ohne Versicherung. Dafür werden Schäden auch auf denkbar unkomplizierte Weise abghandelt! (Verbogene Lenker werden vom Besitzer wieder geradegebogen, und abgebrochene Fussrasten kann man ja wieder anschweissen)

Zu sehen gibts um Kep herum ein paar Höhlen, etliche Seafood-Restaurants, alte französische Villen und die Pfefferplantagen. Hier also ist das Land wo der Pfeffer wächst! Die Leute in dieser Gegend (nicht nur die, die gerade Pfeffer verkaufen) behaupten, dass dieser Pfeffer der beste auf der Welt ist, und organisch sei er auch noch. Er schmeckt auf jeden Fall richtig gut! Ausserdem erklärt man mir, dass schwarzer, weisser, grüner und roter Pfeffer von derselben Pflanze stammen. Zuerst ist der Pfeffer grün, wenn er reift wird er rot. Schwarz wird er, wenn man ihn an der Sonne rösten lässt, und weiss, wenn man ihn dann (in Handarbeit!) schät. Anscheinend könne eine Pfefferpflanze über 100 Jahre alt werden!

Leider geht jede gute Zeit einmal zu Ende. Ich sollte noch mein Vietnamvisa kriegen, damit ich rechtzeitig nach Siam Reap komme. Rechtzeitig heisst so, dass ich Michi nicht verzögere. Dieser kommt auch aus Winterthur, und macht jetzt eine Viermonate-Tour von Bangkok nach Yunnan, China. Wir planen, ein Stück zusammen zu fahren! Den Link zu seiner Page (und vielen anderen) gibts übrigens unter Links auf meiner Page zu finden.

Phnom Penh

Die Strassen nach Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, sind meist ziemlich angenehm zu fahren. Der Verkehr ist erträglich und nicht agressiv, die Leute bleiben freundlich und alle Kinder rufen Heeello!, sobald sie mich sehen. Es ist schon fast anstrengend, immer freundlich zu antworten ;-)

Und auch die Freundlichkeit der Erwachsenen kann anstrengend sein. Einmal will mich ein Junge einladen, um bei ihm zu übernachten. So weit haben wir uns noch verstanden. Aber leider ist er überfreundlich und versucht mir - soweit ich ihn verstehe - alle Möglichkeiten und Eventualitäten zu erläutern. Auf jeden Fall macht er komplizierte, mir völlig unverständliche Handzeichen. Wenn ich ihn um Erläuterung frage, macht er alles noch komplizierter.

Irgendwann verliere ich die Geduld, die Sonne ist bald am Untergehen, und so enttäsche ich ihn eben. Später komme ich noch an einem älteren Herrn vorbei, der einen Platten am Motorrad hat. Er ist ganz anders, völlig unkompliziert und wir verstehen uns sofort. Nach ein paar mal aufpumpen hat er es dann bis zum nächsten Reifenflicker geschafft und spendiert mir noch einen Energydrink. Die perfekte Kopie von Red Bull - auch dieses habe ich nämlich schon 30 Grad warm getrunken ;-)

Die Gegend ist sehr ländlich. Obwohl man sieht, dass die Entwicklung hier in riesigen Schritten vorangeht, entdeckt man doch noch viele Schilfhäuser am Strassenrand. Erst in der Nähe der Hauptstadt beginnt sich das zu ändern. Zuerst kommen immer mehr Blechhütten zu den wenigen Häusern dazu, später richtige, meist aber einstöckige Gebäude. Auch in Phnom Penh gibt es übrigens verhältnismässig wenige mehrstöckige Gebäude. Und wenn sind sie nicht sehr alt. Das liegt vorallem daran, dass es bis vor wenigen Dutzend Jahren ein absolutes Tabu war, "auf dem Kopf eines Anderen zu stehen" - denn der Kopf ist der heiligste Teil des Körpers für Buddhisten.

Phnom Penh selbst finde ich nicht so spektakulär oder einladend zum längeren Verweilen. Die Leute sind zwar im allgemeinen freundlich, aber es gibt nicht viel Spezielles zu sehen, auf jeden Fall wenn man schon länger in Asien unterwegs ist (und sonst ist wohl jede grössere asiatische Stadt einfach eine total fremde, interessante Welt für uns Westler).

Speziell finde ich den Verkehr. Hier ist der Anteil der Zweiräder wirklich enorm, mit und ohne Motor. Wie schon auf dem Land findet man total überladene Motos, beladen mit Allem was man sich vorstellen kann, von Leuten über lebende Tiere zu allen möglichen Waren und Maschinen oder Teilen davon. Häufig ist mindestens ein Beifahrer dabei, der die Fracht festzuhalten versucht. Regeln gibt es nur wenige, alles fährt einfach relativ langsam und kreuz und quer durcheinander, speziell um die Kreuzungen herum.

Ziemlich ähnlich sind auch die Märkte, ein auf den ersten Blick riesiges Chaos aus allen möglichen Angeboten und Leuten. So eng zusammengequetscht, dass man sich gerade noch durchbewegen kann. Kaufen kann man fast alles. Essen von mehr Sorten Früchten als ich mir je träumen lassen habe, über Getreide, Pilze, Wurzeln (schauen alle irgendwie ähnlich wie Ingwer aus, aber sind unterschiedlich...), Seegetier (hier bin ich völlig ahnungslos), und ganze, oder halbe Schweine, nur deren Köpfe, alle anderen möglichen Tiere, Schnecken, Insekten... Elektronik, von einzelnen Platinen zu Kleinradios und Taschenlampen über grosse Verstäker zu ganzen professionellen Soundanlagen. Kleider und Schuhe, meist aus China, Haushaltsartikel jeder Art und in genügender Auswahl, um einen ganzen Haushalt auszustatten, Werkzeuge, Maschinen, Motorradteile, sogar Lastwagenteile kann man finden. Und das alles zusammengequetscht auf die Fläche eines grösseren schweizer Supermarkts und manchmal zwei oder drei Stockwerke. In der Mitte gibts meist eine Riesensammlung von Essensständen und Restaurants, und duch alles hindurch bewegen sich auch noch fliegende Händler mit Essen, Packmaterialien, Körben und so weiters. Um das Hauptgebäde herum ist ebenfalls alles voller Stände, ausser dort wo die grossen Parkplätze für die Roller sind. Hier kann man sein Fahrzeug gegen ein kleines Entdgeld bewacht parkieren. Ich bin jeweils froh, dass mein Rad so auffällig ist, ich hätte es sonst wohl mehrmals stundenlang in der riesigen Rollerflut gesucht... Insgesamt sind diese Märkte die bisher extremsten, die ich in Asien gesehen habe! Und ich bin neugierig was noch kommt, wenn ich weiters Richtung Vietnam gehe?

Horror und Freundlichkeit

Leider hat Kambodscha auch eine sehr dunkle Seite. Ende der Siebziger Jahre wurde es von einem der grausamsten Regimes dieser Erde beherrscht, der Khmer Rouge. Insgesamt wurde zwischen 1975 und 1979  etwa ein VIERTEL! der Bevölkerung gefolter und umgebracht. Dies betraf normalerweise ganze Familien, inklusive Kindern und Säuglingen, damit diese später nicht Rache üben könnten. Nach der Entmachtung entstand ein langer Guerillakrieg bis in die Neunziger Jahre hinein. Und erst in den letzten jahren begann das Land, mit Hilfe der UNO diese Geschichte aufzuarbeiten. Besonders beschämend ist, dass die Rothen Khmer zeitweise auch noch von westlichen Ländern unterstützt wurden. Ich will hier nicht mehr dazu schreiben, es ist deprimierend genug, dass in einer Zeit, in der alle so tun, als wären sie aufgeklärt und vernüftig, so viel grauenhaftes geschehen kann. Erstaunlich finde ich allerdings, dass man als Reisender in Kambodscha relativ wenig von diesem Grauen wahrnimmt. Wohl weiss man, dass die offensichtliche Armut des Landes aus dieser Zeit kommt. Vor den Khmer Rouge war Kambodscha das am weitesten entwickelte Land Südostasiens! Doch die meisten Leute sind dennoch sehr freundlich und gutherzig. Wegen dieser Leute ist für mich Kambodscha eines der Länder die mir bisher am meisten gefallen haben!