Quer durch Kambodscha, Vietnam, Laos und Thailand nach Norden

Mit Michi kreuz und quer durch Südostasien. Unser Ziel ist der Norden, doch wir lassen uns Zeit und wollen möglichst viele Gegenden sehen. Dabei lassen wir uns möglichst wenig von Grenzen aufhalten - und kriegen dafür prompt Probleme mit der vietnamesischen Polizei!

Kambodscha - vom Mekong nach Osten

Als wir nach unserem Ruhetag in Stung Treng nach Siem Pang weitersfahren, ist die Strasse ein richtiger Gegensatz zum letzten Teilstück: Perfekt geteert - und wir glaubens kaum - sogar die kleinen Orte sind ausgeschildert! - Etwa auf halbem Weg kommen wir dann auf eine neue, immer noch gut ausgebaute, aber unsphaltierte Strasse. Auch kein Problem! Kurz vor Siem Pang erscheint dann die Baustelle und müssen ein paar mal schieben. Die Strecke selbst ist dafür - wie meist in Kambodscha - etwas langeweilig. Das liegt daran, dass das Land meist flach ist, und leider fast überall durch Brandrodung verunstaltet. Dennoch liegt vieles brach. So sieht man viel rote Erde, verkohlte Baumstümpfe und Rauchwolken.

In Siem Pang finden wir zuerst keine Unterkunft - alles voll. Eine soll noch frei sein, doch wir finden sie nicht. Plötzlich spricht uns ein Kambodschaner auf Englisch an. Er ist der Guide von zwei Radfahrern, die in Kambodscha  geführte Touren anbieten, und gerade auf Erkundungstour sind. Er bietet uns ein Bett in seinem Zimmer in einem der vollen Guesthouses an. Auch gut, wir dachten schon an Zelten...

Sand!

Nach der Auskunft dieses Guides sollen die 100 Kilometer nach Banlung auf einer guten Strasse verlaufen, und auch unsere Karte sagt, dass die Strasse gross sei -  aber wir sind inzwischen vorsichtig mit solchen Aussagen und Hinweisen. Dieser Pessimismus erweist sich dann auch als angebracht. Kaum haben wir mit der kleinen Fähre (zwei Boote, verbunden mit Brettern auf denen unsere Räder, diverse Motorräder und viele Leute übergesetzt werden) den Fluss überquert, stehen wir auf einer Sandpiste. Die zwei Mountainbiker, die zu "unserem" Guide gehören, haben damit keine grossen Probleme und flitzen davon.

Wir hingegen sinken wegen unserer Beladung immer wieder in den knöcheltiefen Sand ein. Da hilft nur absteigen, rausschieben auf eine feste Stelle und wieder versuchen. Wenn möglich versuchen wir dennoch, zu fahren, da man so noch viel schneller ist als mit Schieben. Dafür ist das extrem anstrengend, denn sobald das Rad anfängt durchzudrehen, muss man mit aller Kraft versuchen, das Fahrrad am Rollen zu halten. Wenn es erst einmal gestoppt hat, hilft nur noch rausschieben! Immer wieder geraten wir ins Schleudern. Für den Hintermann oft ein erheiternder Anblick, wenn der andere durch komischste Verrenkungen versucht das Rad in den Griff zu kriegen ;-)

Wir gönnen uns nur wenig Pausen und hoffen, dass der Weg bald bessert, doch leider ist nichts zu machen. Auch an Verpflegung mangelt es unterwegs, selbst mit Nachfragen gibts nichts. So kommt halt wieder einmal Plan B zum Zug: Chinesische Instant Noodle Soup. Immerhin hat uns Jemand auf der einzigen Lichtung, die wir finden, ein Feuerchen hinterlassen. So müssen wir den Kocher nicht auspacken! Leider ist dies auch die einzige Lichtung in diesem Minenverseuchten Land, und ohne Lichtung können wir höchstens in einem der seltenen Dörfer zelten. Also halten wir uns ran, und obwohl wir fast den ganzen Tag fahren und schieben, schaffen wir's gerade so nach Virachey, also etwa 60km weit :-(

Die restlichen 40km nach Banlung legen wir dann auf einer ziemlich guten Piste zurück, die ebenfalls gerade ausgebaut wird (Scheinbar ist ganz Kambodscha eine riesige Baustelle) So scheint es nur noch ein Katzensprung zu sein. Hier gönnen wir uns noch einmal einen wohlverdienten Pausentag, und geniessen unsere letzten Kambodschanischen Eiskaffees und Nudelsuppen. Allerdings haben wir so eine Ahnung, dass es auf der anderen Seite der vietnamesichen Grenze ganz ähnlich weitersgehen könnte...

Der Weg zur Grenze erweist sich dann als absolut perfekt gemachte Strasse - man könnte sie auch überall in Europa finden. Man sieht auch, dass sie noch brandneu sein muss. Am Strassenrand erkennt man den Aufschwung, den die sich Leute durch diese neue Grenzverbindung erhoffen. Überall werden Häuser gebaut und ausgebessert, vieles macht einen neuen Eindruck. Zum ersten Mal in Kambodscha sehen wir auch mehr grün, überall hat es Plantagen. Einige sind mit kleinen Bäumchen besetzt, deren Äste mit Reihen von kleinen weissen, süss duftenden Blüten besetzt sind. Das ist Kaffee!

Vietnam

Der Grenzübergang ist ziemlich einsam, und alles geht problemlos vonstatten. Vietnam muss - typisch Sozialisten - natürlich protzen, und hat ein Riesengebäude hingeklotzt. Dafür sind sie gut ausgestattet, unsere Daten werden in Computer eingegeben. Das dauert seine Zeit, schliesslich haben wir keine Vietnamesischen Namen. Und weil sie auch Röntgengeräte besitzen, müssen diese auch benutzt werden. Wir schieben all unser Gepäck durch. Doch wirklich genau nehmen sie's nicht. Aus Faulheit lasse ich meine Benzinflasche für den Kocher am Rad, welches nicht gescannt wird. Und kein Hahn kräht danach. Nicht sehr konsequent, aber wir reklamieren natürlich nicht ;-)

Erster Eindruck

Nach kurzer Fahrt gelangen wir zum ersten Städtchen in Vietnam - Chu Ti. Unterwegs sind die Leute freundlich zu uns - und im Gegensatz zu Kambodscha und erst recht Thailand - viel offensiver. Die Kinder rufen lauter, Niemand ist gross auf Abstand bedacht, die Mädels auf den neuen, flitzigen Rollern flirten mit uns. Die Leute schrecken auch nicht davor zurück, unsere Bikes und unsere Beinmuskeln anzufassen...

Dafür werden wir von den freundlichen Leuten, die uns unseren ersten Vietnamesischen Kaffe ausschenkten betrogen. Wir haben später festgestellt, dass dieser nur etwa halb so viel gekostet hätte (ca. 50  Cents für eine Tasse nämlich). Scheint hier irgendwie normal zu sein, wir "Farangs" haben ja Geld...

Bei unseren ersten Restaurantbesuchen fällt uns auch auf, dass Vietnam mit Abstand das unhygienischste Land in Südostasien ist. Meist sind die Gläser und das Besteck nicht abgewaschen. Selbst putzen oder mit etwas Tee ausspülen (und diesen dann stilecht an die Restaurantwand schmeissen) heisst die Devise! Dafür halten die Vietnamesen ihre Gehsteige eher etwas sauberer als die Kambodschaner...

Am extremsten fällt aber auf, dass das romantsiche Vietnambild mit den Fahrrädern und den Tragestangen mit den zwei Körben icht mehr stimmt. Jedermann fährt per Roller oder Pickup herum. Nur noch die Ärmsten brauchen diese althergebrachten Transportmittel, um zum Beispiel recyclingfähige Abfälle einzusammeln und weiters zu verkaufen.

In Polizeigewahrsam

Unser Ziel heisst Laos. Wir wollen über den erst etwa zwei Jahre alten Grenzübergang Bo Y dorthin einreisen. Denn Michi hat noch kein Laos-Visum, und ist sich nicht sicher, ob er eines benötigt. Auf einer offiziellen Seite heisst es, dass Schweizer und Luxemburger die Einreiseerlaubnis für 15 Tage ohne Visa und erst noch gratis kriegen. Doch ob das stimmt? Da man von Kambodscha aus noch kein Visum an der Grenze kriegt haben wir uns entschieden, diesen Umweg über Vietnam zu fahren, von wo aus man ein solches seit Jahren problemlos erhalten kann.

Von Chu Ti aus drehen wir also Richtung Norden, parallel zur Grenze, entlang kleiner Strassen. Denn diese sind überall schöner zu fahren. Weniger Verkehr und Gehupe, dafür freundlichere Leute. Leider erweist sich das Vorhaben als etwas kompliziert. Es gibt einiges mehr Wege als auf Michis detaillierter Karte eingezeichnet, und sie schlängeln sich in komplizierten Bahnen um die Plantagen herum. Die Leute nach dem Weg fragen ist auch schwierig, häufig verstehen sie uns nicht, und Karte lesen ist nicht gerade eine Stärke der asiatischen Völker...

Nach etwa zwei Stunden machen wir in einem kleinen Dorf einen Kaffeehalt, und die Richtungsanweisungen in gebrochenen Englisch vom Kaffehausbesitzer und anderen Leuten sind mehr als verwirrend. Etwas kann nicht  stimmen! Bald kommen auch noch zwei Polizisten, ein älterer und ein jüngerer und beginnen ein freundliches Gespräch, sie wollen wissen wer wir sind, wohin wir gehen und welchen Weg etc. Irgendwann verlangen sie auch noch unsere Pässe. Wir zucken mit den Schultern und tun alles als sozialistisches, übertriebenes Sicherheitsgebahren ab. Allerdings fragen wir uns bald, wie lange das wohl dauern wird: Die beiden beginnen die Pässe von vorne bis hinten durchzublättern, all die unleserlichen Stempel zu entziffern und alles ohne Plan auf Fresszettel aufzuschreiben.

Dann führt der jüngere Polizist mehrere Telefongespräche, und uns wird mitgeteilt, dass wir ihnen auf den Polizeiposten zu folgen hätten. Also ein paar Kilometer den gleichen Weg zurück, die Pässe behalten die Polizisten zur Sicherheit gleich. Dort werden wir von einem offensichtlich höheren Tier empfangen - auf jeden Fall verhält er sich trotz fehlender Uniform wie eines. Auch ein Englischlehrer wird herbeordert. Viel hat er uns allerdings nicht zu sagen, nur dass wir in einer Zone sind, in die Touristen ohne Permission keinen Zutritt hätten - wegen komplizierter lokaler Verhältnisse. Ob nun wegen den vielen Minoritätsvölkern, den nahen Grenzen von Kambodscha und Laos oder dem Staudamm, der auf unserem Weg liegt, wird nicht beantwortet. Auch die Frage, was jetzt geschehen wird, leitet unser Übersetzer nicht weiters. Aber ansonsten sind alle wirklich freundlich und organisieren uns sogar noch Mineralwasser.

Nachdem man auch noch per Handy mehrere Fotos von uns aufgenommen hat, teilt man uns dann mit, dass Jemand auf dem Weg sei, um uns hier herauszubringen. Mehr will man uns nicht erklären, wir hätten zu warten. Wieder schaut Jeder unsere Pässe an, und wundert sich über jeden einzelnen Stempel - selbst über Michis mehrere Jahre alten aus Westafrike. Eine Zeitlang ist das ganz lustig, aber die Zeit zieht sich hin. Wir sprechen mit dem Englischlehrer, und werden von der lokalen Bevölkerung beobachtet, die von Zeit zu Zeit wieder vertrieben wird. Hier sind wir scheinbar wirklich etwas nie dagewesenes! Nach bereits langem Warten beschliessen wir, wieder einmal ein Instant-Noodle-Soup zu kochen. Mittendrin fährt prompt ein Jeep herein. Man sagt uns, wir sollen die Räder dort aufladen, lässt uns aber noch fertig Essen.

Danach verladen wir die Räder, die kaum Platz haben im Jeep. Zum Glück haben wir selbst Spanngurten dabei, um unsere Räder festzubinden, denn der Fahrer will sie nur mit ein paar Plastikbändern (die Sorte die man am schweizer Abfallsack zum Zubinden braucht) und Koaxialkabel (die Sorte, mit der man den Fernseher an die Antennenbuchse anschliesst) festbinden. Das hätte bei den Schlaglochstrassen definitiv zu Verlusten geführt...

Auch so sind wir etwas nervös. Allerdings nicht nur wegen der Räder, denn noch immer hat uns Niemand mitgeteilt wo es hin geht, und unsere Pässe hat nun der Beifahrer - scheinbar ein noch höheres Tier, ebenfalls ohne Uniform - in der Brusttasche. Ob die eigentlich wissen, dass der Pass Staatseigentum der Schweiz ist? Wahrscheinlich interessiert es sie einfach nicht...

Nach 40 Kilometern Fahrt über zum Teil sehr schlechte Strassen stellt sich hereaus, dass wir zum Immigration Office von Chu Ti, der Bezirkshauptstadt gebracht werden. Dort werden wieder unsere Pässe begutachtet, unsere Daten aufgeschrieben. Und irgendwann sagt man uns, wir sollten einige Formulare unterschreiben, wir hätten zu kooperieren, da wir in einer verbotenen Zone aufgefunden worden wären. Schlussendlich unterschreiben wir mit einem Zusatz, dass wir die in Vietnamesisch geschriebenen Dokumente nicht verstehen. Wieder heisst es warten, dann kommt ein weiteres Verhör, später weitere Formulare. Irgendwann nach dem Eindunkeln wird uns dann mitgeteilt, dass wir eine Busse von je ca. 60$ bezahlen müssten. Unser Vergehen sei es, ohne Erlaubnis eine grenznahe Zone betreten zu haben. Bezahlen müssen wir die Busse auf dem lokalen Schatzamt, alles mit wirklich offiziell aussehenden Papieren.

Als nun alles erledigt ist, bietet uns die übersetzende Beamtin Lichies an ;-) Typisch Asien! Danach führt ein Beamter uns zu einem Hotel, und erklärt uns nachdrücklich, dass wir die Stadt am nächsten Tag zu verlassen hätten. Insgesamt waren wir so über neun Stunden in Polizeigewahrsam, und wir sind uns immer noch nicht sicher, ob das mit der Grenzzone stimmt. Vorallem wissen wir nicht genau, ob noch weitere solche Zonen in Vietnam existieren. Aber fürs erste wollen wir ja sowieso nach Laos und Thailand gehen. Ach ja, und die Pässe gehen direkt an den Hotelmanager. Erst am nächsten Morgen kriegen wir sie zurück. Uns fällt auf, dass beide Pässe Risse im Identifikationsteil aufweisen. Wir rätseln, ob die übereifrigen Beamten eine Fälschung vermuteten, oder ob einfach zu viel und zu grob geblättert wurde?

Weiterfahrt nach Laos

Am nächsten Tag fahren wir dann auf einer Hauptstrasse nach Kon Tum und danach nach Ngoc Hoi, der letzten Stadt vor der laotischen Grenze. Wie befürchtet treffen wir auf diesen Strassen viel Verkehr und viel Gehupe an. Häufig hat man relativ wenig Platz zum Ausweichen. Die Überholmanöver sind haarsträubend, aber im Gegensatz zu den Fahrern auf dem indischen Subkontinent halten die Lastwagen sogar an, wenn wir nicht sofort nach dem Hupen ab der Strasse gehen!

Wir treffen auch auf Ben, einen Engländer. Er reiste von Europa über die zentralasiatischen Staaten und China. Nun liess er einen Teil seines Gepäcks dort und ist auf dem Weg nach Bangkok, um ein defektes Tretlager zu reparieren. Danach will er wieder nach China.

Lao Democratic Peoples Republic

Der Grenzübergang nach Laos ist völlig problemlos. Wir beide kriegen einen Stempel für 14 Tage ohne Visa (Ich sogar, obwohl ich bereits ein Laos-Visa in Bangkok geholt habe. So kann ich dieses bei unserem zweiten Laos-Besuch brauchen). Es stimmt also, dass Schweizer und Luxemburger ohne Visa ins Land dürfen! Später erfahren wir, dass die Schweiz und Luxemburg Laos als erste als Nation anerkannt hätten und dies ein Dankbarkeitssymbol sei. Nur der Geldwechsel-Schalter ist leider geschlossen. Nun ja, es muss auch ohne gehen, wir hoffen halt, dass wir unterwegs irgendwo wechseln können.

Bald verstehen wir aber, was das "Uff" des freundlichen Grenzbeamten bedeutet, mit dem er unsere Ziel Attapeu kommentierte. Steilste Steigungen, rauf und runter und nur Urwald und ein paar Hütten. Das erste Mal richtiger - das heisst nicht aufgeforsteter - Urwald auf meiner Reise. Von Zivilisation neben der Strasse kaum eine Spur. Immerhin ist in den Hügeln wieder genug klares(!) Wasser für unsere Filter vorhanden. Dieses brauchen wir aber auch reichlich um es gleich wieder rauszuschwitzen.

Die Strassen sind sehr gut, wohl neu gemacht worden für den Grenzübergang. Nur einmal kommen wir an einem Erdrutsch vorbei, wo wir erfahren, wie es ohne Asphalt und noch etwas steiler aussehen würde: Keine Chance zu fahren, und selbst Schieben bringt einen fast um!

Als wir schon fast so weit sind, wieder einmal unsere Instant-Noodle-Soup zu kochen, kommen wir doch noch an ein kleines Dörfchen mit zwei Restaurants. Auf die Frage, was sie hätten, antworten sie uns: "Mii" - so heisst auf Chinesisch die Instant-Noodle-Soup! Immerhin gibt es sie hier mit Ei, und mit Dollars dürfen wir auch noch bezahlen. Schlussendlich erreichen wir Attapeu nach über 1200 Höhenmetern und 130 Kilometern doch noch ohne Zelten. Nicht dass wir etwas dagegen gehabt hätten, aber nochmals Instant-Noodle-Soup? Da doch lieber weitersfahren! Völlig geschafft kommen wir an, und werden gleich von einer jungen Vietnamesin zu einem Hotel gewunken. Sie ist mit ihren Eltern auf Businessreise, und war gleichzeitig mit uns am laotischen Grenzübergang. Praktisch ist, dass sie gleich die Dolmetscherrolle übernimmt, denn die Hotelbesitzer sind auch Vietamesen.

Da wir ziemlich geschafft sind, Essen wir auch gleich dort, anstatt wie meist etwas im Dorf herumzugehen und ein Lokal auszusuchen. Meist kommt uns das Essen so nämlich viel preiswerter, und ist auch sehr schmackhaft. In Südostasien sind die Restaurants fast immer auf ein bis drei Gerichte spezialisiert, die sie dann auch beherrschen. Häufig ist das allerdings Nudelsuppe. Wahlweise mit Instant-Noodles, Reisnudeln und normalen Nudeln in diversen Varianten, in einer klaren Brühe, mit Gemüse, Fleisch von Huhn, Rind oder Schwein (inklusive Knochen, Fett, Innereien) und Salat, Kräutern und diversen Saucen und Gewürzen. Mit diesen kann man dann das eher milde Gericht in ein höllisch scharfes verwandeln, wenn einem danach ist. Hilft unter Umständen auch etwas gegen Verstopfung (habe ich seltsamerweise in letzter Zeit ab und an...) und wandelt diese dann ziemlich schnell ins Gegenteil um ;-)

Bolavens Plateau

Obwohl Attapeu sehr schön sein soll (Sie wird Gartenstadt genannt) sehen wir nicht viel Spezielles. So lassen wir uns nach dem harten gestrigen Tag etwas mehr Zeit zum Aufbrechen und fahren dann eine kürzere Strecke. Zuerst auf einer perfekten Strasse, doch als wir in Richtung Bolevans Plateau abzweigen, sind wir wieder auf einer unasphaltierten Strasse. Doch es ist ja Trockenzeit, kein Problem. Da gegen Abenddämmerung kein richtiges Dorf mehr auftaucht, übernachten wir kurzerhand in einem verlassenen Haus am Strassenrand. Es dauert keine Minute, bis neugierige Dorfbewohner auftauchen. Sie haben nichts gegen die neuen Bewohner, doch leider können wir nicht in Erfahrung bringen, weshalb das Haus verlassen wurde, zumal es offensichtlich nicht den Ärmsten gehört haben kann. Landflucht?

Aber trotz Neugierde fällt es extrem auf, dass Niemand uns all zu nahe kommt, oder gar unsere Räder anfassen will. Wir haben Vietnam eindeutig wieder verlassen!

Am nächsten Tag gehts dann wieder einmal richtig steil nach oben, wir haben wiederum über 1000 Höhenmeter zu erklimmen - diesmal auf Naturstrassen. Doch die Gegend ist wieder lohnenswert, viel Wald, wenig Zivilisation und richtig Bilderbuch-Wasserfälle, die wohl nocht nicht von vielen Touristen gesehen wurden. Unterwegs treffen wir bei einem Essen dann wieder auf zwei Radfahrer, aus der Schweiz und Deutschland. Sie sind auf einer mehrmonatigen Indien- und Südostasienreise mit relativ einfachen Rädern - und sie klagen über zuviel Gepäck, dabei haben sie doch nur halb so viel wie wir?!?

Immerhin erweist sich die zweite Hälfte der Steigung als ziemlich flach, und wir kommen um einiges schneller vorwärts als am Anfang. Dafür ist die Strasse echt übel für unsere ungefederten Räder. Sie war einmal geteert, aber jetzt sind nur noch einzelne, fest eingepresste Steine und Stücke vom Belag übrig, die zu dicht beieinander liegen, um sie zu umfahren. Später wird der Belag etwas besser, in der Mitte der Strasse ist er ziemlich gut erhalten, aber so voller Schlaglöcher, dass es manchmal schneller geht, neben der Strasse zu fahren, anstatt die Schlaglöcher zu umkurven. Und dort ist man dann wieder bei den Steinen... Dies hat dann zur Folge, dass sich die Schrauben, die das Ausfallende meines Rades festhalten sollen, lösen. Ich merke es aber rechtzeitig, bevor Getriebe, Rahmen oder Scheibenbremse einen Schaden nehmen können. Die Strasse soll bis nächstes Jahr übrigens erneuert sein, wie uns eine Frau erzählt. Sie lädt uns spontan zu ihrer Familie ein, um etwas Englisch zu sprechen. Sie bauen - wie fast alle auf dem Plateau - Kaffee an.

Nach einer Nacht in Pakxong, der Kaffehauptstadt der Gegend, kommt dann das Schokoladenstück: Eine Abfahrt über 1200 Höhenmeter, die über fast 50km ein konstantes Gefälle aufweist. Ohne Gegenwind hätten wir wohl nur in zwei kleinen Gegensteigungen kurz in die Pedale treten müssen. Doch auch so ist es so unglaublich einfach, dass wir fast auf den Bikes eindösen - etwas das einem als Radfahrer eigentlich nie passiert! Ausserdem wird es immer wärmer, die Regel ein Grad Celsius pro hundert Meter bestätigt sich hier auf eindrückliche Weise.

Unterwegs machen noch einmal einen Wasserfall-Halt. Doch dieses mal sind wir auf einer guten Strasse, und deshalb wimmelt es nur so von Touris, sie werden gleich Busweise hergekarrt. Und der Wasserfall ist noch nicht einmal wirklich schön... Dafür treffen wir gleich auf mehrere Radfahrer. Einmal ein Schweizer Mountainbiker, der eine Kollegin überredet hat, mit ihm den Mekong herunterzufahren. Sie haben kein Gepäck, sondern werden von der thailändischen Frau des Mountainbikers und einem Guide mit Begleitfahrzeug unterstützt. Eine etwas andere Art per Rad zu reisen... Und dann noch ein englisches Paar, das per Tandem unterwegs ist. Ausserdem probieren wir natürlich noch das Lokalgetränk: Kaffe Robusta!

Thailändische Grenze

Nach einer Nacht in Pakse - einer kleinen, aber doch etwas touristischen Stadt am Mekong - gehen wir dann Richtung Thailändische Grenze. Wir sind noch etwas skeptisch, Berichten zufolge können Thailändische Überlandgrenzen manchmal recht schwierig zu passieren sein. Es kann vorkommen, dass ein gültiges Flugticket für die Ausreise verlangt wird, obwohl man Geld und Kreditkarte, Visa für Nachbarländer etc. vorweisen kann. Es besteht der Verdacht, dass die Beamten einfach auf ein Bakshish aus sind.

Doch wir erfahren nichts dergleichen. Einzig mit unseren Bikes gibts kurz Verwirrung. Nachdem wir unsere Gratis-Vierzehntage-Stempel in den Pass geknallt kriegen und weitersgehen wollen, sagt man uns, dass wir noch unser Gepäck durch die Röntgenmaschine lassen sollen. Ich sage, mein Bike mit Gepäck stehe draussen. Ich werde angewiesen es zu holen, und als ich reinfahre fallen den Beamten fast die Augen aus dem Kopf! Der Mann an der Röntgenmaschine winkt nur Händeringend ab - er will wohl nicht zuviel Arbeit auf siche nehmen ;-)

Wieder einmal Thailand

Zurück in Thailand ist es uns schon fast zuviel Luxus. Alles ist günstiger, und erst noch besser. Die Strassen sind schon fast perfekt, jede hat eine Nummer, jeden Kilometer einen perfekt lesbaren (wenn auch meist in Thai beschrifteten) Kilometerstein mit Strassennummer, Mittellinie, meist super Belag. Fast überall gibts Essen, wenn auch nicht zu jeder Zeit, aber in Städtchen ist das Problem meist schon eher die zu grosse Auswahl. Auch kleine Supermarkets, Bankomaten und solcherlei findet man im Überfluss.

Irgendwie nimmt das der Reiserei schon etwas die Spannung. Doch wir sind ja hier nur unterwegs zu unserem Ziel: Dem Norden Südostasiens. Wenn wir erst einmal dort sind werden wir uns dann wohl zurücksehnen nach den luxuriösen Zeiten im Flachland Thailands! Als nächstes werden wir jetzt wieder nach Laos fahren, warhscheinlich über Vientiane (Hauptstadt von Lao DPR) und Luang Prabang, wo mich hoffentlich ein Paket erwartet. Doch vorerst folgen wir dem Mekong für einige hundert Kilometer. Das heisst wir fahren in dessen Nähe, denn die Uferstrassen auf die wir gehofft haben finden wir irgendwie nicht so recht. So sehen wir diesen Fluss eigentlich fast nur am Abend in den Ortschaften in denen wir übernachten. Naja, so gewaltig schaut er ja in der Trockenzeit eh nicht aus...