Richtung Norden, Richtung China

Dank verfrühtem Monsunanfang wird der Norden Lao's einer der härteren meiner Tour. Nach kurzer Zeit "Off-the-beaten-path" geraten wir nämlich immer wieder auf total verschlammte Baustellen, und haben unsere liebste Mühe vorwärts zu kommen. Das bessert sich leider auch Vietnam nicht. Schuld daran trägt wohl die Klimaveränderung, denn eigentlich sollte es noch nicht regnen...

Schmale Wege

Unsere Wartezeit in Luang Prabang hat endlich ein Ende, als ich mein chinesisches Visum abholen kann. Ich habe riesiges Glück: Statt der erwarteten 30 Tage kriege ich gleich deren 90! Ich strahle vor Glück, endlich kann ich meinen Reise wieder ein bisschen planen! Nur der Tourist Agent, der mir das Visa organisiert hat, ist unglücklich, er weiss jetzt gar nicht mehr was er seinen Kunden verkaufen kann ;-)

Michi und ich haben inzwischen auch etwas genug von den Hauptstrassen und den bekannten Routen. Wir habe auf einer einzigen unserern fünf Laos-Karten - inklusive Kopien und Reiseführern - einen Fahrweg für Motorräder gefunden. An den Ausgangsort kommt man nur per Schiff. Danach erwarten wir mehrere Tage ohne nennenswerte Zivilisation. Klingt etwas riskant - wenn die Karte nicht stimmt müssen wir zurück - aber eben auch interessant. Andere Touristen gibts in einer solchen Gegend wohl kaum!

Als wir das Schiff buchen erfahren wir dann, dass der Weg wirklich fahrbar sei. Aber der Junge der uns Auskunft gibt und der ursprünglich vom Ort wo die Piste beginnt herkommt, schaut uns nur an als wären wir verrückt! Egal, wir machen uns trotzdem auf den Weg.

Unser Schiff bleibt ziemlich leer, und wie immer ist es überhaupt kein Problem unsere Räder darauf zu verstauen. Neben uns füllt sich ein anderes Schiff mit Horden von Touristen. Diese gehen eine Höhle anschauen, und müssen auf unbequemen Holzstühlen sitzend für eine halb so lange Fahrt doppelt so viel bezahlen, während wir gemütlichste Buss-Sessel für uns haben ;-)

Nach etwa drei Stunden werden wir irgendwo am Mekong-Ufer abgeladen, und wir schauen uns mal etwas unsicher an. Nach viel schauts hier ja schon nicht aus, und als erstes können wir unsere Räder gleich über den Sand am Mekong schieben! Wir kriegen noch eine letzte Nudelsuppe im Stand neben der Schule. Dabei werden wir von Englisch-Lehrern, die an diesem Ort ihr Praktikum absolvieren, angesprochen. Einer kann uns sogar ziemlich klar sagen, wie lange man per Moto hat, und auch, dass er eher unsicher ist, wie lange das per Rad geht. So eine klare Aussage kriegt man sonst selten in Asien!

Danach gehts los, am Anfang noch auf Wegen, die eigentlich sogar per Allrad fahrbar wären. Schnell lässt aber die "Strassen"-Qualität nach, und der Weg wird zum Teil extrem schmal und krass Steil. Öfters bleibt uns nichts anderes übrig, als zu Schieben. Einige Male muss mir Michi sogar zu Hilfe kommen, denn alleine schaffe ich es nicht mehr, mein schwerer bepacktes Rad hochzuhieven. Dennoch macht das Fahren hier richtig Spass, denn die Einspur-Wege bestehen aus ausgefahrenem Schlamm und sind fast steinfrei. Man kann so richtig darübersauen! Fast schade dass wir mit Gepäck unterwegs sind ;-)

Immer wieder kommt es dann zu interessanten Situationen. Manchmal kommen wir zu einer Brücke, die aus Bambus geflochten ist. Die erste Überquerung schickt ein ziemlich mulmiges Gefühl voraus, doch die Brücken halten hervorragend. Das müssen sie ja auch, Motos und sogar die zweirädrigen Landwirtschafts-Multifunktions-Traktörchen der lokalen Bauern befahren sie.

Einmal werden wir von dutzenden von Dorfbewohnern bestaunt während ich einen Platten flicken muss - ein Postitch hat seinen Weg durch meinen Ultra-Unplattbaren Reifen gefunden... (natürlich ich, nicht Michi, irgendwie ziehe immer ich die Platten an ;-/ Naja, dafür habe ich kaum andere Probleme)

Am schrägsten ist es aber, wenn Dorfbewohner - durchaus auch in unserem Alter - regelrecht in Panik vor uns davonrennen. Wir fragen uns, was sie wohl in uns sehen? Geister? Oder waren die letzten Begegnungen mit Westlern solche mit Soldaten? Oder ist es einfach, weil wir so extrem beladen und gekleidet sind? Auf jeden Fall kriegen wir schon fast ein schlechtes Gewissen! Selbst freundliches Lächeln und offensichtliches Nichtverfolgen hilft manchmal nicht.

An anderen Orten werden wir regelrecht eingeladen, sogar gestoppt, um uns Essen anbieten zu können - und natürlich die Neugierde zu befriedigen. Die Kommunikation übernehmen dabei die Dorfältesten Frauen. Für Klebreis und Gemüse müssen wir nicht einmal bezahlen, eine wohltuende Abwechslung zu den Instant-Nudelsuppen die wir hier sonst essen. Auch einen Schlafplatz zu finden ist kein Problem. Immer wenn wir fragen, ob wir unser Zelt im Dorf aufstellen dürften, werden wir schon fast zwangsweise zum Gast in einem der Häuser. Wir stellen fest, dass so ein aus Bambus geflochtenes Stelzenhaus richtig bequem und gemütlich ist. Eine Matraze braucht man kaum, denn das Haus hat einen federnden Boden. Einziger Nachteil an einer solchen Übernachtung: Hier lebt und schläft man eng beieinander, praktisch nie hat man Ruhe. Mal schreit ein Kind, dann bellt die Hundemeute, und die Hähne sind auch immer überpünktlich (Morgens um Halb Vier, aaaargh!). Für unseren Geschmack sind die Häuser auch zu dunkel, denn sie haben kaum Fenster. Aber dass scheint in Laos auch bei Neubauten aus Holz oder Beton so sein zu müssen?!?!

Ein Nachmittag wird dann ziemlich lustig. Wir machen gerade auf einem Stapel Baumstämmen eine kleine Pause, mit Erdnüssen und Weinbeeren als Snack. Natürlich geht es nicht lange, bis die Dorfbewohner uns entdecken - und diese Neuentdeckung gleich in Scharen bewundern. Wir verteilen ein paar der Beeren und Nüsse, und als Folge davon werden wir eingeladen - zu was verstehen wir nicht. Die Leute machen eine Geste, bei der sie etwas vor den Mund halten, saugen und irgendwie mit den angewinkelten Armen wedeln. Wir erwarten schon fast, eine Opiumpfeife zu sehen, als wir die kleine Bambushütte betreten in der sich alle versammelt haben - hier sind wir schliesslich mitten im Goldenen Dreieck, wie die Anbauregion genannt wird.

Zum Glück ist es dann nur halb so wild, die Leute haben uns zu selbstgebrautem "Lao Lao" oder "Beer Lao" eingeladen. Das Getränk wurde in einem Tontopf vergoren, und getrunken wird es mit Bambusröhrchen. Da man ziemlich kräftig ziehen muss, haben die Leute wohl damit angefangen, dabei diese Armwedelgeste zu vollführen ;-) Es geht reihum, immer zwei oder drei Leute trinken, und eine Frau kontrolliert, dass auch genug getrunken wird, indem sie die Menge des nachgefüllten Wassers mit einem Becher abmisst. Nach ein paar Runden sind wir dann ziemlich angeheitert, und stellen fest, dass das Gesöff wohl eher Reiswein als Reisbier sein muss. Die Stimmung wird immer ausgelasserner, die Leute haben richtig Freude als Michi auch noch seine Kamera hervorholt und ein paar Fotos schiesst. Das ist etwas, das sonst eher schwierig ist, die meisten der hier ansässigen Stämme mögen Fotografiert werden überhaupt nicht! Später verziehen sich dann immer mehr aus der Runde, und wir fahren so gut wir noch können bis zum nächsten Dorf, wo wir auf dem Fussballplatz unsere Zelte aufschlagen.

Auch gegenseitige Hilfe scheint hier noch normal zu sein. Ein zufälliger Passant hilft mir zum Beispiel, mein Rad zu schieben. Er ist als Träger unterwegs. In seiner Tragekratte hat er auch zwei Webstuhl-Schiffchen dabei, die er wohl zur Reparatur gebracht hat. Er freut sich ehrlich, als ich ihm für die Hilfe einen Pack Kekse schenke. Und wir sind ziemlich baff, als wir das ältere Männchen noch über dreissig Kilometer später wiedersehen, denn diese Wege sind selbst zu Fuss nicht gerade ein Zuckerschlecken!

Leider hat uns dieser Weg in einem nichts genützt: Er führt uns nicht aus der Brandrodungszone heraus. Eher im Gegenteil, manchmal sogar mitten in eine hinein. Wir müssen erkennen, wie gefährlich Rauch sein kann. Wenn einem durch Fahren oder Schieben bereits die Luft ausgeht, und diese dann noch rauchig ist, stellt einem schon fast die Lunge ab! Ein paar Male haben wir richtig Glück, dass der Wind vom Weg weg in Richtung Rodungsfeld bläst. Sonst bliebe einem nur Abwarten...

Regen

Fast zu schnell ist das Offroad-Erlebnis dann vorbei! Wir kommen zurück auf eine Hauptstrasse, und sind kurze Zeit später in Udom Xai - wir haben schon ganz vergessen, wie unanstrengend Radfahren sein könnte! Denn die zweite Hälfte der Piste bestand aus Strassen voller Staub und Steine, weil auch für Vierrad-Fahrzeuge befahrbar. Das ist einiges übler als einfach Steile Wege für Motos! Die ganze Zeit schüttelt es, selbst abwärts kommen wir nur langsam vorwärts, und sind am Schluss trotzdem erschöpft. Auch die Räder mögen diese Behandlung nicht, jeden Tag gibt's ein paar Schrauben zum Nachziehen und die Kette quietscht auch wieder, kaum hat man sie geschmiert.

Da ich mir unterwegs einen Schnupfen geholt habe, und ein Regen in der Nacht unsere Motivation dämpft, legen wir in Udom Xai gleich einen Ruhetag ein. Leider kommt der Regen in der nächsten Nacht zurück, was unsere Pläne, noch eine weitere solche Piste zu fahren, vereitelt. Denn mit schlammigen, rutschigen Wegen sind diese absolut unpassierbar!

Dafür begegnen wir dann Pablo und Tom (link folgt). Der argentinisch-spanische Doppelbürger Pablo ist schon seit acht Jahren am Radfahren! Ihn sehen wir aber nur kurz, er geht per Bus nach Luang Prabang, um sich ein Vietnam-Visum zu holen und dann auch auf unserer geplanten Route weiterszufahren. Wir verbringen einen gemütlichen Tag mit Vorräten suchen, Fruchtshakes geniessen und entdecken eine neue Leibspeise: Baguette mit Kondensmilch! Gibt's hier in mobilen Ständen (Ein Fahr- oder Motorrad mit Seiten- oder Frontwagen) zum Spottpreis. Wir kaufen gleich alles Zubehör, um uns die leckere Energiebombe unterwegs selbst zu bereiten!

Weil wegen Regen alle anderen Alternativen sinnlos wären, beschliessen wir direkt nach Vietnam zu fahren. Wege aus flachgepresstem Schlamm sind nur in trockenem Zustand überhaupt befahrbar. Nass fühlen sie sich an, als würde man auf einem Seifenblock fahren. Schlecht für Steigungen und Gefälle - und daraus bestehen solche Wege fast ausschliesslich.

Der erste Tag ist superlocker, doch danach artet die Weiterfahrt dann in eine extreme Schlammschlacht aus, denn die Strasse zur Grenze ist im Bau, und auch noch ziemlich Steil. Der Regen in der Nacht tut sein übriges, und wir sind schon fast so häufig am Schutezbleche freikratzen wie am Fahren. Doch nur so bringen wir unsere Räder noch zum Drehen. Immerhin haben wir Glück, dass wir jeweils rechtzeitig an die Baustellen kommen, denn diese werden öfters für Stunden gesperrt.

Auf die Frage, weshalb es eigentlich schon Regen gebe, antworten uns viele, dass das wohl ein verfrühter Monsunanfang sei. Mit den Klimaveränderungen sei der Anfang leider immer schwerer vorauszusagen. Wir treffen an einem Ort auch noch einen Ökonomen, der zu Sowjet-Zeiten in Kiew studiert hat. Er ist für den laotischen Staat unterwegs, um der lokalen Bevölkerung die Probleme und Folgen der traditionellen Brandrodung aufzuzeigen. Seiner Meinung nach aber ein aussichtsloses Unterfangen, wenn man den Leuten keine Alternativen anbieten kann!

Vietnam

Als wir nach einer langen, zum Glück nicht mehr so schlammigen Piste, endlich den laotischen Zoll erreichen, ist Niemand dort. Ab und an läuft Jemand durch, sagt Hallo und verschwindet. Wir überqueren also die Grenze, und essen eine letzte laotische Nudelsuppe im Niemandsland. Als endlich doch noch ein Zöllner kommt - knapp bevor wir uns den Stempel kapern und die Sache selbst in die Hand nehmen - ist die Geschichte dann schnell erledigt. Der Vietnamesische Zoll wäre nur ein paar Kilometer weiters. Doch leider ist dazwischen eine Baustelle, und diesmal kommen auch wir nicht durch, denn ein Bagger schaufelt gerade grosse Felsen auf die Strasse. Ein Gewitter zieht auch noch auf, also nichts wie zurück zum Nudelsuppenstand für unsere definitiv letzte laotische Nudelsuppe. Dadurch wäre natürlich auch das Verhalten der laotischen Zöllner erklärt, denn als die Baustelle öffnet, fängt auch der Betrieb an...

Die vietnamesischen Zöllner sind nicht schlecht erstaunt, als sie unsere zwei schlammigen Gestalten sehen, und wollen uns - wohl verständlicherweise - gar nicht ins Zollgebäude lassen. Aber sie sind sowieso mehr daran interessiert, unsere restlichen laotischen Kip mit Gewinn zu vietnamesischen Dong zu machen. Wir spielen nicht mit, und nach mehreren Verhandlungsrunden kriegen wir dann einen anständigen Kurs. Die Pässe gibts dann kurz später auch noch zurück...
 
Wir sind froh, dass wir trotz Verletzung der Border Zone vor ein paar Wochen noch nach Vietnam dürfen, und machen uns auf den Abstieg. Der Grenzübergang liegt nämlich - wie so häufig - zuoberst auf einem Berg. Die Strasse ist endlich wieder geteert, wenn wir auch kaum Gelegenheit kriegen die Bremsen loszulassen, denn immer wieder hat es Steine und Schlaglöcher auf der Strasse. Es wird wohl noch ein paar Jahre dauern, bis dieser Übergang richtig zum Leben kommt.

Krass ist der Unterschied zum benachbarten Laos. Wir sehen schon vom Berg aus viel Industrie und Verkehr, aber auch mehr grüne Hänge. Die Leute erweisen sich dann - wie schon in Zentralvietnam - als viel kontaktfreudiger. Die Frauen scheinen wieder dauernd mit einem zu Flirten, und die Männer rufen auch alle Hallo - auf eine Art, die wir von zu Hause her eigentlch als Schwul abstempeln würden. Aber hier scheint das die Norm zu sein. Vielleicht sind auch die flirtenden Blicke der Frauen nicht so gemeint wie wir sie verstehen?

Ein weiterer Gegensatz zum eigentlich viel ärmeren Laos erstaunt uns: Viele, meist Frauen, sind hier noch in traditioneller Stammeskleidung unterwegs. Sie tragen schwarze oder bunte Trachten, häufig hochgesteckte Frisuren - und witzigerweise tront darüber meist ein Vietnamesenhut oder ein Helm. Hier sind auch mehr Leute als in Zentralvietam per Fahrrad oder mit den berühmten Körben an der Schultertragestange unterwegs, aber die Tendenz ist ebenfalls klar abnehmend.

Wir kommen gegen Abend in Richtung Dien Bien Phu, und sehen die schönen Karstberge zum ersten Mal ohne Regen- oder Brandwolken. Leider ist es schon kurz vor Eindunkeln, und so wird wieder einmal nichts aus guten Fotos. Als wir voll verdreckt in ein Hotel in Dien Bien Phu einchecken, wird uns gleich ein Waschplatz zugewiesen. Wir sind mehr als eineinhalb Stunden mit Taschen- und Radwäsche beschäftigt, und heilfroh über das Angebot der Hotelbesitzer.

Dien Bien Phu ist vorallem bekannt für eine unsägliche Schlacht, die den Niedergang der Franzosen in Indochina (wie Vietnam damals genannt wurde) einläutete. Grauenhaft, aber nicht wirklich interessant. Wir decken uns nach kurzer Besichtigung mit Erdnuss-Honigwaffeln, Baguettes, Bananen und Kondensmilch ein (lecker, lecker, lecker) und sagen Adieu.

Mehr Schlamm und Navigationschaos

Nur einen Tag später - gerade noch etwa fünf Kilometer vor unserem geplanten Ziel - kommen wir schon wieder auf eine Baustelle - die schlimmste, die uns bisher begegnet ist. Die Piste endet einfach in einem riesiegen Acker voller Busse, Motos und Baufahrzeugen. Es scheint kein Konzept zu geben, wer wo durchfahren soll, oder wann die noch knapp befahrbaren Spuren in welche Richtung befahren werden dürfen. Unsere frisch geputzten Räder sind natürlich schon nach hundert Metern kaum wiederzuerkennen!

Als wir endlich in den anvisierten Ort Muong Lai kommen, wissen wir nicht einmal genau, ob wir jetzt richtig sind. Denn auf unseren Karten heisst er noch Lai Chau. Denn die Vietnamesen haben - aus einem uns unbekannten Grund - die Ortsnamen durcheinander gewürfelt. Plötzlich ist eine Stadt achtzig Kilometer weiters als auf unseren Karten, oder an einem völlig anderen Ort in der Region. Dass sich viele der Namen sonst schon ähnlich sind hilft uns ebenfalls nicht gerade...

Deshalb fahren wir fälschlicherweise weiters, und die Baustelle geht auch weiters. Kurz nachher habe ich - natürlich mitten im Schlamm - auch noch einen Platten. Später stellt sich heraus, dass ich wohl das kaum mehr dichte Ventil ungenügend angezogen habe. Auf jeden Fall eine Riesensauerei und -Putzerei, bis mein Rad wieder fahrbar ist.

Kurz darauf kommen wir dann wieder an eine Baustellensperre, und erfahren von einem Guide einer Touristengruppe (natürlich im 4WD), dass wir wirklich schon zu weit sind, nächster Ort mit Hotel - eben das heutige Lai Chau - in achtzig Kilometern... Mehrere Stunden nach der ersten Durchfahrt von Muong Lai checken wir dann also müde, demotiviert und verdreckt im einzigen Hotel des verstaubten Käffchens ein. Natürlich nützt dieses sein Monopol gnadenlos aus, das billigste Zimmer (ein Drecksloch) kostet immer noch 15$! Keine Riesensumme, aber totale Abzocke in diesem Land...

Am nächsten Tag geht unsere Taktik, vor Arbeitsbeginn loszufahren dann auf, und wir kommen ziemlich gut vorwärts. Wohl hauptsächlich, weil endlich mal kein Regen mehr gefallen ist. Da wir schon vor Tagesanbruch aufstehen, reichts sogar noch für eine Nudelsuppe vorher. (Habe ich schon erwähnt, dass diese die wohl beste Radfahrermahlzeit darstellt? )

Nun wird die Strasse zum Nordzipfel Vietnams zum Teil recht verlassen und hügelig, und wegen diesen seltsamen Namensveränderungen auch extrem schwierig zu navigieren. Es ist ein richtiges Logikpuzzle, das nur mit etwa vier verschiedenen Karten und Reiseführern und dauerndem Nachfragen zusammengesetzt werden kann. Zusätzlich ist man in Vietnam gezwungen, jeweils in Hotels zu Übernachten und sich zu registrieren, wir wollen also Fehler möglichst vermeiden!

In Phong To entdecken wir noch eine Verbesserung von unserem neuen Lieblingssnack. Die Vietnamesen machen aus alten Baguettes nicht nur getoastete Sandwiches, sie füllen sie auf Wunsch auch mit Kondensmilch. Das ist schon fast zu gut für ausgehungerte Radler ;-)
In Lai Chau finden wir noch eimal ein superfreundliches Hotel, in dem wir unsere Räder wieder putzen dürfen. Wir hoffen, dass es dieses Mal etwas länger vorhält!

Als wir gegen Sa Pa kommen, löst sich das Namenschaos langsam auf, und alles wird wieder, wie es sein soll. Sa Pa ist ein Touristenort neben dem Phan Si Pan, dem mit 3143m höchsten Berg Vietnams. Daneben führt vorbei der Wolkenpass (ca. 1900müM) vorbei, über den wir noch müssen. Da wir wieder kaum an Infos kommen, riskieren wir, an diesem letzten Fahrtag vor einer verdienten Ruhepause etwas zwischen 75 und 135 Kilometer zu fahren, inklusive etwa 1800 Höhenmeter. Am Schluss sind es glücklicherweise nur 75 Kilometer ;-)

Dafür kriegen Michi und ich in der ersten Nacht in Sa Pa noch Durchfall, nur geht der bei Michi schnell weg. Ich halse mir dazu noch Erbrechen und Fieber auf. Natürlich geschieht so was immer in einem Touri-Ort... Es schaut so aus, als wäre für mich wirklich eine Pause angesagt! Michi geht derweil weiters, da unsere Wege sich sowieso spätestens im nahen China getrennt hätten.