Ein Jahr unterwegs

 One year on the road
birthday cake ;-)

Ja, jetzt bin ich wirklich schon ein ganzes Jahr unterwegs. Ich kann es selbst noch kaum glauben. Im Moment ist es ein ziemliches auf und ab. Ich bin manchmal alleine, und mehrmals mit verschiedenen Leuten unterwegs, meine Verdauung macht mir Probleme und ein langersehntes Paket wird von Beamten willkürlich festgehalten. Dafür komme ich den Bergen immer näher, jeden Tag den ich fahre wird die Landschaft schöner!

Unterwegs nach Kunming

Mit Peres, dem Katalonier, fahre ich noch das letzte Stück nach Kunming. Wir bewegen uns leider auf immer grösseren Strassen der Grossstadt zu. Einmal haben wir das Gefühl, schon angekommen zu sein, doch wir sind noch gute 20  Kilometer entfernt und in einer Vorstadt. Wir folgen der Ausschilderung und geraten auf eine der schlechtesten Strassen, die wir in China bisher gesehen haben. Denn all die total überladenen Lastwagenn folgen auch dieser Stasse. Man sieht ihnen die Überlast an, sie kommen  kaum über die kleinsten Hügel, die Reifen sind unten richtig ausgewölbt und müssen mit Wasser gekühlt werden.

Ab und an geraten wir auch in einen Stau. Häufig ist ein Lastwagen stehengeblieben. Geplatzter Reifen, geplatzter Kühlschlauch oder Schaden im Antriebssystem sind die Hauptursachen. Niemand regelt den Verkehr, Autos versuchen vorzudrängeln, obwohl ja offensichtlich kein Durchkommen ist, und so kommt man manchmal sogar als Radfahrer kaum mehr weiters. Eine andere Stauursache ist die Strasse selbst. Weil sie konstant überlastet ist - wegen dieser schweren Lastwagen - muss sie auch konstant repariert werden. Dann wird einfach ein Teilabschnitt für ein paar Stunden einseitig gesperrt und neu geteert...

Auf der nebenanliegenden Autobahn wäre das alles natürlich anders, aber genau wie die überschweren Lastwagen dürfen Radfahrer diese nicht benutzen. Und hier verstehe ich das auch, denn es hat keinen Pannenstreifen. (In anderen Ländern fühlte ich mich auf der Autobahn sicherer, weil ich im Gegensatz zu Hauptstrassen den Pannenstreifen als eine eigene Fahrspur für mich hatte...)

So quälen Peres und ich uns also durch Staub, schwarzen Dieselqualm, ohrenbetäubendes Gehupe und Schlaglöcher nach Kunming. Es wird immer schlimmer, bis wir irgendwann nach dem Weg ins Zentrum fragen - nur so zur Sicherheit. Und Jemand weist uns einen anderen Weg. Perfekt geteerte, dreispurige Strassen mit Radfahrerstreifen - hätten wir das nur schon vorher gewusst! (Meine Lunge schimpft jetzt noch ab und an mit mir deswegen...)

Kunming

Dafür wartet - kaum im Zentrum - die nächste Überraschung auf mich. Ich kriege eine erneute Durchfallattacke. Es reicht gerade noch ins nächste Hotel, der Preis ist mir schnurzegal (und deshalb ziemlich hoch), hauptsache ein Ort wo ich mich in Ruhe zusammenrollen kann und eine eigene, saubere Toilette habe (keine Selbstverständlichkeit in China). Die Symptome sind dieselben wie in Vietnam, aber diesmal kriege ich wenigstens kein Fieber und nach einem Tag Ruhe bin ich wieder halbwegs Fit. Ich bin aber doch sehr froh, dass Peres dabei ist - alleine hätte ich in den Hotels über den Preis verhandeln müssen, die Leute nach dem Weg fragen etc. Und das alles mit Magenkrämpfen :-(

Die Stadt selbst interessiert mich eigentlich nicht gross. Sie ist eine der austauschbaren Grossstädte Chinas. Wenn nicht so viele Chinesen dort rumlaufen würden, und nicht alles so seltsam angeschrieben wäre, könnte man überall auf der Welt sein. Es ist ein Riesengegensatz zum ländlichen China, das ich bisher meist gesehen habe. Die Leute scheinen hier richtig Geld zu haben - zumindest viele davon. Überall sieht man riesige Banken, Hotels und Geschäfte in denen Luxusartikel verkauft werden. Natürlich sieht man, wenn man etwas in die Hintergassen oder in die Aussenquartiere geht, immer noch viele ärmere Leute. Sie haben vielleicht einen kleinen Suppenladen. Und wenn man genauer hinschaut sieht man, dass der Raum in dem man isst gleichzeitig auch das Wohnzimmer dieser Leute ist, und ihr Schlafzimmer der Verschlag, der oben in die Ecke gequetscht ist. Aber im Vergleich zu den Lebensumständen von Leuten, die auf dem Land leben, ist dieses Leben dennoch ein Quantenssprung.

Interessant ist auch der Verkehr - ich habe es ja schon im letzten Blogeintrag  erwähnt. In ganz China  wurden MILLIONEN von Zweitaktfahrzeugen mit Elektromotoren ausgerüstet. Jetzt sieht man nur noch Roller mit Elektromotoren. Und weil die Stückzahlen den Preis so weit nach unten getrieben haben, werden jetzt auch Fahrräder und sogar Ricksschas von - man höre und staune - Müllsammlern! umgerüstet auf Elektroantrieb. Und ich meine von Pedalantrieb auf Elektroantrieb! Natürlich werden die Batterien über Nacht immer noch von Kohlekraftwerken aufgeladen. Aber die Effizienz ist dennoch besser als Millionen von schlecht gewarteten, übelsten Stinkmotörchen. Und erst recht die Luft! Es ist schon fast sauber hier. Ganz zu schweigen vom Lärm, man hört nur noch leises Summen, normale Automotoren und ab und an einen Bus. Lastwagen dürfen anscheinend nicht in die Stadt. Hier hat ein zentralistisches Einparteien-System wirklich Vorteile. Wenn es Handlungsbedarf erkannt hat, kann es sich viel besser durchsetzen als unsere trägen Demokratien...

Sich mit dem Fahrrad durch die Stadt zu bewegen ist übrigens super. Obwohl tausende von Zwei- und Dreiradfahrzeuge aller Art unterwegs sind, fühlt man sich hier ziemlich sicher. Die Auto- und Busfahrer sind sich die Zweiräder einfach gewohnt, und weil der Verkehr eh ziemlich chaotisch ist, ist man hier auch immer darauf gefasst, bremsen zu müssen. Man sieht eigentlich auch kaum Aggressionen im Verkehr. Für was auch? Wenn man dann etwas genauer schaut, sieht man auch, dass der Verkehr ziemlich systematisch ist. Es gibt überall auf den grossen Kreuzungen Markierungen, auf denen man als Zweiradfahrer wartet zum Abbiegen. Etwas komisch, wenn überall um einen herum Autos vorbeirauschen während man dort wartet, nur durch ein paar auf dem Boden aufgemalte Zeichen vom restlichen Verkehr "getrennt".

Mein Hauptziel in der Stadt ist es, einen Flug nach Hause zu buchen. Das erweist sich allerdings als ziemlich schwierig. Ich will ja eigentlich mein Rad mit demselben Flug transportieren, nicht per Kurierdienst. Damit sind alle Ticket-Offices am Flughafen komplett überfordert - sie müssten das abklären, es sei unmöglich (obwohl in den Bedingungen der Airline anderes steht) oder sie haben schlichtweg kein Interesse...

Die Offices in der Stadt nützen mir auch nicht viel. Meist kann eh Niemand Englisch sprechen, und wenn dann buchen sie nur inländische Flüge, oder nur Flüge von Kunming, nicht von einer anderen Stadt. Das einzige gute Ticketoffice ist umgezogen. Als ich es dann endlich gefunden habe, können auch die mir nicht weiters helfen. Für die Abklärungen zum Rad müssen sie - wie ich auch - auf eine Hotline anrufen, die wegen der isländischen Vulkaneruption dauer-überlastet ist. Und sowieso dauert es mindestens eine Woche, um eine Confirmation (Bestätigung) für das Fahrrad zu kriegen. So lange will ich doch nicht warten!?!?

Schlussendlich entscheide ich mich für den einzigen Flug der Region, der von einer Nicht-Asiatischen Airline durchgeführt wird - Chengdu nach Amsterdam mit KLM. Dass sie im Juni noch vergünstigung haben kommt mir natürlich auch sehr gelegen ;-) Natürlich nur bei Onlinebuchung, perfekt, dass will ich ja. Und für das Rad ruft man einfach auf einer Hotline an (die trotz hoher Belastung wegen besagten Vulkanes erreichbar bleibt), und die Sache ist in ein paar Minuten erledigt - hoffe ich auf jeden Fall. Beziehungsweise werde ich sehen wenn ich dann in Chengdu bin...

Das ändert meine Reisepläne ein bisschen, eigentlich wollte ich Ende der ersten Juli-Woche von Xining oder Lanzhou fliegen Aber für ca. 1000 Franken günstiger eine Woche früher von Chengdu fliegen finde ich auch OK, selbst wenn ich dann mein Visum nicht voll ausschöpfe ;-) Ach ja, das heisst ich fliege am 30. Juni von Chengdu nach Amsterdam, und fahre dann nach Hause. Noch ein paar Wochen, um mich an Europa anzuklimatisieren...

Unterwegs nach Dali

Ich verlasse Kunming ohne Peres. Er fuhr vor drei Jahren - als die Strecke nach halbwegs offen war - nach Lhasa, und will deshalb nicht nach Dali sondern weiters nach Westen. Ich bin erst ein paar Stunden unterwegs, als ich auch schon auf Henry und Kevin treffe. Sie sind auf ihrer ersten Tour und kommen aus China, genauer Hong Kong und Shenzen im Falle von Henry, Kevin kommt aus Taiwan. Sie sind natürlich unterwegs zum Friendship Highway nach Lhasa, Chinesen dürfen - schliesslich gehört Tibet ja jetzt den Chinesen...

Wir treffen unterwegs auf noch einmal zwei chinesische Radler, unterwegs auf einer around China tour, 40'000 Kilometer in einem Jahr. Sie sind gut dran, haben in knapp fünf Monaten bereits 20'000km hinter sich gebracht! Dagegen sehe ich noch fast wie ein Grünling aus ;-) Wenn ich  dann aber höre wie lange sie pro Tag unterwegs sind, erlischt der Drang schneller zu werden sofort wieder. Meist fahren sie bis weit in die Nacht. Da geniesse ich die Landschaft und das Reisen doch lieber! Sie reisen auch mit Minimalgepäck, ihr Rad lässt sich leicht mit einer Hand hochheben. Es nimmt mich allerdings wunder, ob diese Strategie in den Bergen oder in der Mongolei wirklich aufgeht. Ach ja, und auf jeden Fall heisst es, fahren bis zum nächsten Hotel, während ich mich darauf freue, auf den hohen Pässen im Freien zu übernachten.

Die Strassen werden immer besser, und das Wetter "bergiger". Das heisst in erster Linie wechselhaft und kühler. Wir kriegen ein "Empfangskomittee" aus Wolken und kurzen, aber wiederholten Regengüssen. Ausserdem wird die Luft spürbar trockener - wir befinden uns inzwischen auf etwa 2'000 Metern über Meer. Zusammen mit den eingeatmeten Abgasen entwickle ich einen lästigen Husten, der mich manchmal Nachts plagt. Ich fahre jetzt mehr mit Atemmaske, auch wenn die Momente in denen ich gezwungen bin Qualm einzuatmen kurz sind. Dennoch braucht es Zeit, bis sich meine Lunge erholt. Wir haben auch einige Steigungen zu bewältigen, die den zwei Chinesen noch ziemlich zu schaffen machen. Für mich scheinen sie nach Laos, Vietnam und Südwestchina ziemlich angenehm, meist nur ein paar hundert Höhenmeter, und immer schön unter 10% Steigung.

Das Reisen mit den zwei Chinesen ist superbequem. Alle Probleme erledigen sich von selbst, ich kann beim Essen auch ganz genau sagen wie ich etwas zubereitet haben will (normalerweise zeige ich einfach auf etwas und schaue was herauskommt ;-), und wir finden nicht nur ein Hotel, sondern können genau die passende Gegend und Preislage aussuchen. Auch für Details wie einen anderen Preisplan für mein Mobiltelefon sind sie eine unschätzbare Hilfe, und natürlich macht es auch Spass, in einer Gruppe zu fahren. Andererseits komme ich auch viel weniger in Kontakt mit Einheimischen, sie sind viel zurückhaltender als wenn ich alleine bin. Und nach dem Weg fragen sie schon gar nicht, Kevin hat sein GPS dabei. Wobei ich manchmal viel schneller weiss, wo die Strasse weitersführt, mit der Zeit hat man einfach den Riecher und Richtungssinn dafür ;-)

Dali

Dali ist ein komischer Ort. Ursprünglich war Dali ein kleines verträumtes Dörfchen in der nähe eines Sees und den ersten Ausläufern der grossen Berge. Dann fand eine chinesische Tourismusbehörde heraus, dass dieses eine für die Gegend typische Architektur aufweist. Und seit dann ist die Hölle los. Chinesen fallen in Scharen ein, und Lonelyplanet-Touristen auch. Natürlich ist die alte Stadt viel zu klein geworden, rundherum wurde eine "New Old Town" gebaut, also Reihenhäuser im pseudo-alten Stil, mit den geschwungenen Dächern und schöner Bemalung auf den weissgetünchten Wänden.

Ausserdem gibt es noch New Dali, eine richtige Stadt, die etwa 20 Kilometer entfernt am Ende des Sees liegt. Dazwischen wird alles mit Siedlungen. riesigen Hotels und Pseudo-Sehenswürdigkeiten zugepflastert, bis die Gegend ihren ursprünglichen Charakter komplett verliert. Die Chinesen scheint das nicht zu stören, die meisten haben sowieso nicht die Zeit, ihren Aufenthalt wirklich zu geniessen, sondern machen hier nur einen kurzen Stopp, mit Shopping und Fotografieren (Jeder hat eine superluxuriöse Riesenkamera, aber keine Ahnung vom Fotografieren...)

Wenn man etwas sucht, findet man trotzdem schöne Orte, man muss nur etwas in die Seitengässchen gehen und sieht, wie Dali wohl einmal ausgeschaut haben könnte. Ich bin allerdings nicht in grosser Sightseeing-Laune. Der Hauptgrund um hierher zu kommen ist ein Paket, dass ich an ein Hotel in der Stadt adressiert habe - die Adresse der Post habe ich nicht herausgefunden. Es enthält meinen warmen Schlafsack und neue Reifen - Notwendigkeiten für die Berge.

Nachdem das Paket leichte Verspätung kriegte wegen ein paar Missverständnissen mit dem Tretlager-Team, noch etwas mehr Verspätung wegen des Vulkanausbruchs in Island, kommt der Hammer, als TNT mir mitteilt, dass das Paket am Zoll blockiert ist. Zuerst muss ich eine Kopie meines Passes liefern. Einen GANZEN Tag später dann eine Kopie des Visums (wäre ja auch gleichzeitig gegangen???). Wieder einen Tag später kommt dann die Zahlungaufforderung für die Einfuhrsteuer, ich solle rennen, die Beamten am Zoll arbeiteten nur noch 50 Minuten. Gemacht getan, ab in die nächste Bank - und welch Überraschung, es funktioniert. Am nächsten Tag heisst es, nein das Paket sei leider trotz gegenteiliger Versprechungen immer noch blockiert, aber man tue alles um es zu befreien. Natürlich geschieht nichts dergleichen. Und nun haben die Beamten auch noch drei Tage frei, es ist nämlich erster Mai, Tag der Arbeit. Dieser dauert in China drei Tage, die für Verwandtenbesuche und Reisen verwendet werden.

Eigentlich wollte ich bereits zwei Tage vorher weg sein, denn nun wird Dali erst recht überrant - man hat die Zunahme an Touristen schon in den letzten Tagen bemerkt. Doch leider kriege ich auch noch Durchfall, also ist ein Ruhetag angesagt. Da die Symptome die selben sind wie die letzten zwei Male, ist ein Untersuchung angesagt. Im Hotel kriege ich die Auskunft, dass ich für einen Englischsprechenden Arzt nach New Dali fahren muss und kriege gleich Anweisungen für die Busfahrt und einen Zettel mit ein paar chinesischen Sätzen - damit der Taxifahrer weiss wohin ich will, und die Leute im Spital dass ich einen Arzt mit Englischkenntnissen suche.

Bis zum Spital komme ich ohne Probleme, doch dort wird es schwierig. Denn obwohl der Bezirk Dali die Wohnstatt von etwa einer halben Million Menschen ist, und ein dementsprechend grosses Spital besitzt, scheint hier absolut Niemand englisch zu sprechen. Ein Arzt kann ein paar Worte schreiben, versteht aber kaum was ich schriftlich Antworte. Zwischendurch hilft noch eine andere Patientin aus, und ein paar Male gibt der Arzt Anweisungen über Mobiltelefon, die die Bekannte am anderen Ende der Leitung dann mehr schlecht als recht übersetzt. Auf jeden Fall erreiche ich dann eine Stuhluntersuchung. Nach einer halben Stunde kommt der Arzt mit einem Zettel, lächelt und sagt "Good!". Ich weiss zwar nicht, auf was ich untersucht wurde, aber auf dem Testzettel stehen 35 chinesische Worte zum ankreuzen, und eben, es ist keines markiert. Das macht Hoffnung ;-)

Ein Jahr unterwegs

Am Morgen, 1. Mai, bin ich mit Abfahrtsvorbereitungen beschäftig. Ich will weiters nach Norden, habe genug vom sinnlosen Warten. Ich merke erst, als ich nebenbei noch schnell Mails checke, das ich ja genau ein Jahr unterwegs bin - meine Eltern haben mir geschrieben ;-) Vor lauter Paket und Durchfall habe ich das voll vergessen. Schon komisch, am Anfang der Reise kam mir das vor wie eine Ewigkeit, und plötzlich ist es soweit. Klar, ich habe wirklich viel erlebt unterwegs, aber gerade deshalb erscheint es mir wohl kürzer.  Auch bin ich froh, dass bis jetzt alles so gut gegangen ist, aus Distanz betrachtet sind ja all die kleinen momentanen Problemchen nichtig. Keine Unfälle, ernsthaften Schäden am Rad, nie echte Probleme mit der Polizei... Naja, irgendwie ist mir dennoch nicht gerade nach Feiern zumute, also fahre ich einfach ab, was solls, ein Jahr heisst ja doch nur, dass die Erde ungefähr am selben Platz steht wie damals, als ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge Luzia zuwinkte und davonfuhr. Viel wichtiger als die Zeit sind am Schluss die Erinnerungen und komplett neuen Weltansichten!

Weiters nach Lijiang

Bald darauf bin ich ich also unterwegs nach Lijiang, inzwischen habe ich Anweisungen gegeben, das Paket umzuleiten FALLS es dann mal durch denn Zoll kommen sollte. Henry und Kevin sind bereits vor ein paar Tagen weitersgefahren, ich hätte ja auch nicht warten wollen... Also bin ich wieder mal alleine unterwegs. Ich beschliesse eine Nebenroute nach Lijiang zu nehmen, die alte G214. Das hätte mir erlaubt Lijiang auszulassen, falls das Paket plötzlich schneller als erwartet freigekommen und nach Shangri-La gesendet worden wäre. Geschieht natürlich nicht. Dafür ist die Strasse wohl befahrener als die neue Strasse, denn neben dieser ist noch ein neuer Highway gebaut worden. Das bedeutet, dass mich ziemlich viel Schwerverkehr überholt. Wieder eine ziemliche Belastung für meine Lunge, in den Steigungen sind die Dieselwolken echt Gift, selbst mit Atemmaske.

Am Abend kriege ich ausserdem noch eine Durchfallattacke. Obwohl ich in Dali wieder normal essen konnte ohne Probleme, habe ich meiner Verdauung wohl zu viel zugemutet, als ich meinem Fahr-Hunger freien Lauf liess, aber immerhin habe ich diesmal keine Schmerzen. Also ist wieder ein Ruhetag angesagt, eigentlich wären eher zwei notwendig, aber ich weiss nicht recht, was ich in Jianchuan machen soll, also gehe ich weiters nach Lijiang.

Nach etwas mehr als 20 Kilometern komme ich an eine Abzweigung und frage, ob sie nach Lijiang führt. Anscheinend ja, also nehmen ich sie. Und komme auf ein schmales, schwerverkehrfreies Strässchen (Da sind ein paar Steinblöcke, die zu wenig Platz für Lastwagen lassen. Ich verliebe mich fast in diese ;-) Das Strässchen führt mich einen ziemlich steilen Pass hoch auf ungefähr 3000 Meter über Meer (unkalibrierte Luftdruckmessung), etwa 300 mehr als ich eigentlich erwartet habe. Ich fühle mich noch etwas schwach, aber so zu fahren macht dennoch Riesenspass. Leider komme ich später wieder auf die Hauptstrasse, ich bin wohl nicht die geplante Route gefahren. Aber jetzt gehts nur noch Downhill nach Lijiang. Da kann man auch mal die Luft kurz anhalten wenn ein besonders übler Stinker daherkommt.

Lijiang selbst ist ein bisschen ähnlich wie Dali, eine Stadt voller Touristen. Hier ist die Altstadt noch grösser als in Dali, daneben befindet sich auch noch eine Neue Altstadt und alles ist voller Souvenir Shops. Mich wird es bald weitersziehen, aber für heute geniesse ich Schokoladencake und Kaffe. Nur nicht zuviel...

Inzwischen habe ich vernommen, dass mein Paket anscheinend durch den Zoll gekommen sei, allerdings nicht vom Verantwortlichen. Egal, ich kümmere mich nicht mehr darum und fahre bald weiters. Man wird mir dann in Shangri-La schon sagen, wenn es den langen Weg endlich geschafft hat. Ich werde auf jeden Fall nie mehr etwas nach China senden, und auch nie mehr TNT beauftragen. Ich habe auch Ähnliches von anderen Leuten in Lijiang gehört...